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Anstelle von "Sekte" wird heute gerne die Bezeichnung "Sondergemeinschaft" verwendet. | Anstelle von "Sekte" wird heute gerne die Bezeichnung "Sondergemeinschaft" verwendet. | ||
Es stellt sich die Frage, ob dieser Begriff passend ist, denn jede menschliche Gemeinschaft besitzt Besonderheiten - nicht nur Sekten, sondern auch Kirchen und Freikirchen. Sonst würden sie sich ja nicht voneinander unterscheiden. Ferner stellt sich die grundlegendere Frage: Wovon hat sich eine Gruppe denn abgesondert? Was ist denn die ursprüngliche Kirche und was ist die Sekte? Gerade solche Gruppen, die man als die "klassischen christlichen Sekten" einstuft (z. B. Zeugen Jehovas, Neuapostolische Kirche, Mormonen), beanspruchen, die ursprüngliche (vorkonstantinische) Kirche zu sein oder sie wiederherzustellen, also die Urgemeinde vor dem 4. Jahrhundert nach Christus, als die römische Staatskirche entstand. Wegen seiner unklaren Abgrenzung und schillernden Weite wird der Begriff "Sondergemeinschaften" gerne für solche Gruppen verwendet, die nicht als die klassischen Sekten gelten, sondern die an der "Schwelle" zwischen Sekte und Freikirche stehen, wie z.B. die Adventisten und ähnliche Richtungen. | Es stellt sich die Frage, ob dieser Begriff passend ist, denn jede menschliche Gemeinschaft besitzt Besonderheiten - nicht nur Sekten, sondern auch Kirchen und Freikirchen. Sonst würden sie sich ja nicht voneinander unterscheiden. Ferner stellt sich die grundlegendere Frage: Wovon hat sich eine Gruppe denn abgesondert? Was ist denn die ursprüngliche Kirche und was ist die Sekte? Gerade solche Gruppen, die man als die "klassischen christlichen Sekten" einstuft (z. B. [[:Kategorie:Zeugen Jehovas|Zeugen Jehovas]], [[:Kategorie:Neuapostolische Kirche|Neuapostolische Kirche]], [[:Kategorie:Mormonen|Mormonen]]), beanspruchen, die ursprüngliche (vorkonstantinische) Kirche zu sein oder sie wiederherzustellen, also die Urgemeinde vor dem 4. Jahrhundert nach Christus, als die römische Staatskirche entstand. Wegen seiner unklaren Abgrenzung und schillernden Weite wird der Begriff "Sondergemeinschaften" gerne für solche Gruppen verwendet, die nicht als die klassischen Sekten gelten, sondern die an der "Schwelle" zwischen Sekte und Freikirche stehen, wie z.B. die Adventisten und ähnliche Richtungen. | ||
Die | Die [[:Kategorie:Adventisten|Siebenten-Tags-Adventisten]] wurden bis vor wenigen Jahren zu den klassischen Sekten gerechnet. Allerdings haben sie eine Entwicklung zu einer größeren Akzeptanz anderer Gemeinschaften und Milderung lehrmäßiger Standpunkte durchgemacht und dadurch ein Stück weit ihr "Sekten-Image" verloren - was zur Folge hatte, dass sich extremere Kreise wiederum von ihnen abspalteten ("Tochter-Sekten"). | ||
== Sekten, Kirchen und Freikirchen: == | == Sekten, Kirchen und Freikirchen: == | ||
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* Sondergemeinschaften, | * Sondergemeinschaften, | ||
* Häresie n, | * Häresie n, | ||
* | * [[Ketzer|Ketzereien]] und | ||
* Kulte n | * Kulte n | ||
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Es gibt also die unsichtbare Kirche, die nur Gott wirklich kennt. Und trotzdem müssen wir, da wir auf Erden leben, auch eine sichtbare Kirche als konstituiert betrachten. Im Augsburger Bekenntnis, Artikel 7, wird die Kirche als "eine heilige, christliche Kirche" definiert. Sie ist "die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente gemäss dem Evangelium gereicht werden." In Artikel 8 kommt die Spannung zwischen (unsichtbarem) Ideal und (sichtbarer) Wirklichkeit zum Ausdruck, indem betont wird, dass in der Kirche, die "eigentlich nichts anderes als die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen" ist, doch "viele falsche Christen und Heuchler, auch öffentliche Sünder" bleiben. Das ist in wesentlichen Zügen das lutherisch-reformatorische Verständnis von Kirche. | Es gibt also die unsichtbare Kirche, die nur Gott wirklich kennt. Und trotzdem müssen wir, da wir auf Erden leben, auch eine sichtbare Kirche als konstituiert betrachten. Im Augsburger Bekenntnis, Artikel 7, wird die Kirche als "eine heilige, christliche Kirche" definiert. Sie ist "die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente gemäss dem Evangelium gereicht werden." In Artikel 8 kommt die Spannung zwischen (unsichtbarem) Ideal und (sichtbarer) Wirklichkeit zum Ausdruck, indem betont wird, dass in der Kirche, die "eigentlich nichts anderes als die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen" ist, doch "viele falsche Christen und Heuchler, auch öffentliche Sünder" bleiben. Das ist in wesentlichen Zügen das lutherisch-reformatorische Verständnis von Kirche. | ||
Die Basisformel des Ökumenischen Rats, 1948 in Amsterdam verabschiedet, definiert Kirche formal knapper und inhaltlich umfassender, nämlich im Sinne eines ökumenischen Minimalkonsenses. Dort heisst es:<blockquote>"Kirchen sind solche Gemeinschaften, die den Herrn Jesus Christus, gemäss der Heiligen Schrift, als Gott und Heiland bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes." Hier ist also enthalten: "der Herr Jesus Christus, gemäss der Heiligen Schrift".</blockquote>Jesus Christus, wie er in der Bibel beschrieben wird, bildet die Grundlage der christlichen Kirchen. Und zwar wird er ausdrücklich als "Gott" und "Heiland" ("Retter", "Erlöser") definiert - im Gegensatz zu manchen Auflösungserscheinungen, die sich heute nicht nur bei vielen Sekten, sondern leider weithin auch beim Ökumenischen Rat selber finden. Im Gegenüber zu verschiedenen Sekten und Kulten wird auch die Dreieinigkeit ausdrücklich angesprochen, wenn auch in einer doxologischen (lobpreisenden) Formel. Diese Definition aus dem Jahre 1948 ist allerdings inhaltlich sehr dünn und lässt leider durch ihre mangelnde Lehrfestsetzung auch für unbiblische Gruppierungen Raum. Klarere Definitionen hingegen finden sich in den altkirchlichen Bekenntnissen ( | Die Basisformel des Ökumenischen Rats, 1948 in Amsterdam verabschiedet, definiert Kirche formal knapper und inhaltlich umfassender, nämlich im Sinne eines ökumenischen Minimalkonsenses. Dort heisst es:<blockquote>"Kirchen sind solche Gemeinschaften, die den Herrn Jesus Christus, gemäss der Heiligen Schrift, als Gott und Heiland bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes." Hier ist also enthalten: "der Herr Jesus Christus, gemäss der Heiligen Schrift".</blockquote>Jesus Christus, wie er in der Bibel beschrieben wird, bildet die Grundlage der christlichen Kirchen. Und zwar wird er ausdrücklich als "Gott" und "Heiland" ("Retter", "Erlöser") definiert - im Gegensatz zu manchen Auflösungserscheinungen, die sich heute nicht nur bei vielen Sekten, sondern leider weithin auch beim Ökumenischen Rat selber finden. Im Gegenüber zu verschiedenen Sekten und Kulten wird auch die Dreieinigkeit ausdrücklich angesprochen, wenn auch in einer doxologischen (lobpreisenden) Formel. Diese Definition aus dem Jahre 1948 ist allerdings inhaltlich sehr dünn und lässt leider durch ihre mangelnde Lehrfestsetzung auch für unbiblische Gruppierungen Raum. Klarere Definitionen hingegen finden sich in den altkirchlichen Bekenntnissen ([[Nicänum]], [[Nicäno-Constantinopolitanum]] und [[Chalkedonense]]), die bis heute das bindende Glied zwischen den großen Konfessionen und auch den meisten Freikirchen (im Unterschied zu den Sekten) sind. | ||
''Freikirchen'' sind im Wesentlichen nichts anderes als Kirchen, die staatsunabhängig, also frei ihre Versammlungen und ihre Existenzweise leben wollen. Es gibt allerdings auch Unterschiede in Struktur, Sakramentsverständnis und auf anderen Gebieten, aber ursprünglich kommt der Begriff von der organisatorischen Unabhängigkeit und Freiheit der Kirchengebilde her. In den USA z. B. sind - im Gegensatz zu europäischen Ländern - alle Kirchen (also auch die lutherische, reformierte und römisch-katholische Kirche) Freikirchen aufgrund der dortigen Staatsstruktur. In Europa rechnet man zu den Freikirchen hingegen Denominationen wie Methodisten, Baptisten, Brüdergemeinden, Mennoniten, Freie Evangelische Gemeinden, aber auch Abtrennungen von den ehemaligen lutherischen und reformierten Staatskirchen, etwa die Selbständige Evangelisch Lutherische Kirche und die Evangelisch-altreformierte Kirche. | ''Freikirchen'' sind im Wesentlichen nichts anderes als Kirchen, die staatsunabhängig, also frei ihre Versammlungen und ihre Existenzweise leben wollen. Es gibt allerdings auch Unterschiede in Struktur, Sakramentsverständnis und auf anderen Gebieten, aber ursprünglich kommt der Begriff von der organisatorischen Unabhängigkeit und Freiheit der Kirchengebilde her. In den USA z. B. sind - im Gegensatz zu europäischen Ländern - alle Kirchen (also auch die lutherische, reformierte und römisch-katholische Kirche) Freikirchen aufgrund der dortigen Staatsstruktur. In Europa rechnet man zu den Freikirchen hingegen Denominationen wie Methodisten, Baptisten, Brüdergemeinden, Mennoniten, Freie Evangelische Gemeinden, aber auch Abtrennungen von den ehemaligen lutherischen und reformierten Staatskirchen, etwa die Selbständige Evangelisch Lutherische Kirche und die Evangelisch-altreformierte Kirche. | ||
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==== Buddhistische Sekten ==== | ==== Buddhistische Sekten ==== | ||
* verschiedene "Schulen" des | * verschiedene "Schulen" des [[Zen-Meditation|Zen]]; | ||
==== Psycho-Sekten ==== | ==== Psycho-Sekten ==== | ||
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==== Neuoffenbarungs- und spiritistische Sekten ==== | ==== Neuoffenbarungs- und spiritistische Sekten ==== | ||
* | * [[Universelles Leben]] | ||
* | * [[Fiat Lux]] | ||
* die | * die Geistige Loge Zürich u.a.; | ||
==== Satanistische Sekten und Kulte ([[Satanismus]]); ==== | ==== Satanistische Sekten und Kulte ([[Satanismus]]); ==== | ||
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Dieses Schema ist nicht starr, sondern fließend, d.h. viele Sekten sind mehreren Kategorien gleichzeitig zuzuordnen. So weisen z.B. mehrere der "klassischen Sekten" zugleich Kennzeichen der Neuoffenbarung, des esoterischen Wissens und des Spiritismus (wenn auch oft verschleiert) auf. Die Bahai-Bewegung kann als synkretistische Sekte, aber auch als Abspaltung aus dem Islam mit esoterischen Elementen eingeordnet werden. Die Bhagwan-Bewegung als Hindu-Sekte weist zugleich Kennzeichen einer Psycho-Sekte auf. Diese Beispiele könnten noch lange fortgesetzt werden. Die Zahl der Sekten, Kulte und Religionen (und dazu gehört nicht zuletzt der Islam!), die in der westlichen Welt "missionieren", geht inzwischen in die Hunderte, ja womöglich sogar in die Tausende, wenn man alle Splittergruppen, "Tochter-Sekten" usw. mitrechnet. Gibt es dann aber überhaupt noch Kriterien, um diese zu beurteilen? Ich halte es mit Kurt Hutten, der neben den soziologischen auch den theologisch-dogmatischen Maßstab stellte. Hutten wandte die reformatorischen Bekenntnisse als Maßstab zur Prüfung aller Sektenlehren an, allerdings mit einer wesentlichen Einschränkung: "Der Wahrheitsanspruch der reformatorischen Bekenntnisse steht und fällt damit, dass sie sich mit der Heiligen Schrift decken und den zentralen Inhalt der Offenbarung Gottes richtig wiedergeben ... Die Verwendung der in den reformatorischen Bekenntnissen enthaltenen Maßstäbe ist sachgemäß, weil und sofern diese Bekenntnisse nichts anderes sagen, als was die Heilige Schrift sagt" (Hutten, a.a.O., 748). | Dieses Schema ist nicht starr, sondern fließend, d.h. viele Sekten sind mehreren Kategorien gleichzeitig zuzuordnen. So weisen z.B. mehrere der "klassischen Sekten" zugleich Kennzeichen der Neuoffenbarung, des esoterischen Wissens und des Spiritismus (wenn auch oft verschleiert) auf. Die Bahai-Bewegung kann als synkretistische Sekte, aber auch als Abspaltung aus dem Islam mit esoterischen Elementen eingeordnet werden. Die Bhagwan-Bewegung als Hindu-Sekte weist zugleich Kennzeichen einer Psycho-Sekte auf. Diese Beispiele könnten noch lange fortgesetzt werden. Die Zahl der Sekten, Kulte und Religionen (und dazu gehört nicht zuletzt der Islam!), die in der westlichen Welt "missionieren", geht inzwischen in die Hunderte, ja womöglich sogar in die Tausende, wenn man alle Splittergruppen, "Tochter-Sekten" usw. mitrechnet. Gibt es dann aber überhaupt noch Kriterien, um diese zu beurteilen? Ich halte es mit Kurt Hutten, der neben den soziologischen auch den theologisch-dogmatischen Maßstab stellte. Hutten wandte die reformatorischen Bekenntnisse als Maßstab zur Prüfung aller Sektenlehren an, allerdings mit einer wesentlichen Einschränkung: "Der Wahrheitsanspruch der reformatorischen Bekenntnisse steht und fällt damit, dass sie sich mit der Heiligen Schrift decken und den zentralen Inhalt der Offenbarung Gottes richtig wiedergeben ... Die Verwendung der in den reformatorischen Bekenntnissen enthaltenen Maßstäbe ist sachgemäß, weil und sofern diese Bekenntnisse nichts anderes sagen, als was die Heilige Schrift sagt" (Hutten, a.a.O., 748). | ||
Hier freilich liegt das Problem, denn viele Sekten werfen den Kirchen der Reformation gerade dies vor, dass sie in ihren Bekenntnissen die biblische Botschaft bzw. Teile von ihr vergessen oder verfälscht hätten, die von ihnen selber wieder entdeckt worden seien. Es bleibt also letztendlich allein die Bezugnahme auf die Bibel Alten und Neuen Testaments in den Ursprachen, um ein Kriterium zur Beurteilung von Sekten, Kulten und Weltanschauungen an der Hand zu haben. Und hier wiederum ist die schriftgemäße Hermeneutik (Auslegungskunst) entscheidend. Welches aber ist die schriftgemäße Hermeneutik? Es ist die Hermeneutik, welche die Intention der biblischen Aussagen ernst nimmt - und das heisst: die vom Literalsinn (Wortsinn) und Kontext (Zusammenhang) der einzelnen Bibelstellen ausgeht und die | Hier freilich liegt das Problem, denn viele Sekten werfen den Kirchen der Reformation gerade dies vor, dass sie in ihren Bekenntnissen die biblische Botschaft bzw. Teile von ihr vergessen oder verfälscht hätten, die von ihnen selber wieder entdeckt worden seien. Es bleibt also letztendlich allein die Bezugnahme auf die Bibel Alten und Neuen Testaments in den Ursprachen, um ein Kriterium zur Beurteilung von Sekten, Kulten und Weltanschauungen an der Hand zu haben. Und hier wiederum ist die schriftgemäße Hermeneutik (Auslegungskunst) entscheidend. Welches aber ist die schriftgemäße Hermeneutik? Es ist die Hermeneutik, welche die Intention der biblischen Aussagen ernst nimmt - und das heisst: die vom Literalsinn (Wortsinn) und Kontext (Zusammenhang) der einzelnen Bibelstellen ausgeht und die [[Heilsgeschichte|heilsgeschichtliche]] Entfaltung der biblischen Berichte beachtet. Geschichtsbericht ist als Geschichtsbericht, Bildwort als Bildwort, Gleichnis als Gleichnis zu deuten usw. Welche Auslegung im Einzelfall angemessen ist, geht in der Regel klar aus dem Textzusammenhang hervor. Auf diese Kriterien haben die Reformatoren Wert gelegt und sie neu ans Licht gehoben. Schriftgemäße Hermeneutik ist also eine Interpretation, die Bibelstellen nicht aus ihrem Zusammenhang reißt oder gewaltsam allegorisch umdeutet, wie dies bei Sekten oft geschieht. | ||
Kurt Hutten betonte neben der Orthodoxie die Orthopraxie: "Die Entscheidung über die Seligkeit und Verdammnis fällt nicht im Raum des Bekenntnisses, sondern in der Nachfolge" (K. Hutten, a.a.O., 748f.) Das ist völlig richtig. Richtige Lehre und richtiges Leben gehören zusammen. Und der Maßstab für beides ist die Heilige Schrift. | Kurt Hutten betonte neben der Orthodoxie die Orthopraxie: "Die Entscheidung über die Seligkeit und Verdammnis fällt nicht im Raum des Bekenntnisses, sondern in der Nachfolge" (K. Hutten, a.a.O., 748f.) Das ist völlig richtig. Richtige Lehre und richtiges Leben gehören zusammen. Und der Maßstab für beides ist die Heilige Schrift. | ||
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Ganz eminent wichtig sind die Sprache, die Begriffe im Gespräch, die Terminologie. Wenn ich mit jemanden, der zu einer Sekte oder einem Kult gehört, spreche, dann ist die Verwirrung der Geister sehr schnell perfekt, wenn die Begriffe vermischt und verwirrt werden. Denn natürlich reden auch Mitglieder von Sekten von "Gott", von "Christus", von "Erlösung", von "Wiedergeburt" usw. Alle diese Begriffe, die der Bibel entnommen sind, und viele weitere kommen vor. Aber wir müssen immer fragen: Was meint Ihr damit? | Ganz eminent wichtig sind die Sprache, die Begriffe im Gespräch, die Terminologie. Wenn ich mit jemanden, der zu einer Sekte oder einem Kult gehört, spreche, dann ist die Verwirrung der Geister sehr schnell perfekt, wenn die Begriffe vermischt und verwirrt werden. Denn natürlich reden auch Mitglieder von Sekten von "Gott", von "Christus", von "Erlösung", von "Wiedergeburt" usw. Alle diese Begriffe, die der Bibel entnommen sind, und viele weitere kommen vor. Aber wir müssen immer fragen: Was meint Ihr damit? | ||
Mit der Begriffsverfälschung hängt die Umdeutung von ganzen Bibeltexten zusammen. Man benutzt zwar die Bibel (zumindest bei Sekten im christlichen Kulturraum) recht häufig, aber wie einen Steinbruch, über den man dann das Sekten-System darüber stülpt und allegorisch etwas anderes sagt als das, was vom Literalsinn her dasteht. Demgegenüber ist es entscheidend, den Kontext und den Hintergrund der biblischen Aussagen zu beachten: Bildwort ist als Bildwort, Allegorie als Allegorie, Prosa als Prosa, Parabel als Parabel usw. zu deuten. Es ist in der Auslegung auch wichtig, die Entfaltung von Gottes Heilsplan, sein heilsgeschichtliches Fortschreiten zu berücksichtigen. So macht z.B. der Hebräerbrief im Neuen Testament deutlich, dass die Opfer des Alten Bundes durch das einmalige Opfer Jesu erfüllt und damit auch abgetan sind. Eine Auslegung, die alttestamentliche Aussagen - etwa über die Zeremonialgesetze - aus ihrem heilsgeschichtlichen Zusammenhang reißen und für die Gemeinde des neutestamentlichen Zeitalters verbindlich machen möchte, ist falsch, wird aber von vielen Sekten so gehandhabt, die damit in einer gewissen | Mit der Begriffsverfälschung hängt die Umdeutung von ganzen Bibeltexten zusammen. Man benutzt zwar die Bibel (zumindest bei Sekten im christlichen Kulturraum) recht häufig, aber wie einen Steinbruch, über den man dann das Sekten-System darüber stülpt und allegorisch etwas anderes sagt als das, was vom Literalsinn her dasteht. Demgegenüber ist es entscheidend, den Kontext und den Hintergrund der biblischen Aussagen zu beachten: Bildwort ist als Bildwort, Allegorie als Allegorie, Prosa als Prosa, Parabel als Parabel usw. zu deuten. Es ist in der Auslegung auch wichtig, die Entfaltung von Gottes Heilsplan, sein heilsgeschichtliches Fortschreiten zu berücksichtigen. So macht z.B. der Hebräerbrief im Neuen Testament deutlich, dass die Opfer des Alten Bundes durch das einmalige Opfer Jesu erfüllt und damit auch abgetan sind. Eine Auslegung, die alttestamentliche Aussagen - etwa über die Zeremonialgesetze - aus ihrem heilsgeschichtlichen Zusammenhang reißen und für die Gemeinde des neutestamentlichen Zeitalters verbindlich machen möchte, ist falsch, wird aber von vielen Sekten so gehandhabt, die damit in einer gewissen [[Gesetzlichkeit]] enden. | ||
In diesem Zusammenhang ist auch auf die Frage nach dem Sabbat hinzuweisen, die namentlich für die | In diesem Zusammenhang ist auch auf die Frage nach dem Sabbat hinzuweisen, die namentlich für die [[:Kategorie:Adventisten|Siebenten-Tags-Adventisten]] ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal darstellt. Hier wird schlichtweg übersehen, dass die urchristliche Gemeinde schon in neutestamentlicher Zeit - und nicht erst seit Kaiser Konstantin! - den ersten Tag der Woche (später "Sonntag" genannt) als besonderen Gedenktag an die Auferstehung des Herrn und in bewusster Unterscheidung zu den jüdischen Gebräuchen heilig gehalten hat (vgl. Joh 20,1.19.26; Apg 20,7; Offb 1,10 u.a.). | ||
Was ist Wahrheit" Diese Frage ist auch im Umgang mit Sekten und Kulten von Bedeutung. Die Wahrheitsfrage braucht eine Basis. Die Wahrheit ist zunächst personal: Jesus Christus, wie er uns geoffenbart ist in Gottes Wort, heilsgeschichtlich in Weissagung und Erfüllung (vgl. Joh 14,6). Aber auch in Joh 17,17 ist von der Wahrheit die Rede: "Dein Wort ist die Wahrheit!", sagt Jesus zu Gott dem Vater. Wahrheit ist also das den Zeugen geoffenbarte Wort Gottes, wie es schließlich schriftlich in Gestalt der Bibel niedergelegt wurde. Und dieses Wort ist die "norma normans", die normierende Norm für alle Erkenntnisse heutiger, vergangener und zukünftiger Zeit. | Was ist Wahrheit" Diese Frage ist auch im Umgang mit Sekten und Kulten von Bedeutung. Die Wahrheitsfrage braucht eine Basis. Die Wahrheit ist zunächst personal: Jesus Christus, wie er uns geoffenbart ist in Gottes Wort, heilsgeschichtlich in Weissagung und Erfüllung (vgl. Joh 14,6). Aber auch in Joh 17,17 ist von der Wahrheit die Rede: "Dein Wort ist die Wahrheit!", sagt Jesus zu Gott dem Vater. Wahrheit ist also das den Zeugen geoffenbarte Wort Gottes, wie es schließlich schriftlich in Gestalt der Bibel niedergelegt wurde. Und dieses Wort ist die "norma normans", die normierende Norm für alle Erkenntnisse heutiger, vergangener und zukünftiger Zeit. | ||
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{{Footer|URL=https://www.bibel-glaube.de/bibelglaube/handbuch_orientierung/Sekte.html|AUTHOR=[[User:Lothar.Gassmann|Lothar Gassmann]]|KATHEGORIES=[[Kategorie:Grundsatzartikel]]|LITERATURE=K. Hutten, Seher - Grübler - Enthusiasten, div. Auflagen<br/> L. Gassmann, Was sind Sekten - und was nicht?, 1998}} | {{Footer|URL=https://www.bibel-glaube.de/bibelglaube/handbuch_orientierung/Sekte.html|AUTHOR=[[User:Lothar.Gassmann|Lothar Gassmann]]|KATHEGORIES=[[Kategorie:Grundsatzartikel]]|LITERATURE=K. Hutten, Seher - Grübler - Enthusiasten, div. Auflagen<br/> L. Gassmann, Was sind Sekten - und was nicht?, 1998}} | ||
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