Gedächtnismahl (Zeugen Jehovas): Unterschied zwischen den Versionen

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(Die Seite wurde neu angelegt: „Die Zeugen Jehovas-Lehre vom Zwei-Klassen-System wirkt sich praktisch aus in der zweiten von den Zeugen Jehovas praktizierten Zeichenhandlung (nach der Taufe): dem ''„Gedächtnismahl“''. Auch dieses hat mit dem biblischen Herrenmahl oder Abendmahl so gut wie nichts mehr gemeinsam. Wie läuft es ab?<blockquote>„Jedes Jahr begehen die wenigen noch auf Erden lebenden Glieder der ´kleinen Herde` am Todestag Christi die Fe…“)
(kein Unterschied)

Version vom 3. Mai 2022, 18:45 Uhr

Die Zeugen Jehovas-Lehre vom Zwei-Klassen-System wirkt sich praktisch aus in der zweiten von den Zeugen Jehovas praktizierten Zeichenhandlung (nach der Taufe): dem „Gedächtnismahl“. Auch dieses hat mit dem biblischen Herrenmahl oder Abendmahl so gut wie nichts mehr gemeinsam. Wie läuft es ab?

„Jedes Jahr begehen die wenigen noch auf Erden lebenden Glieder der ´kleinen Herde` am Todestag Christi die Feier zum Gedächtnis an seinen Tod. Wie Jesus gebot, genießen sie ungesäuertes Brot - ein Sinnbild des Leibes, den Jesus für die Menschheit geopfert hat - und Rotwein - ein Sinnbild des Blutes, das Jesus für die Menschheit vergossen hat. Jesus sagte zu seinen Nachfolgern, denen er gebot, von diesen Symbolen zu nehmen, er schließe mit ihnen ´einen Bund für ein Königreich`. Wer kein Erbe des himmlischen Königreiches ist, nimmt daher nicht von den Symbolen. (Lk 22:19, 20., 29) Die Menschen, die die Hoffnung haben, irdisches Leben zu erlangen, sind jedoch jedes Jahr in großer Zahl beim Abendmahl des Herrn als Zuschauer zugegen“ (Die Wahrheit, die zu ewigen Leben führt, S. 80).


Im Überblick betrachtet, weist das Gedächtnismahl der Zeugen Jehovas folgende Kennzeichen auf (vgl. zum folgenden: HVB, S. 12-15):

  • Es wird nur einmal im Jahr, und zwar am 14. Nisan (nach dem jüdischen Kalender des 1. Jahrhunderts n. Chr.) gefeiert, da es als reine Gedenkfeier angesehen wird.
  • Es werden die Elemente Brot und vergorener Rotwein verwendet (im Unterschied übrigens zu den Adventisten, die ausschließlich unvergorenen Traubensaft gebrauchen).
  • Nur die „Gesalbten“, die zu den 144.000 gehören, nehmen von den Elementen (dabei handelte es sich in den 1990er Jahren weltweit noch um wenige tausend Personen; in vielen Versammlungen befand sich überhaupt keiner mehr; 1993 z.B. nahmen von den weltweit 11.865.765 beim „Gedächtnismahl“ Anwesenden nur 8.693 Zeugen Jehovas Brot und Wein)
  • Alle „anderen Schafe“ (die Millionen Zeugen Jehovas außer dem Überrest aus den 144.000) sind als Zuschauer zugegen. Wo kein Überrest-Mitglied mehr vorhanden ist, läßt man die Elemente einfach unberührt durch die Reihen gehen.

Die „anderen Schafe“ sind „bei der Feier des Abendmahls anwesend, doch da sie weder Miterben Christi noch geistige Söhne Gottes sind und auch nicht am Tod Christi und an der Hoffnung teilhaben, durch eine Auferstehung zu himmlischem Leben mit ihm vereint zu werden, nehmen sie nicht von den Symbolen“ (HVB, S. 14).

Mit dieser Lehre hat die WTG aus dem von Jesus gebotenen Gemeinschaftsmahl ein „Elite-Mahl“ einer aussterbenden (und inzwischen ausgestorbenen) Klasse gemacht und ihm auch sonst seine wesentlichen Eigenschaften geraubt. Gedächtnisaspekt (Lk 22,19; 1. Kor 11,24 f.) und eschatologischer Aspekt (Mt 26,29 parr.; 1. Kor 11,26) werden überbetont und uminterpretiert (Letzterer wird auf die „Heiligtumsklasse“ reduziert). Gabecharakter (Mt 26,26 f. parr.; 1. Kor 11,24 f.) und Gemeinschaftsaspekt (Mt 26,27 parr.: „Trinket alle daraus!“; 1. Kor 10,16 f.) werden völlig ausgeblendet, ja zerstört. Aus einer biblischen Betrachtung des Abendmahls ergibt sich hingegen folgendes Resultat:

„Paulus, der den literarisch frühesten Bericht vom ´Herrenmahl` (1 Kor 11,20-34) bietet, betont  den Gemeinschaftscharakter der abendlichen Feier und das Anteilgeben an den Speisen ... Durch den Genuß der geistlichen Speise wird die Gemeinschaft mit dem Herrn der Kirche und auch die der Glieder untereinander gestärkt; das den Leib Christi bezeichnende Brot drückt die Einheit der Gemeinde aus (1 Kor 10,16 f) ... Weil der Knecht Gottes durch seine Lebenshingabe die Sünden der Welt wegträgt und das Todesurteil über den Sünder aufhebt, schenkt die Gemeinschaft mit ihm das ewige Leben. Im Herrenmahl bietet er sich als das lebendige, vom Himmel kommende Brot, als das Manna der Endzeit an (Joh 6,50 f)“ (O. Betz, Art. „Abendmahl, biblisch“, in: ELThG I/1992, S. 3).