Marterpfahl (Zeugen Jehovas): Unterschied zwischen den Versionen

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(Die Seite wurde neu angelegt: „Gründung der WTG durch Charles Taze >Russell. In dem Ge-schichtswerk „Jehovas Zeugen - Verkündiger des Königreiches Gottes“ wird unter der Überschrift „Aufgegebene Bräuche und Gewohnheiten“ auch das Kreuz erwähnt: „Jahrelang trugen die Bibelforscher ein Kreuz und eine Krone als Abzeichen, und dieses Symbol war von 1891 bis 1931 auf dem Titel-blatt des ´Wacht-Turms` abgebildet... 1936 wurde erklärt, alles deute darauf hin, daß Christus…“)
 
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Aktuelle Version vom 8. Mai 2022, 00:23 Uhr

Gründung der WTG durch Charles Taze >Russell. In dem Ge-schichtswerk „Jehovas Zeugen - Verkündiger des Königreiches Gottes“ wird unter der Überschrift „Aufgegebene Bräuche und Gewohnheiten“ auch das Kreuz erwähnt:

„Jahrelang trugen die Bibelforscher ein Kreuz und eine Krone als Abzeichen, und dieses Symbol war von 1891 bis 1931 auf dem Titel-blatt des ´Wacht-Turms` abgebildet... 1936 wurde erklärt, alles deute darauf hin, daß Christus an einem Pfahl starb, nicht an einem Kreuz aus zwei rechtwinklig angeordneten Balken“ (JZ, S. 200).

Worauf beruht diese „neue Entdeckung“? Die WTG nennt im we-sentlichen folgende Argumente:

  1. Das griechische Wort staurós, das gewöhnlich mit „Kreuz“ übersetzt wird, bedeute „lediglich einen aufrechtstehenden Stamm, Pfahl, Spitzpfahl, Pfeiler oder Pfosten“, aber kein Kreuz. Das werde dadurch bestätigt, daß „xýlon als Synonym für staurós“ im Neuen Testament gebraucht werden könne, was einfach „Holz“ oder „Holzbalken“ bedeute (HVB, S. 1.158). Hierzu läßt sich sagen, daß die WTG mit ihrer Übersetzung sicher-lich die ursprünglichen Bedeutungen von staurós und xýlon wie-dergibt (vgl. Bauer 1971, Sp. 1.086 ff.; 1.515 f.). Was sie aber übersieht, ist die Erweiterung der ursprünglichen Bedeutung, die diese Begriffe im Laufe der Zeit erfahren haben. So ist es eine historisch gesicherte Tatsache, daß die Römer Hinrichtungen sowohl an einfachen Pfählen als auch an Kreuzen (aufrecht ste-hender Pfahl mit Querbalken) durchführten (vgl. z.B. die Be-schreibungen in: Seneca, De Vita Beata 19,3; Epistola 101,12; Tacitus, Historiae IV, 3; Josephus, Antiquitates 11, 261 ff.). Die zur Zeit Jesu übliche Hinrichtungsform war die Kreuzigung (vgl. ThWNT VII/1964, S. 573 f.). Der für „Kreuz“ verwendete lateini-sche Begriff: crux wurde von den Verfassern des Neuen Testa-ments mit dem griechischen Begriff staurós (gelegentlich auch xýlon) wiedergegeben (vgl. Bauer 1971, Sp. 1.515 f.). Im Theolo-gischen Wörterbuch zum Neuen Testament wird zu „staurós“ ausgeführt:
    „Der staurós ist ein Marterwerkzeug, um schwere Verbrechen zu süh-nen ... Es lassen sich drei Grundformen in der Gestalt des Kreuzes erkennen. Das Kreuz war entweder ein senkrechter, oben zugespitzter Pfahl (skólops...), oder es bestand aus einem senkrechten Balken u[nd] einem oben aufliegenden Querbalken (Form des T, Crux com-missa) oder auch aus zwei sich schneidenden Balken von gleicher Länge (Form +, crux immissa) ... Die Kreuzigung vollzog sich so, daß der Verurteilte, der das patibulum (Querholz) zur Hinrichtungsstätte getragen hatte - der Kreuzespfahl war gew[öhnlich] bereits fest einge-rammt -, am Boden mit ausgestreckten Armen an das Querholz mit Stricken festgebunden oder mit Nägeln angenagelt wurde. Darauf wurde das Querholz mit dem Körper hochgezogen u[nd] an dem senkrecht in der Erde stehenden Pfahl befestigt ... Das Kreuz Jesu, das die Römer zum Vollzug der Todesstrafe errichteten, war wie jedes andere Kreuz ein mit einem Querbalken versehener senkrechter Pfahl“ (ThWNT VII/1964, S. 572 ff.).
  2. Ferner wird von Seiten der WTG argumentiert, das „aus zwei Balken bestehende Kreuz sei chaldäischen Ursprungs“ und daher abzulehnen (HVB, S. 1.158). - Darauf antworte ich: Selbstver-ständlich stammt die Todesstrafe der Kreuzigung (aber ebenso der „Pfählung“!) aus dem Heidentum. Sie wurde außer von den Römern von den Persern, Griechen und anderen Völkern durch-geführt. Und auch das Kreuz als Symbol findet sich in verschie-denen Abwandlungen bei mehreren Religionen. Diese heidni-schen Wurzeln und Parallelen sprechen aber keineswegs gegen den Gebrauch im Christentum. Denn erstens hat sich Jesus seine Todesart ja nicht ausgesucht, sondern wurde von Römern (Hei-den) im Rahmen ihrer Hinrichtungsmethoden getötet. Und zwei-tens ist das Kreuz erst und ausschließlich deshalb, weil Jesus auf diese Weise hingerichtet wurde, zum zentralen christlichen Sym-bol geworden - unabhängig von jedem sonstigen Gebrauch bei antiken Völkern und heidnischen Religionen. Ein Problem tritt nicht durch das Kreuz als Symbol an sich auf, sondern nur da, wo heute unter christlichem Deckmantel das Kreuz zu magischen Zwecken (Aberglaube, Beschwörungen, weiße Magie) miß-braucht wird. Solcher Mißbrauch ist abzulehnen (vgl. 5. Mose 18,9 ff.). Aber wie bei vielem gilt auch hier: „Abusus non tollit usum“ – „Der Mißbrauch hebt den (guten, sinnvollen und notwendigen) Gebrauch nicht auf“.
  3. Im Anhang der Neuen-Welt-Übersetzung findet sich die Abbil-dung (Zeichnung) einer „Crux simplex“ (aufrecht stehender Bal-ken), um augenfällig die Hinrichtungsart bei den Römern zu „il-lustrieren“. Hierzu wird folgendes ausgeführt:
    „Ein einfacher Stamm zum Anpfählen eines Verbrechers wurde im Lateinischen crux simplex genannt. Ein solches Marterinstrument wird von Justus Lipsius (1547-1606) in seinem Buch De cruce libri tres, Antwerpen 1629, auf S. 19 dargestellt. Die nebenstehende Fotografie [sic!] der crux simplex ist eine tatsächliche Reproduktion aus seinem Buch“ (NWÜ, S. 1.642).
    Was die WTG verschweigt, ist die Tatsache, daß Lipsius in sei-nem „Buch“ (eigentlich sind es drei Bücher!) fünfzehn weitere Illustrationen abdruckte, von denen die meisten die Hinrichtung an Kreuzen (in Gestalt der Crux commissa und immissa) darstel-len. Dieses Bild beweist also im Hinblick auf die Hinrichtungsart Jesu gar nichts. Wenn die WTG Lipsius als Kronzeugen für die „Pfählung“ heranziehen will, sollte sie so ehrlich sein zuzugeben, daß Lipsius selber (z.B. auf S. 661 desselben Bandes) ausdrück-lich die Kreuzigung (und nicht die Pfählung) als Hinrichtungsart Jesu beschreibt.
  4. Die wichtigste Frage aber ist, ob die Bibel irgendwelche Hin-weise auf die Hinrichtungsart Jesu enthält. Für die ZJ ist die Sach-lage klar: „Wie im Falle Jesu war es bei den Römern Brauch, die Hände (und wahrscheinlich auch die Füße) des Angeklagten an einen Stamm zu nageln“ (HVB, S. 1.157). Durch die Abbildung aus dem Buch von Lipsius wird zum Ausdruck gebracht, wie sich die WTG diese Annagelung vorstellt: Je ein Nagel wurde durch die Hände und Füße getrieben. - Nun gibt es aber eine Bibelstel-le, die unmißverständlich zum Ausdruck bringt, daß Jesu Hände mit zwei Nägeln angeschlagen wurden: Joh 20,25. Dort sagt Thomas nach der Auferstehung Jesu:
    „Wenn ich nicht in seinen Händen die Male der Nägel (ton heelon; Plural!) sehe und meinen Finger in die Male der Nägel (Plural!) lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich`s nicht glauben.“

Die zwingende Konsequenz daraus ist, daß Jesus mit ausgebrei-teten Händen an einem wirklichen Kreuz (einer Crux commissa oder immissa) gestorben ist, was auch die zeitgenössischen Berichte aus der Umwelt Jesu bestätigen und - mit Ausnahme der ZJ, und das auch erst seit 1931 - in der Kirchengeschichte so gut wie nie in Zweifel gezogen worden ist.

Literaturhinweise

L. Gassmann; Kleines Zeugen Jehovas Handbuch; MABO PROMOTION (Oktober 20061)

Einzelhinweise und Quellen

Anmerkungen


Quellenangaben