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Kapitalismus: Unterschied zwischen den Versionen

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== Ideologische und wissenschaftliche Definitionen ==
== Ideologische und wissenschaftliche Definitionen ==
- Die einflussreichste und vorherrschende Definition des Kapitalismus kommt von deren Gegnern, den Marxisten und Neomarxisten. Allerdings gibt es auch Apologeten des Kapitalismus, die interessante Definitionen gegeben haben. Das ursprüngliche Hauptwerk der Marxisten ist "Das Kapital" (1864-1893) von Marx und Engels. Einige marxistische Feststellungen und Erkenntnisse entsprechen den Tatsachen. Da der Marxismus aber einseitig für eine kommunistische Wirtschaftsordnung eintritt, ist seine Wertung subjektiv und dadurch unwissenschaftlich.  
Die einflussreichste und vorherrschende Definition des Kapitalismus kommt von deren Gegnern, den Marxisten und Neomarxisten. Allerdings gibt es auch Apologeten des Kapitalismus, die interessante Definitionen gegeben haben. Das ursprüngliche Hauptwerk der Marxisten ist "Das Kapital" (1864-1893) von Marx und Engels. Einige marxistische Feststellungen und Erkenntnisse entsprechen den Tatsachen. Da der Marxismus aber einseitig für eine kommunistische Wirtschaftsordnung eintritt, ist seine Wertung subjektiv und dadurch unwissenschaftlich.  


Im marxistischen Wirtschaftsmodell wird der Privatbesitz zum negativen Motor der gesellschaftlichen Entwicklung schlechthin erklärt. Marx und Engels erkannten im Kapitalismus die typische Wirtschaftsform der bürgerlichen Gesellschaft. Für sie ist der Kapitalismus die feindliche Kraft gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung (Massen), der Arbeiterklasse. Der Marxismus teilt die Gesellschaft in zwei feindliche Klassen: Arbeiterklasse und Kapitalisten, mit jeweiligen Untergliederungen. In ihrer Geschichtsvision sehen die Marxisten eine zukünftige kommunistische Wirtschafts- und Staatsform, die gewaltsam erkämpft werden muss (Klassenkampf, Weltrevolution). In diesem Kampf ist auch der Einsatz von Terror und Unfreiheit ein legitimes Mittel für die aufstrebende Arbeiterklasse (Diktatur des Proletariats).
Im marxistischen Wirtschaftsmodell wird der Privatbesitz zum negativen Motor der gesellschaftlichen Entwicklung schlechthin erklärt. Marx und Engels erkannten im Kapitalismus die typische Wirtschaftsform der bürgerlichen Gesellschaft. Für sie ist der Kapitalismus die feindliche Kraft gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung (Massen), der Arbeiterklasse. Der Marxismus teilt die Gesellschaft in zwei feindliche Klassen: Arbeiterklasse und Kapitalisten, mit jeweiligen Untergliederungen. In ihrer Geschichtsvision sehen die Marxisten eine zukünftige kommunistische Wirtschafts- und Staatsform, die gewaltsam erkämpft werden muss (Klassenkampf, Weltrevolution). In diesem Kampf ist auch der Einsatz von Terror und Unfreiheit ein legitimes Mittel für die aufstrebende Arbeiterklasse (Diktatur des Proletariats).
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Schon sehr früh kamen Beobachter zu dem Eindruck, der Kapitalismus sei die eigentliche Religion der vom Gewinnstreben geprägten Gesellschaft. Hinter diesem Gewinnstreben treten die bisherigen Werte und Religionen zurück.  
Schon sehr früh kamen Beobachter zu dem Eindruck, der Kapitalismus sei die eigentliche Religion der vom Gewinnstreben geprägten Gesellschaft. Hinter diesem Gewinnstreben treten die bisherigen Werte und Religionen zurück.  


- Der Aufklärer Voltaire, eigentlich François-Marie Arouet (1694-1778), machte im Jahr 1734 die Beobachtung an der Londoner Börse, dass darin zwischen den Angehörigen der drei bisherigen Weltreligionen eine praktische Toleranz ausgebrochen war. Der Hintergrund dieser Toleranz sei nach Voltaires Überzeugung, dass diese Toleranz eigentlich nur erklärbar ist, wenn man davon ausgehe, dass die an der Börse handelnden Juden, Muslime und Christen de facto alle der gleichen Religion des Geldes angehören. Ihr Gott wird das Geld, ihr Tempel die Börse und ihr Ziel immer mehr Reichtum. Um einen starken Markt zu schaffen, setzt der Kapitalismus die [[Toleranz]] in jeder Frage voraus (Religion, Moral, Nation usw.). Somit ist der Kapitalismus in voller Kraft ohne die geistesgeschichtliche Tatsache der "Aufklärung" mit ihrem Gedanken der Toleranz (Lessing u.a.) nicht denkbar. Der Kapitalismus wächst wie ein Parasit am dem Baum der Aufklärung.  
* Der Aufklärer Voltaire, eigentlich François-Marie Arouet (1694-1778), machte im Jahr 1734 die Beobachtung an der Londoner Börse, dass darin zwischen den Angehörigen der drei bisherigen Weltreligionen eine praktische Toleranz ausgebrochen war. Der Hintergrund dieser Toleranz sei nach Voltaires Überzeugung, dass diese Toleranz eigentlich nur erklärbar ist, wenn man davon ausgehe, dass die an der Börse handelnden Juden, Muslime und Christen de facto alle der gleichen Religion des Geldes angehören. Ihr Gott wird das Geld, ihr Tempel die Börse und ihr Ziel immer mehr Reichtum. Um einen starken Markt zu schaffen, setzt der Kapitalismus die [[Toleranz]] in jeder Frage voraus (Religion, Moral, Nation usw.). Somit ist der Kapitalismus in voller Kraft ohne die geistesgeschichtliche Tatsache der "Aufklärung" mit ihrem Gedanken der Toleranz (Lessing u.a.) nicht denkbar. Der Kapitalismus wächst wie ein Parasit am dem Baum der Aufklärung.  


- Der Soziologe Max Weber (1864-1920) sieht in der Theologie der calvinistischen Reformation die geistesgeschichtliche Wurzel des Kapitalismus in Europa. Folgt man Webers Argumentation, so ist hier natürlich nur ein von den Gedanken der [[Toleranz]] und späteren Aufklärung beeinflusster Calvinismus ohne biblisch bedingte Skrupel möglich. Der Kapitalismus sei, nach Weber, eine aus religiösen Gründen entstandene Weiterentwicklung der Reformationsbewegung Der Calvinismus habe, nach Weber, im Verlauf des 18. Jahrhunderts die Arbeitsmoral und -ethik in England maßgeblich beeinflusst und legitimiert. Er setzt einen Maßstab bei der Nützlichkeit menschli-chen Handelns an, wobei der wirtschaftliche Erfolg im Vordergrund steht: Zeitvergeudung sei die schlimmste Sünde, wozu auch über-mäßig langer Schlaf oder Luxus zähle. Arbeit sei der von Gott vorgeschriebene Selbstzweck des Lebens. Da die Absichten Got-tes den Menschen verborgen bleiben, müsse jeder im Sinne einer tugendhaften Lebensführung handeln, also als ob er von Gott aus-erwählt sei. Der Erfolg dabei zeigt, ob der Fleiß und das sparsame Leben von Gott belohnt worden sei. Wer keinen wirtschaftlichen Erfolg erzielt habe, sei in Ungnade Gottes gefallen und dafür selbst verantwortlich. Da dieser Hintergrund für Japan nicht haltbar war, führte er hier die Rolle der Samurai als Hintergrund an. Aus christli-cher Sicht muss man in Webers Deutung eine Überspitzung theologischer Gedanken sehen.  
* Der Soziologe Max Weber (1864-1920) sieht in der Theologie der calvinistischen Reformation die geistesgeschichtliche Wurzel des Kapitalismus in Europa. Folgt man Webers Argumentation, so ist hier natürlich nur ein von den Gedanken der [[Toleranz]] und späteren Aufklärung beeinflusster Calvinismus ohne biblisch bedingte Skrupel möglich. Der Kapitalismus sei, nach Weber, eine aus religiösen Gründen entstandene Weiterentwicklung der Reformationsbewegung Der Calvinismus habe, nach Weber, im Verlauf des 18. Jahrhunderts die Arbeitsmoral und -ethik in England maßgeblich beeinflusst und legitimiert. Er setzt einen Maßstab bei der Nützlichkeit menschli-chen Handelns an, wobei der wirtschaftliche Erfolg im Vordergrund steht: Zeitvergeudung sei die schlimmste Sünde, wozu auch über-mäßig langer Schlaf oder Luxus zähle. Arbeit sei der von Gott vorgeschriebene Selbstzweck des Lebens. Da die Absichten Got-tes den Menschen verborgen bleiben, müsse jeder im Sinne einer tugendhaften Lebensführung handeln, also als ob er von Gott aus-erwählt sei. Der Erfolg dabei zeigt, ob der Fleiß und das sparsame Leben von Gott belohnt worden sei. Wer keinen wirtschaftlichen Erfolg erzielt habe, sei in Ungnade Gottes gefallen und dafür selbst verantwortlich. Da dieser Hintergrund für Japan nicht haltbar war, führte er hier die Rolle der Samurai als Hintergrund an. Aus christli-cher Sicht muss man in Webers Deutung eine Überspitzung theologischer Gedanken sehen.  


- Der Neomarxist Theodor W. Adorno (1903-1969) hat 1951, in den "Minima Moralia", auf den engen Zusammenhang von Okkultismus und Spätkapitalismus hingewiesen.
* Der Neomarxist Theodor W. Adorno (1903-1969) hat 1951, in den "Minima Moralia", auf den engen Zusammenhang von Okkultismus und Spätkapitalismus hingewiesen.


== Beurteilung des Kapitalismus aus christlicher Sicht ==
== Beurteilung des Kapitalismus aus christlicher Sicht ==
- Zwar sollten Christen die Erwirtschaftung von Profit nicht grundsätzlich ablehnen. Sie gehört zum Schöpfungsauftrag, die Erde untertan zu machen, dazu. Sie kann sogar ein Werk der Nächstenliebe sein. Durch gutes Wirtschaften werden Arbeitsplätze und somit Lebensmöglichkeiten für die Menschen geschaffen (Adam Smith). Jesus sagte: "So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhaftige vertrauen?" (Lk 16,11). Da aber nicht das Wohl der Menschen, sondern die Gewinnmaximierung Ziel der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist, entwickelt sich der Kapitalismus zu einer Art innerweltlicher Religion, wie schon Voltaire feststellte. Solche Religion können wir nur "Götzendienst" nennen. Der im Kapitalismus verehrte Götze wurde von Jesus mit dem Namen "Mammon" bezeichnet. Wer den Kapitalismus zur Grundhaltung seines Handelns macht, dem sagt Jesus: "Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon" (Mt 6,24).
Zwar sollten Christen die Erwirtschaftung von Profit nicht grundsätzlich ablehnen. Sie gehört zum Schöpfungsauftrag, die Erde untertan zu machen, dazu. Sie kann sogar ein Werk der Nächstenliebe sein. Durch gutes Wirtschaften werden Arbeitsplätze und somit Lebensmöglichkeiten für die Menschen geschaffen (Adam Smith). Jesus sagte: "So ihr nun in dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer will euch das Wahrhaftige vertrauen?" (Lk 16,11). Da aber nicht das Wohl der Menschen, sondern die Gewinnmaximierung Ziel der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist, entwickelt sich der Kapitalismus zu einer Art innerweltlicher Religion, wie schon Voltaire feststellte. Solche Religion können wir nur "Götzendienst" nennen. Der im Kapitalismus verehrte Götze wurde von Jesus mit dem Namen "Mammon" bezeichnet. Wer den Kapitalismus zur Grundhaltung seines Handelns macht, dem sagt Jesus: "Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon" (Mt 6,24).


Die Bibel zeigt, dass die endzeitliche Welt von solchem Götzendienst geprägt sein wird: "Und die Kaufleute auf Erden werden weinen und Leid tragen über sie, weil ihre Ware niemand mehr kaufen wird, die Ware des Goldes und Silbers und Edelgesteins und die Perlen und köstliche Leinwand und Purpur und Seide und Scharlach und allerlei wohlriechendes Holz und allerlei Gefäß von Elfenbein und allerlei Gefäß von köstlichem Holz und von Erz und von Eisen und von Marmor und Zimt und Räuchwerk und Salbe und Weihrauch und Wein und Öl und Semmelmehl und Weizen und Vieh und Schafe und Pferde und Wagen und Leiber und Seelen der Menschen" (Offb 18,11-13).
Die Bibel zeigt, dass die endzeitliche Welt von solchem Götzendienst geprägt sein wird: "Und die Kaufleute auf Erden werden weinen und Leid tragen über sie, weil ihre Ware niemand mehr kaufen wird, die Ware des Goldes und Silbers und Edelgesteins und die Perlen und köstliche Leinwand und Purpur und Seide und Scharlach und allerlei wohlriechendes Holz und allerlei Gefäß von Elfenbein und allerlei Gefäß von köstlichem Holz und von Erz und von Eisen und von Marmor und Zimt und Räuchwerk und Salbe und Weihrauch und Wein und Öl und Semmelmehl und Weizen und Vieh und Schafe und Pferde und Wagen und Leiber und Seelen der Menschen" (Offb 18,11-13).
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