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(Die Seite wurde neu angelegt: „__TOC__ ==Katholisches Selbstverständnis des Papsttums== Der Papst (griech./lat. ''papa'' = Vater) ist der Bischof von Rom und zugleich das Oberhaupt der Katholischen Kirche (KK). Ihm eignet die Fülle des Heiligen Geistes, die höchste Priester-, Lehr- und Leitungsgewalt. Deshalb führt er Bezeichnungen wie "Summus Pontifex" ("Oberster Priester"), "Catholicae Ecclesiae Episcopus" ("Bischof der KK") oder "Sanctitas Sua" ("Seine Heiligkeit"). Begründet w…“) |
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:"daß Gott ein Muster für Leitung und Autorität in der Kirche grundgelegt hat und daß der Heilige Geist fortfährt, die Kirche gemäß diesem Grundmuster zu leiten. Und so geschah es tatsächlich in der frühen Kirche. Obwohl Jesus selbst nie `Nachfolger der Apostel`, `Bischöfe´ und `Diakone´ erwähnt hat, berichten die späteren Schriften des Neuen Testamentes, daß das Amt des Bischofs und Diakons von den Christen anerkannt und akzeptiert war." (Schreck, S. 92 f.). | :"daß Gott ein Muster für Leitung und Autorität in der Kirche grundgelegt hat und daß der Heilige Geist fortfährt, die Kirche gemäß diesem Grundmuster zu leiten. Und so geschah es tatsächlich in der frühen Kirche. Obwohl Jesus selbst nie `Nachfolger der Apostel`, `Bischöfe´ und `Diakone´ erwähnt hat, berichten die späteren Schriften des Neuen Testamentes, daß das Amt des Bischofs und Diakons von den Christen anerkannt und akzeptiert war." (Schreck, S. 92 f.). | ||
Schreck bezieht sich dabei auf die Pastoralbriefe. Diese lehren jedoch, dass ein Bischof einfach ein "Vorsteher" oder "Ältester" ist ([ | Schreck bezieht sich dabei auf die Pastoralbriefe. Diese lehren jedoch, dass ein Bischof einfach ein "Vorsteher" oder "Ältester" ist ([[Älteste]]). Bezüglich der Unübertragbarkeit der Funktion des Petrus betont der bekannte evangelische Exeget Theodor Zahn zu Mt 16: | ||
Daß Pt (Petrus; L. G.) der Grundstein sein soll, an welchen Jesus den Weiterbau seiner Gemeinde anschließen will, bezeichnet eine geschichtliche Tatsache, welche ebenso wenig wiederholt, als rückgängig gemacht oder auf andere Personen übertragen werden kann. Da das Fundament eines Hauses nie bloß aus einem einzigen Stein, dem Grundstein, sondern aus einer Schicht gleichartiger Steine besteht, so wird auch die hier bildlich ausgedrückte Vorstellung von der einzigartigen Bedeutung des Pt für den gesamten Kirchenbau durch die anderwärts zu Tage tretende Vorstellung, daß die Apostel insgesamt und noch andere Personen außer ihnen mit einander das Fundament bilden, und daß Christus der Eckstein sei ... in keiner Weise beeinträchtigt ... Pt (ist) der erste Bekenner des Glaubens der Gemeinde gewesen ...welcher darum auch von dem Bauherrn in feierlicher Weise zum ersten Grundstein des ganzen Baus erklärt worden ist. Der zeitlich zweite oder tausendste Baustein kann niemals der erste oder ein erster Grundstein werden" (Th. Zahn, Das Evangelium des Matthäus, KNT, Leipzig, 3. Aufl. 1910, S. 552). | Daß Pt (Petrus; L. G.) der Grundstein sein soll, an welchen Jesus den Weiterbau seiner Gemeinde anschließen will, bezeichnet eine geschichtliche Tatsache, welche ebenso wenig wiederholt, als rückgängig gemacht oder auf andere Personen übertragen werden kann. Da das Fundament eines Hauses nie bloß aus einem einzigen Stein, dem Grundstein, sondern aus einer Schicht gleichartiger Steine besteht, so wird auch die hier bildlich ausgedrückte Vorstellung von der einzigartigen Bedeutung des Pt für den gesamten Kirchenbau durch die anderwärts zu Tage tretende Vorstellung, daß die Apostel insgesamt und noch andere Personen außer ihnen mit einander das Fundament bilden, und daß Christus der Eckstein sei ... in keiner Weise beeinträchtigt ... Pt (ist) der erste Bekenner des Glaubens der Gemeinde gewesen ...welcher darum auch von dem Bauherrn in feierlicher Weise zum ersten Grundstein des ganzen Baus erklärt worden ist. Der zeitlich zweite oder tausendste Baustein kann niemals der erste oder ein erster Grundstein werden" (Th. Zahn, Das Evangelium des Matthäus, KNT, Leipzig, 3. Aufl. 1910, S. 552). | ||
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Und nun nochmals die Frage: Sind diese drei Dogmen wirklich biblisch so begründet, daß sie unfehlbar sind? | Und nun nochmals die Frage: Sind diese drei Dogmen wirklich biblisch so begründet, daß sie unfehlbar sind? | ||
Die Antwort ist eindeutig: Weder daß Maria in den Himmel gefahren sei, findet sich in der Heiligen Schrift, noch daß sie unbefleckt empfangen worden sei, noch das Petrus unfehlbar war (siehe ausführlicher: [Marienverehrung | Die Antwort ist eindeutig: Weder daß Maria in den Himmel gefahren sei, findet sich in der Heiligen Schrift, noch daß sie unbefleckt empfangen worden sei, noch das Petrus unfehlbar war (siehe ausführlicher: [[Marienverehrung]]). Von katholischer Seite wird behauptet, Petrus sei zwar in seinem Verhalten fehlbar gewesen, aber in seinen Lehren hätte er sich nicht geirrt. Aber dieses Argument lässt sich nicht halten, denn alle oben zitierten Stellen zeigen, dass sich sein Verhalten von seinen Auffassungen überhaupt nicht trennen lässt. | ||
Wir betrachten jetzt, in welcher äußeren Atmosphäre das Unfehlbarkeitsdogma verkündet wurde. Hierzu einige eindrucksvolle Zitate aus dem Buch "Unfehlbare Päpste?" von Anton Schraner (Stein am Rhein 1974), welches eine Verteidigung der Unfehlbarkeit liefern möchte. Auf Seite 50 f. wird ein Augenzeugenbericht eines Korrespondenten der englischen Times wiedergegeben, der zeigt, wie die atmosphärische Stimmung bei der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas war: | Wir betrachten jetzt, in welcher äußeren Atmosphäre das Unfehlbarkeitsdogma verkündet wurde. Hierzu einige eindrucksvolle Zitate aus dem Buch "Unfehlbare Päpste?" von Anton Schraner (Stein am Rhein 1974), welches eine Verteidigung der Unfehlbarkeit liefern möchte. Auf Seite 50 f. wird ein Augenzeugenbericht eines Korrespondenten der englischen Times wiedergegeben, der zeigt, wie die atmosphärische Stimmung bei der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas war: | ||
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Das Petrusamt - so sagt auch Schütte (ebd.) - ist wie das Apostelamt allgemein etwas Einmaliges, Unwiederholbares, weil Apostel Augenzeugen Jesu Christi sein mussten (vgl. Apg 1,21 f.). Aber der Auftrag Christi, "die Versöhnung zu predigen, zu taufen, das heilige Abendmahl auszuteilen und damit den Hirtendienst an der Gemeinde zu tun", sei zugleich auch etwas "Überdauerndes". Und da müsse es Ämter oder Dienste geben, die das weitertragen. Insofern kann man natürlich fragen: Kann und soll und darf es ein Amt geben, das diese Hirten- und Leitungsfunktion und Einheitsfunktion übernimmt - eben das Petrusamt auch heute? | Das Petrusamt - so sagt auch Schütte (ebd.) - ist wie das Apostelamt allgemein etwas Einmaliges, Unwiederholbares, weil Apostel Augenzeugen Jesu Christi sein mussten (vgl. Apg 1,21 f.). Aber der Auftrag Christi, "die Versöhnung zu predigen, zu taufen, das heilige Abendmahl auszuteilen und damit den Hirtendienst an der Gemeinde zu tun", sei zugleich auch etwas "Überdauerndes". Und da müsse es Ämter oder Dienste geben, die das weitertragen. Insofern kann man natürlich fragen: Kann und soll und darf es ein Amt geben, das diese Hirten- und Leitungsfunktion und Einheitsfunktion übernimmt - eben das Petrusamt auch heute? | ||
Manche sehnen sich nach einem Einheitsamt angesichts der Zersplitterung der Christenheit. Es hat etwas Faszinierendes, aber auch etwas Bedrohliches. Wenn nämlich dieses Amt falsche Lehren definiert und dogmatisiert (wie im Katholizismus vielfach geschehen; s. [Sonderlehren | Manche sehnen sich nach einem Einheitsamt angesichts der Zersplitterung der Christenheit. Es hat etwas Faszinierendes, aber auch etwas Bedrohliches. Wenn nämlich dieses Amt falsche Lehren definiert und dogmatisiert (wie im Katholizismus vielfach geschehen; s.[[Sonderlehren (der RKK)|Sonderlehren]]), dann werden diese allgemein verbindlich, dann gibt es keine Alternative dazu. Und das ist sicherlich eine große Gefahr. | ||
Es wird im katholisch-evangelischen Dialog insbesondere von evangelischer Seite vorgeschlagen, eine Entflechtung vorzunehmen von Petrusdienst und Patriarchenamt. Der Bischof von Rom soll als Patriarch nicht über den anderen Patriarchen oder Bischöfen stehen, sondern - wie besonders auch die Orthodoxe Kirche betont - primus inter pares sein, Erster unter Gleichen. Die Patriarchen des Ostens und anderer Kirchen sollen gleichberechtigt neben dem Papst stehen dürfen. Die Zentralisierung solle abgewehrt werden. Ferner solle es zwar ein Einheitsamt geben, aber nicht im Sinne eines Herrschen-Wollens. Das Einheitsamt solle ein Dienst an der Gemeinde und an der Einheit sein. | Es wird im katholisch-evangelischen Dialog insbesondere von evangelischer Seite vorgeschlagen, eine Entflechtung vorzunehmen von Petrusdienst und Patriarchenamt. Der Bischof von Rom soll als Patriarch nicht über den anderen Patriarchen oder Bischöfen stehen, sondern - wie besonders auch die Orthodoxe Kirche betont - primus inter pares sein, Erster unter Gleichen. Die Patriarchen des Ostens und anderer Kirchen sollen gleichberechtigt neben dem Papst stehen dürfen. Die Zentralisierung solle abgewehrt werden. Ferner solle es zwar ein Einheitsamt geben, aber nicht im Sinne eines Herrschen-Wollens. Das Einheitsamt solle ein Dienst an der Gemeinde und an der Einheit sein. | ||
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:"Theologisch ist hier noch vieles offen" (ebd., S. 166). | :"Theologisch ist hier noch vieles offen" (ebd., S. 166). | ||
Mit anderen Worten: Das Einheitsamt des Papstes und der Primat des Papstes müssten sich dem Primat des Evangeliums bzw. der Heiligen Schrift unterordnen. Das ist aber vom Selbstverständnis der Römisch-Katholischen Kirche her unmöglich, da sie sich durch schriftwidrige Dogmen bereits viel zu weit von der Heiligen Schrift entfernt hat (s.o.; s. [ | Mit anderen Worten: Das Einheitsamt des Papstes und der Primat des Papstes müssten sich dem Primat des Evangeliums bzw. der Heiligen Schrift unterordnen. Das ist aber vom Selbstverständnis der Römisch-Katholischen Kirche her unmöglich, da sie sich durch schriftwidrige Dogmen bereits viel zu weit von der Heiligen Schrift entfernt hat (s.o.; s. [[Schrift, Tradition und Lehramt]]; ([[Sonderlehren (der RKK)|Sonderlehren]]). | ||
==Fazit== | ==Fazit== | ||