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War deshalb Jesus nur ein Mensch, wie die Arianer und Zeugen Jehovas behaupten? Keineswegs. Er verzichtete lediglich während der Zeit seiner irdischen Daseinsweise auf seine Gleichheit mit Gott, ordnete sich freiwillig dem Vater unter ''(Erniedrigung)'' und wurde (wie sich aus Hebr 4,15 ergibt) Mensch wie wir, doch ohne Sünde, um uns Menschen zu erlösen. Seine Inkarnation kam der Entäußerung ''(Kenosis)'' seiner Gottgleichheit gleich (er verzichtete auf den Gebrauch bestimmter göttlicher Eigenschaften), die ihm nach seinem Kreuzestod wieder in Fülle zuteil wurde ''(Erhöhung)''. Einst wird sich „jedes Knie vor ihm beugen ... und jede Zunge bekennen: Herr ist Jesus Christus“ (V. 10-11). Bereits der Kirchenvater Athanasius hat sich in seiner Auseinandersetzung mit den Arianern ausführlich mit Phil 2,6-11 beschäftigt und den soteriologischen Aspekt der Erniedrigung und Erhöhung des Logos Jesus Christus hervorgehoben: <blockquote>„Wenn nämlich der Herr nicht Mensch geworden wäre, so wären wir nicht von den Sünden erlöst worden und wären nicht von den Toten auferstanden, sondern wir wären tot unter der Erde geblieben. Und wir wären auch nicht in den Himmel erhöht worden, sondern wir würden in der Unterwelt liegen. Unsertwegen und für uns also heißt es: ´Er erhöhte` und: ´Er gab`“ (Gegen die Arianer I, 43; BKV 13, S. 81). </blockquote>Nun ist in V. 9-11 des Philipperhymnus ein Zitat aus ''Jes 45,22-24'' aufgenommen, wo es heißt: <blockquote>„Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt Enden; denn ich bin Gott, und sonst keiner mehr. Ich habe bei mir selbst geschworen, und Gerechtigkeit ist ausgegangen aus meinem Munde, ein Wort, bei dem es bleiben soll: ''Mir'' sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören und sagen: In ''JHWH'' habe ich Gerechtigkeit und Stärke.“ </blockquote>Im Philipperhymnus wird gesagt: „Im Namen ''Jesu'' sollen sich alle Knie beugen ... und alle Zungen bekennen: Herr ist Jesus“. Auch hier haben wir also einen deutlichen Hinweis auf die Wesenseinheit Jesu Christi mit JHWH oder Gott dem Vater. Gnilka betont: <blockquote>„Die neue Ausrichtung, die in Phil 2,10 f gegeben ist, besteht ... darin, daß jetzt alles radikal auf Christus übertragen ist. Die Huldigung aller geschieht ''en tó onómati Iesou'' ... Der Kyriostitel muß in Verbindung mit dem atl. Zitat mit dem atl. Gottesnamen gleichgesetzt werden“ (S. 127.129). </blockquote>Aus diesen Beobachtungen an dem für die Frage der Gottheit und Menschheit Jesu Christi zentralen Bibeltext Phil 2,6-11 ergibt sich folgendes Resultat, das auch für die Betrachtung der weiteren Stellen grundlegend ist: Das Verhältnis von göttlichen und menschlichen Eigenschaften bei Jesus Christus kann nur ''heils- und offenbarungsgeschichtlich'' richtig verstanden werden. Das heißt: ''Man darf für die Zeit der irdischen Existenzweise Jesu nicht von allen Prädikaten ausgehen, die Gott dem Vater zukommen.'' Ich habe schon erwähnt, daß sich der Sohn dem Vater untergeordnet hat und daher auf Erden von seiner göttlichen Allmacht, Allgegenwart und Allwissenheit nicht immer Gebrauch machte (erst wieder nach seiner Erhöhung). Von dieser - nur ''zeitweiligen!'' - Unterordnung (Subordination) her erklären sich z. B. die nachfolgend betrachteten Bibelstellen, die zum Teil von den Zeugen Jehovas gegen die Gottheit Jesu ins Feld geführt werden, in ihrer Bedeutung sehr klar. | War deshalb Jesus nur ein Mensch, wie die Arianer und Zeugen Jehovas behaupten? Keineswegs. Er verzichtete lediglich während der Zeit seiner irdischen Daseinsweise auf seine Gleichheit mit Gott, ordnete sich freiwillig dem Vater unter ''(Erniedrigung)'' und wurde (wie sich aus Hebr 4,15 ergibt) Mensch wie wir, doch ohne Sünde, um uns Menschen zu erlösen. Seine Inkarnation kam der Entäußerung ''(Kenosis)'' seiner Gottgleichheit gleich (er verzichtete auf den Gebrauch bestimmter göttlicher Eigenschaften), die ihm nach seinem Kreuzestod wieder in Fülle zuteil wurde ''(Erhöhung)''. Einst wird sich „jedes Knie vor ihm beugen ... und jede Zunge bekennen: Herr ist Jesus Christus“ (V. 10-11). Bereits der Kirchenvater Athanasius hat sich in seiner Auseinandersetzung mit den Arianern ausführlich mit Phil 2,6-11 beschäftigt und den soteriologischen Aspekt der Erniedrigung und Erhöhung des Logos Jesus Christus hervorgehoben: <blockquote>„Wenn nämlich der Herr nicht Mensch geworden wäre, so wären wir nicht von den Sünden erlöst worden und wären nicht von den Toten auferstanden, sondern wir wären tot unter der Erde geblieben. Und wir wären auch nicht in den Himmel erhöht worden, sondern wir würden in der Unterwelt liegen. Unsertwegen und für uns also heißt es: ´Er erhöhte` und: ´Er gab`“ (Gegen die Arianer I, 43; BKV 13, S. 81). </blockquote>Nun ist in V. 9-11 des Philipperhymnus ein Zitat aus ''Jes 45,22-24'' aufgenommen, wo es heißt: <blockquote>„Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt Enden; denn ich bin Gott, und sonst keiner mehr. Ich habe bei mir selbst geschworen, und Gerechtigkeit ist ausgegangen aus meinem Munde, ein Wort, bei dem es bleiben soll: ''Mir'' sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören und sagen: In ''JHWH'' habe ich Gerechtigkeit und Stärke.“ </blockquote>Im Philipperhymnus wird gesagt: „Im Namen ''Jesu'' sollen sich alle Knie beugen ... und alle Zungen bekennen: Herr ist Jesus“. Auch hier haben wir also einen deutlichen Hinweis auf die Wesenseinheit Jesu Christi mit JHWH oder Gott dem Vater. Gnilka betont: <blockquote>„Die neue Ausrichtung, die in Phil 2,10 f gegeben ist, besteht ... darin, daß jetzt alles radikal auf Christus übertragen ist. Die Huldigung aller geschieht ''en tó onómati Iesou'' ... Der Kyriostitel muß in Verbindung mit dem atl. Zitat mit dem atl. Gottesnamen gleichgesetzt werden“ (S. 127.129). </blockquote>Aus diesen Beobachtungen an dem für die Frage der Gottheit und Menschheit Jesu Christi zentralen Bibeltext Phil 2,6-11 ergibt sich folgendes Resultat, das auch für die Betrachtung der weiteren Stellen grundlegend ist: Das Verhältnis von göttlichen und menschlichen Eigenschaften bei Jesus Christus kann nur ''heils- und offenbarungsgeschichtlich'' richtig verstanden werden. Das heißt: ''Man darf für die Zeit der irdischen Existenzweise Jesu nicht von allen Prädikaten ausgehen, die Gott dem Vater zukommen.'' Ich habe schon erwähnt, daß sich der Sohn dem Vater untergeordnet hat und daher auf Erden von seiner göttlichen Allmacht, Allgegenwart und Allwissenheit nicht immer Gebrauch machte (erst wieder nach seiner Erhöhung). Von dieser - nur ''zeitweiligen!'' - Unterordnung (Subordination) her erklären sich z. B. die nachfolgend betrachteten Bibelstellen, die zum Teil von den Zeugen Jehovas gegen die Gottheit Jesu ins Feld geführt werden, in ihrer Bedeutung sehr klar. | ||
= Der Vater - größer als Jesus? = | === Der Vater - größer als Jesus? === | ||
* ''Joh 14,28:'' Jesus spricht: „Der Vater ist größer als ich.“ - Hier handelt es sich um den Parade-Vers, den die Zeugen Jehovas für die „Geschöpflichkeit“ Jesu anführen. Spricht er aber wirklich gegen Jesu Gottheit? Der Textzusammenhang macht deutlich, daß es hier um das innertrinitarische Handeln zwischen Vater und Sohn geht: Jesus spricht von seinem Kommen vom Vater und seiner Rückkehr zu ihm (V. 28). Der Vater ist größer, weil von ihm alles innertrinitarische Geschehen ausgeht, denn er ist es, der den Sohn und den Geist sendet (vgl. Schnackenburg III/1976, S. 98). Die Einheit von Vater, Sohn und Geist sowie die Sendung des Sohnes und Geistes durch den Vater wird gerade im ganzen 14. Kapitel des Johannesevangeliums besonders betont. Der Satz „Der Vater ist größer als ich“ kann daher nur von der im gleichen Kapitel (V. 9) wiedergegebenen Aussage Jesu „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ und ähnlichen Aussagen her richtig eingeordnet werden. Die Unterordnung des Sohnes unter den Vater während der irdischen Existenzweise seiner Selbstentäußerung hebt seine Gottheit nicht auf. „Qualitativ war er Gott, offenbart im Fleisch, während er quantitativ als ein Mensch begrenzt war“ (Martin 1985, S. 119; Übersetzung: L. G.). | * ''Joh 14,28:'' Jesus spricht: „Der Vater ist größer als ich.“ - Hier handelt es sich um den Parade-Vers, den die Zeugen Jehovas für die „Geschöpflichkeit“ Jesu anführen. Spricht er aber wirklich gegen Jesu Gottheit? Der Textzusammenhang macht deutlich, daß es hier um das innertrinitarische Handeln zwischen Vater und Sohn geht: Jesus spricht von seinem Kommen vom Vater und seiner Rückkehr zu ihm (V. 28). Der Vater ist größer, weil von ihm alles innertrinitarische Geschehen ausgeht, denn er ist es, der den Sohn und den Geist sendet (vgl. Schnackenburg III/1976, S. 98). Die Einheit von Vater, Sohn und Geist sowie die Sendung des Sohnes und Geistes durch den Vater wird gerade im ganzen 14. Kapitel des Johannesevangeliums besonders betont. Der Satz „Der Vater ist größer als ich“ kann daher nur von der im gleichen Kapitel (V. 9) wiedergegebenen Aussage Jesu „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ und ähnlichen Aussagen her richtig eingeordnet werden. Die Unterordnung des Sohnes unter den Vater während der irdischen Existenzweise seiner Selbstentäußerung hebt seine Gottheit nicht auf. „Qualitativ war er Gott, offenbart im Fleisch, während er quantitativ als ein Mensch begrenzt war“ (Martin 1985, S. 119; Übersetzung: L. G.). | ||