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(Die Seite wurde neu angelegt: „=Inspiration und Irrtumslosigkeit= Gott wird von den ZJ als Urheber und Verfasser der Heiligen Schrift betrachtet. Menschliche Mitwirkung beim Entstehen der Bibel wird dabei nicht ausgeschlossen. Gott hat sich durchaus einzelner Menschen bedient, und der Heilige Geist gilt nicht als Person, sondern als Gottes „wirksame Kraft“, die diese Menschen geleitet hat. Im Bibellexikon der ZJ mit dem Titel „Hilfe zum Ver-ständnis der Bibel“ (HVB) wird unte…“) |
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Eng mit der Vorschattung hängt die Methode der „Parallelisie-rung“ zusammen, die bei den ZJ nach einem einfachen Schwarz-Weiß-Schema verläuft: Die positiven Gestalten in der Bibel wer-den mit der WTG gleichgesetzt, die bösen mit deren Gegnern. Als klassisches Beispiel hierfür kann die Auslegung der Erzählung vom reichen Mann und armen Lazarus (Lk 16,19-31) gelten., die aufgrund ihrer Legnung einer nachtodlichen Existenz ([[Hölle]]) von den ZJ umgedeutet werden muß. In dem Buch „Gott bleibt wahrhaftig“ von 1946 stellt der (negative) Reiche „die gar selbst-süchtige Klasse der Geistlichkeit der ´Christenheit`“, der (positive) arme Lazarus hingegen den Überrest des „Leibes Christi“ dar, der sich in der WTG verkörpert (S. 84ff.). | Eng mit der Vorschattung hängt die Methode der „Parallelisie-rung“ zusammen, die bei den ZJ nach einem einfachen Schwarz-Weiß-Schema verläuft: Die positiven Gestalten in der Bibel wer-den mit der WTG gleichgesetzt, die bösen mit deren Gegnern. Als klassisches Beispiel hierfür kann die Auslegung der Erzählung vom reichen Mann und armen Lazarus (Lk 16,19-31) gelten., die aufgrund ihrer Legnung einer nachtodlichen Existenz ([[Hölle]]) von den ZJ umgedeutet werden muß. In dem Buch „Gott bleibt wahrhaftig“ von 1946 stellt der (negative) Reiche „die gar selbst-süchtige Klasse der Geistlichkeit der ´Christenheit`“, der (positive) arme Lazarus hingegen den Überrest des „Leibes Christi“ dar, der sich in der WTG verkörpert (S. 84ff.). | ||
Eine weitere bei den ZJ gebräuchliche Form der Parallelisierung ist die Übertragung von Zeitabständen der biblischen Chronologie auf die nähere Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft („paralle-le Heilszeitordnungen“). Beispielsweise seien die 40 Jahre zwi-schen dem öffentlichen Auftreten Jesu und der Zerstörung des Jerusalemer Tempels (30-70 n. Chr.) eine Parallele zur 40jährigen Zeit der Ernte am Ende der Tage (bei Russell: unsicht-bare Wiederkunft Christi 1874, Ausreifen des Gerichts und Auf-richtung des Tausendjährigen Reiches 1914 n. Chr.; ähnliche Schemata bei seinen Nachfolgern). Daß solche Parallelsetzun-gen sehr willkürlich sind, hat die Nichterfüllung sämtlicher bishe-riger Berechnungen gezeigt ([[ | Eine weitere bei den ZJ gebräuchliche Form der Parallelisierung ist die Übertragung von Zeitabständen der biblischen Chronologie auf die nähere Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft („paralle-le Heilszeitordnungen“). Beispielsweise seien die 40 Jahre zwi-schen dem öffentlichen Auftreten Jesu und der Zerstörung des Jerusalemer Tempels (30-70 n. Chr.) eine Parallele zur 40jährigen Zeit der Ernte am Ende der Tage (bei Russell: unsicht-bare Wiederkunft Christi 1874, Ausreifen des Gerichts und Auf-richtung des Tausendjährigen Reiches 1914 n. Chr.; ähnliche Schemata bei seinen Nachfolgern). Daß solche Parallelsetzun-gen sehr willkürlich sind, hat die Nichterfüllung sämtlicher bishe-riger Berechnungen gezeigt ([[Endzeit-Daten]]). | ||
=Neuoffenbarung und Allegorese= | =Neuoffenbarung und Allegorese= | ||
Die ZJ beanspruchen zwar, ihre Lehren allein auf die Bibel zu stützen, aber in Wirklichkeit gehen sie weit über das hinaus, was die Bibel sagt. Viele ihrer Auslegungen sind in Wirklichkeit „Einle-gungen“ fremder, weltanschaulich vorgegebener Inhalte in die Heilige Schrift. Nur so lassen sich die wilden Spekulationen mit Jahreszahlen erklären, nur so auch die Ablehnung oder Verfäl-schung der wirklichen biblischen Lehren. Begründet wird diese Vorgehensweise mit Stellen wie Daniel 12, 4, wo es heißt: „Und du, Daniel, verbirg diese Worte, und versiegle dies Buch bis auf die letzte Zeit. Viele werden es dann erforschen und große Er-kenntnis finden.“ Mit solchen Stellen wird die Anschauung unter-mauert, daß sich am Ende der Tage „die Erkenntnis mehre“ und daß die ZJ die Empfänger dieser Erkenntnis seien. „Mehr Licht“ führe zur Erkenntnis einer „fortschreitenden Wahrheit“ (vgl. JZ, S. 121. 133). Insofern zählen die ZJ zu den Neuoffenbarungsbewe-gungen ([[Neuoffenbarung]]). | Die ZJ beanspruchen zwar, ihre Lehren allein auf die Bibel zu stützen, aber in Wirklichkeit gehen sie weit über das hinaus, was die Bibel sagt. Viele ihrer Auslegungen sind in Wirklichkeit „Einle-gungen“ fremder, weltanschaulich vorgegebener Inhalte in die Heilige Schrift. Nur so lassen sich die wilden Spekulationen mit Jahreszahlen erklären, nur so auch die Ablehnung oder Verfäl-schung der wirklichen biblischen Lehren. Begründet wird diese Vorgehensweise mit Stellen wie Daniel 12, 4, wo es heißt: „Und du, Daniel, verbirg diese Worte, und versiegle dies Buch bis auf die letzte Zeit. Viele werden es dann erforschen und große Er-kenntnis finden.“ Mit solchen Stellen wird die Anschauung unter-mauert, daß sich am Ende der Tage „die Erkenntnis mehre“ und daß die ZJ die Empfänger dieser Erkenntnis seien. „Mehr Licht“ führe zur Erkenntnis einer „fortschreitenden Wahrheit“ (vgl. JZ, S. 121. 133). Insofern zählen die ZJ zu den Neuoffenbarungsbewe-gungen ([[Neuoffenbarung]]). | ||
Nun ist es sicherlich so, daß sich vor allem aus dem Buch Daniel und der Johannesoffenbarung Aufschlüsse über die endge-schichtlichen Entwicklungen ergeben. Aber gerade die lange Liste der nicht eingetroffenen Spekulationen in den vergangenen Jahrhunderten (nicht nur bei den ZJ!) hat gezeigt, wie vorsichtig man mit Deutungen sein sollte. Und was die Terminberechnun-gen angeht, so gelten hierfür die grundlegenden Aussagen Jesu, daß niemand Zeit und Stunde des Endes weiß (Mt 24,36; Apg 1, 7; s. [[Eschatologie]]; [[ | Nun ist es sicherlich so, daß sich vor allem aus dem Buch Daniel und der Johannesoffenbarung Aufschlüsse über die endge-schichtlichen Entwicklungen ergeben. Aber gerade die lange Liste der nicht eingetroffenen Spekulationen in den vergangenen Jahrhunderten (nicht nur bei den ZJ!) hat gezeigt, wie vorsichtig man mit Deutungen sein sollte. Und was die Terminberechnun-gen angeht, so gelten hierfür die grundlegenden Aussagen Jesu, daß niemand Zeit und Stunde des Endes weiß (Mt 24,36; Apg 1, 7; s. [[Eschatologie]]; [[Endzeit-Daten]]). | ||
Jede Neuoffenbarung muß sich darüber hinaus daran messen lassen, wie sie sich zur „Grundtradition“ der im biblischen Kanon zusammengefaßten Schriften verhält. Sobald ein Widerspruch zu den Aussagen der eindeutigen Stellen der Bibel auftritt, ist der Bibel recht zu geben und nicht der Neuoffenbarung bzw. deren Vertretern (vgl. hierzu ausführlicher: Gassmann 1993, S. 144-151). | Jede Neuoffenbarung muß sich darüber hinaus daran messen lassen, wie sie sich zur „Grundtradition“ der im biblischen Kanon zusammengefaßten Schriften verhält. Sobald ein Widerspruch zu den Aussagen der eindeutigen Stellen der Bibel auftritt, ist der Bibel recht zu geben und nicht der Neuoffenbarung bzw. deren Vertretern (vgl. hierzu ausführlicher: Gassmann 1993, S. 144-151). | ||