Anbetungstanz

Aus Christ-Wiki.de

Anbetungstanz wird heute immer häufiger im Zusammenhang mit christlichen Gottesdiensten propagiert und praktiziert. Lassen sich jedoch Tanz und Anbetung Gottes miteinander verbinden?

Im Alten Testament kommen "Tanz" und tanzähnliche Bewegungen in folgenden Zusammenhängen vor:

  • beim Volk Israel allgemein als Zeichen der Freude, etwa nach militärischem Sieg oder bei verschiedenen Festen (2. Mo 15,20; Ri 11,34; 21,20-23; 1. Sam 18,6; 29,5; u.a.);
  • bei heidnischen Völkern in ekstatisch-orgiastischer Form im Kontext okkulter Praktiken, etwa Beschwörung heidnischer Gottheiten (z.B. Baalspriester am Karmel; 1. Kön 18);
  • beim Volk Israel in ekstatisch-orgiastischer Form in götzendienerischer Nachahmung heidnischer Bräuche (etwa bei der Anbetung des goldenen Stierbildes am Sinai; 2. Mose 32,18f.);
  • bei der Überbringung der Bundeslade durch den König David in einer Weise, welche die Verachtung von Seiten seiner Frau Michal wegen dessen "Entblößung" zur Folge hatte (2. Sam 6,15ff.);
  • als volkstanzähnlicher Reigen im Zusammenhang mit fröhlichem musikalischem Gotteslob (Ps 87,7; 149,3; 150,4).

Dabei ist Folgendes zu beachten:

"Unter den Juden war Tanz eine Aktivität, die ausschließlich einzelgeschlechtlich und nicht gemischtgeschlechtlich praktiziert wurde ... Außerdem wurde nie zur Unterhaltung eines Publikums getanzt. Tanz war stets die spontane Reaktion auf eine besondere Situation. Einübung und geplante Bewegungsfiguren waren im Alten Testament anscheinend unbe-kannt. Bestenfalls war Tanz eine ungewöhnliche, spontane und enthusiastische Reaktion auf die Güte und Gnade Gottes. Im Normalfall war alttestamentliche Anbetung das scheue und ehrfurchtsvolle Nahen zu einem heiligen Gott. Der Hohepriester tanzte nicht durch den Tempel ins Allerheiligste, sondern er nahte mit Furcht und Zittern" (B. Edwards, Wenn die Show das Wort erschlägt, S. 64).Im Neuen Testament kommt Tanz nur in drei Zusammenhängen vor:

  • der fleischlich-sexuelle Tanz der Tochter der Herodias, der zur Enthauptung Johannes des Täufers führte (Mt 14,6);
  • spielende Kinder auf der Straße (Mt 11,17; Lk 7,32);
  • Ausdruck der Freude nach der Heimkehr des verlorenen Sohnes (Lk 15,25).

An keiner Stelle im Neuen Testament findet sich Tanz im Zusammenhang mit Gottesdienst bzw. Anbetung Gottes. Für Christen, die im Neuen Bund der Gnade stehen, soll Anbetung nicht durch Reigen oder Tanz in Städten und auf Bergen wie teilweise in früherer Zeit geschehen, sondern allein

"im Geist und in der Wahrheit" (Joh 4,20-24).

Wahre Anbetung Gottes geschieht in Sündenerkenntnis und Buße, indem der reuige Sünder "niederfällt auf sein Angesicht, Gott anbetet und bekennt, dass Gott wahrhaftig unter euch ist" (1. Kor 14,25). Es finden sich im Neuen Testament Hinweise, Gott "im Herzen zu singen und zu spielen" und ihn mit "geistlichen Liedern" zu loben (Eph 5,19; Kol 3,16), niemals jedoch mit Tänzen und entsprechenden Zurschaustellungen des Körpers.Denn allgemein gilt: Tanz spricht sehr stark den körperlich-sinnlichen, bisweilen auch den seelischen Bereich des Menschen an. Anbetung Gottes dagegen ist ein geistlich-geistiger Akt. - Tanz bewirkt in der Regel sexuell-fleischliche Stimulation und birgt in sich die Gefahr von Unreinheit, Unzucht und Ehebruch. Anbetung Gottes ist etwas Heiliges und Reines. - Tanz führt Menschen häufig in Unnüchternheit und Ekstase hinein, so etwa ganz gezielt die aus heidnischen Religionen stammenden Rhythmen oder Harmonien.

Anbetung des lebendigen Gottes dagegen geschieht in bewusster Hingabe und gedanklicher Klarheit (Röm 12,1f.; 1. Petr 5,8). Anbetungstanz im Gottesdienst ist somit für Christen nicht akzeptabel.

Literaturhinweise

B. Edwards, Wenn die Show das Wort erschlägt. Tanz und Theater in Evangelisation und Gottesdienst, 2003
A. Graul, Rock-, Pop- und Technomusik und ihre Wirkungen. Eine wissenschaftliche und biblische Untersuchung, 2004
L. Gassmann, Pietismus - wohin?, 2004.

Einzelhinweise und Quellen

Originärer Autor: Lothar Gassmann

Ursprungsquelle dieses Artikels: https://www.bibel-glaube.de/handbuch_orientierung/Abendmahl.html (Abgerufen am 27. 05. 2024 03:39)


Weitere Artikel in gedruckter Form finden Sie auf der Website von Dr. Lothar Gassmann (Redakteur).