Bock, Emil

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Bock, Emil (1895-1959) war - nach Friedrich Rittelmeyer - der zweite Erzoberlenker der anthroposophisch inspirierten Christengemeinschaft.

Innerhalb der 1922 gegründeten Christengemeinschaft nahm er von Anfang an eine führende Rolle als Oberlenker ein. Nach Rittelmeyers Tod im Jahre 1938 wurde er zum Erzoberlenker erhoben. Dieses Amt bekleidete er auch in den schweren Jahren der nationalsozialistischen Verfolgung (1941 wurde die Christengemeinschaft verboten und Bock in das Konzentrationslager Welzheim eingeliefert) und des Wiederaufbaus der Gemeinden nach dem Krieg.

"Mit Friedrich Rittelmeyer starb der Vater der Christengemeinschaft. Mit Emil Bock ging der Heros der Bewegung hinüber."

So charakterisierte der Anthroposoph Wilhelm Kelber Bock in seinem Nachruf. "Heros" der Christengemeinschaft war Bock in mehrfacher Hinsicht: nicht nur als Sprecher des Gründerkreises, der "die entscheidenden Fragen an den großen Lehrer" Rudolf Steiner fand und formulierte" (so Kelber), sondern auch im Blick auf die Ausformung des anthroposophischen Bibelverständnisses. War er es doch, der in einem umfassenden exegetischen, historischen und systematischen Gesamtwerk Steiners Erkenntnisse zum ersten Mal auf fast die ganze Bibel anwandte und theologisch abzusichern versuchte. Er bemühte sich, so schreibt seine Tochter Gundhild Kacer-Bock, "eine Art Dolmetscherdienst zu leisten gegenüber dem, was Rudolf Steiners Geisteswerk für ein neues Evangelienverständnis bedeutet" (Bock, Das Evangelium, 1984, 16).

Das tat er in drei Stufen:

  • durch kurze "Beiträge zum Verständnis des Evangeliums" (sie sind 1927-1933 entstanden und gesammelt 1984 in dem Band "Das Evangelium" erschienen);
  • durch eine zweimalige, sich von 1930 an über viele Jahre hinziehende Übersetzung des Neuen Testaments auf anthroposophischer Grundlage (die zweite, "provisorische" Fassung erschien in Buchform erstmals 1980);
  • durch die große siebenhändige Reihe "Beiträge zur Geistesgeschichte der Menschheit" (von der "Urgeschichte" bis "Paulus"; veröffentlicht in den Jahren 1934-1954; unvollendet).

Bocks Bibelauslegungen - so ist kritisch anzumerken - sind von Allegorese und willkürlicher Spekulation im Sinne der Anthroposophie geprägt. Sie werden dem biblischen Wortlaut und Gesamtzusammenhang nicht gerecht (vgl. die ausführliche Widerlegung der Auslegungen Bocks[1]).

Siehe auch: Anthroposophie; Christengemeinschaft; Rudolf Steiner; Friedrich Rittelmeyer; Spirituelle Interpretation

Literaturhinweise

Einzelhinweise und Quellen

Originärer Autor: Lothar Gassmann

Ursprungsquelle dieses Artikels: https://www.bibel-glaube.de/handbuch_orientierung/Bock_Emil.html (Abgerufen am 15. 02. 2022, 14:23)

  1. L. Gassmann, Das anthroposophische Bibelverständnis, 1993