Heidegger, Martin

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(1889-1976) war Schüler von Edmund Husserl (1859-1938), dem Begründer der phänomenologischen Methode im 20. Jahrhundert. Husserl sieht es als Voraussetzung dieser Methode an, dass die Frage nach dem "Sein" der Gegenstände "eingeklammert" wird. Die Phänomenologie interessiert sich nur für das "Gedachtsein" des Gegenstands im Bewusstsein des Menschen. Sie "erschaut" das "Wesen" der Gegenstände, die im "Bewusstseinsstrom" auftreten, fragt aber nicht über diesen hinaus. Auch bei H., dem Freund und "Inspirator" des Theologen Rudolf Bultmann, geht es um das Sein. Die Ontologie (Lehre vom Sein) ist für ihn wichtig. Er unterscheidet das Sein (das Ursprüngliche, das Unverfügbare) vom Seienden (das Vorhandene, das Verfügbare). Er unterscheidet in seinem Werk "Sein und Zeit" (1927) verschiedene Begriffe, etwa Jemeinigkeit, Eigentlichkeit, Uneigentlichkeit, Verstehen, In-der-Welt-sein, Man usw. Für Heidegger (H.) ist das Dasein "Seiendes, dem es in seinem Sein um dieses selbst geht" (Sein und Zeit, § 41). Und zwar ist es dasjenige Seiende, das wir selbst je sind und das u. a. die Seinsmöglichkeit des Fragens hat. Hier ist also die ontologische Möglichkeit der Seinsfrage enthalten. "Dasein heißt: In-der Welt-Sein."

Ontologie ist für H. nur als Phänomenologie möglich. Um zum Sein (griech. to on) zu gelangen, müssen wir von den Erscheinungen (griech. to phainomenon) ausgehen. Die phänomenologische Methode ist für H. die einzig sachentsprechende Zugangsart zum Dasein. Den Zugang zum Dasein müssen wir also von ihm selbst her gewinnen, so wie es sich an ihm selbst zeigt, also von unserem Menschsein aus. Hier finden wir den anthropologischen Ansatzpunkt.

Die Jemeinigkeit heißt, dass das Dasein immer je meines ist. Es ist immer je mein Dasein. Das Dasein vermag sich in seinem Dasein selbst zu ergreifen oder als Möglichkeit zu gewinnen. Es ist dann eigentlich, wenn es sich selber ergreifen kann. Uneigentlich aber ist das Dasein, sofern es sich verloren hat. Es ist nicht nur eine Eigenschaft, sondern es ist das Dasein. Und das hat das Sein als die Möglichkeit. Es kann sich also selber ergreifen; dann ist es eigentlich.

Dasein ist Seinkönnen. Diese Potentialität, die im Dasein liegt, ist mitgesetzt. Das Dasein hat also die Möglichkeit zum Ergreifen dessen, was über die Geworfenheit hinausgeht. Die Geworfenheit ist die Faktizität, also das, worin ich mich vorfinde, das Hineingeworfensein in die Welt und in das Verhaftetsein in der Welt. Geworfenheit ist also die praktische Lage, aber ich habe die Möglichkeit, das Seinkönnen zu entfalten und damit das Dasein zu überschreiten. Dasein ist ein Seinkönnen in die Seinsart des Entwerfens hinein. Das eigentliche Sein ist, wenn das Dasein, eben dieses Seinkönnen, diesen Spielraum lernt, sich zu entfalten. Das Uneigentliche dagegen ist es, wenn es sich nur aus seiner Welt her versteht.

Nun hängt mit dem Seinkönnen die Zukunft zusammen und die Entscheidung für die Zukunft.  Mit "Zukunft" ist gemeint, dass man die Möglichkeit hat, sich zu entwerfen und aus dem Geworfensein herauszutreten. Durch die Erkenntnis geschieht der Ausbruch aus dem Geworfensein und das Eintreten in das Sich-Entwerfenkönnen oder Sich-Entscheidenkönnen für die Zukunft. Die Erkenntnis (bei dem Theologen und H.-Freund Bultmann ist es das Kerygma) durchbricht als Ruf diesen Zirkel des Weltverhaftetseins und ermöglicht das Hinausschreitenkönnen in das eigentliche Dasein, welches über die Faktizität auch des Historischen hinausgeht in das Geschichtliche hinein.

Zur Beurteilung vgl. das zu Rudolf Bultmann Ausgeführte.

Literaturhinweise

M. Heidegger, Sein und Zeit, 1927.
Kleines Theologie-Handbuch in 2 Bänden ,MABO PROMOTION 20081

Einzelhinweise und Quellen

Anmerkungen


Quellenangaben


Orginärer Autor: Lothar Gassmann

Lothar Gassmann



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