Katharer

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Katharer waren die größte mittelalterliche Sekte außerhalb der katholischen Kirche.

Sie hatten Wurzeln in der Gnosis und im Manichäismus. Die Katharer vertraten einen absoluten Dualismus (Zweiteilung) zwischen Welt und Geist, die Absonderung von der Welt und das völlige Armutsideal. Sie sandten Wanderprediger aus und praktizierten das "apostolische Leben". Sie verbreiteten die spiritualistische Lehre, dass die irdische Welt mit ihren Genüssen, etwa Fleischspeisen und Ehe, von Satan geschaffen und regiert sei, den sie dem Gott des Alten Testaments gleichstellten. Daraus erwuchs die Forderung nach radikaler Askese. Das passte natürlich nicht zusammen mit dem mittelalterlich-römischen Lebensstil in Luxus und Pomp.

Ferner gehörte zum Lehrsystem der Katharer die Seelenwanderungslehre (Reinkarnation) und die damit verbundene Lehre von der >Selbsterlösung des Menschen, der rein, "katharos" werden könne, wenn er sich von allem Irdisch-Weltlichen enthalte und dieses immer mehr als Illusion hinter sich lasse. Hier zeigt sich die Nähe zu fernöstlichem Denken, etwa zur >hinduistischen "Maja"-Lehre. Der "Reine" ("katharos") betreibt seine Selbsterlösung, indem seine "Engelsseele", die in dem "leiblichen Kerker" wohnt, nach Eintritt in die Sekte beginnt, zum Himmel zurückzukehren. Auf diese Weise kommt "Vergeistigung" zustande. Christus selber gilt nur als ein Engel und Prediger der geistigen Welt. Seine Passion wird als Illusion in einer doketischen Weise betrachtet (>Doketismus). Die Katharer waren eine Sekte, die heftig bekämpft wurde. Sie verkörperten für die römische Kirche den Typus des Irrlehrers (Ketzer).

Ketzer: Dieser Begriff leitet sich ab von Katharer (siehe dort).

Literaturhinweise

L. Gassmann, Was sind Sekten - und was nicht?, 1998

Einzelhinweise und Quellen

Originärer Autor: Lothar Gassmann

Ursprungsquelle dieses Artikels: https://www.bibel-glaube.de/handbuch_orientierung/Herrnhuter_Bruedergemeine.html (Abgerufen am 29. 02. 2024 07:22)


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