Katholisch-Apostolische Kirche

Aus Christ-Wiki.de

(griech. katholikos = allumfassend, apostolos = Apostel) oder Irvingianer (nach Edward Irving; s.u.):

Aus einer Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert hervorgegangene Kirchengründung mit der Betonung von "Geistesgaben" und der Ernennung neuer "Apostel". Aus einer Abspaltung (Geyerianer) aus der Katholisch-Apostolische Kirche ist die Neuapostolische Kirche hervorgegangen. Die Katholisch-Apostolische Kirche möchte allerdings mit der von ihr als Sekte gesehenen Neuapostolischen Kirche nicht in Verbindung gebracht werden.

Erweckung in England, Schottland und Deutschland

Worum handelt es sich bei der Katholisch-Apostolische Kirche? Ihre Geschichte begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Hervortreten vergessener Charismata (Gnadengaben, Geistesgaben). 1820/21 gab ein Geistlicher der anglikanischen Kirche zwei Schriften heraus, die zu Gebetsversammlungen an einem bestimmten Tag der Woche für eine besondere Ausgießung des Heiligen Geistes aufriefen. Man erstrebte also eine Art "charismatische Erneuerung". Der Verfasser hieß James Haldane Stewart (1776-1854), und seine Schriften waren wohl die Auslöser für viele der nachfolgenden Ereignisse. Die erste Schrift trug den Titel "Hints for a general union for prayer for the outpouring of the Holy Ghost" ("Hilfeleistungen für eine Generalvereinigung zum Gebet für das Ausschütten des Heiligen Geistes"). 1820 veröffentlicht, erreichte diese Schrift in vier Jahren in England, Schottland und Irland 322.000 Exemplare Auflage. Die weitere Schrift von ihm "Thoughts on the Importance of special Prayer for the general outpouring of the Holy Ghost" ("Gedanken über die Bedeutung des speziellen Gebetes für die allgemeine Ausschüttung des Heiligen Geistes") erschien erstmals 1821 mit einer etwas geringeren Auflage von 89.000 Exemplaren in den Folgejahren. Viele Menschen haben diese Schriften gelesen und wurden dadurch zu Gebetsversammlungen veranlasst, um eine neue Ausschüttung des Heiligen Geistes und der Geistesgaben zu erbitten. Diese Gebete wurden sehr bald erhört. Bereits in den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts kam es an drei Hauptschauplätzen zu "Geistesaufbrüchen", und zwar mit den Gaben der Prophetie, Weissagung, Glossolalie (Zungenreden) und Krankenheilung. Der erste Hauptschauplatz war seit 1828 die kleine römisch-katholische Gemeinde Karlshuld auf dem Donaumoos in Bayern/Deutschland. Der zweite lag seit 1830 im westlichen Schottland, im Kreis reformierter Christen, der dritte in London ab 1831, wo häusliche Gebetsversammlungen in anglikanischen Kreisen stattfanden.

Diese drei Wurzeln:

Karlshuld, Schottland und England mit Sitz in und bei London sind nachfolgend näher zu betrachten.

Was geschah zunächst in Karlshuld? Dort lebte der junge römisch-katholische Priester Johann Lutz. Dieser hatte ein starkes Erlebnis: Von seinen Sünden überwältigt und nahe am Abgrund der Verzweiflung, hatte er jahrelang mit Fasten, Beten und Wachen nach den Regeln der katholischen Kirche versucht, Licht und Trost zu finden. Aber es war alles umsonst gewesen, bis schließlich übernatürliche charismatische Phänomene (Zungenreden, Weissagung) in seiner Gemeinde auftraten. Es ist unwahrscheinlich, dass der Anstoß hierzu von England und Schottland kam. Wahrscheinlich wurde Lutz unabhängig davon mit den Geistesgaben konfrontiert. Man vermutet, dass es auch in Deutschland Parallelen in diese Richtung gab, unabhängig von den englischen Schriften Stewarts. Jedenfalls beteten immer mehr Menschen, von Lutz` Predigt angeregt, um diese besonderen Glaubenserfahrungen und Geistesausgießungen. 1828 wurden von verschiedenen Einzelpersonen Worte geäußert, die als "Worte der Weissagung" gedeutet wurden. Lutz glaubte daran, dass dies alles von Gott komme, nicht vom Teufel, und dass dies eine Wiederbelebung der urchristlichen Gaben des Geistes sei. In diesen Gesichten und Weissagungen wurde verlautbart, dass Gottes Gericht nahe sein, dass Christus bald kommen würde und dass er Botschafter schicken wolle.

"Der Herr sagte: 'Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden...'"

Diese Worte wurden oft wiederholt und hinterließen einen tiefen Eindruck auf Lutz und verschiedene Gemeindeglieder. Lutz kam erst 1842 durch den schottischen "Propheten" William Caird in persönlichen Kontakt mit den englischen Kreisen und wurde 1859 - nach seiner Exkommunikation aus der Römisch-Katholischen Kirche - zu einem Engel (Bischof) der Katholisch-Apostolische Kirche geweiht. Die anderen "Aufbrüche" fanden in Schottland und England statt. Über den schottischen Aufbruch heisst es in der "Geschichte der Neuapostolischen Kirche" (S. 16):

"Ein einfacher Zimmermann in Schottland, Jakob Grubb, war es, durch den Gott sprach ..."

Durch seine Handauflegungen und Inspirationen kamen andere mit diesem Geist in Berührung. Jakob Grubb

"sprach vom Kommen des Herrn, und davon, dass er vorher noch eine besondere Arbeit in seiner Kirche verrichten wolle".

Er sprach

"von einem scheinenden Licht, das sie erleuchten würde, von einer Wolke, die wie eine Menschenhand aussähe und die anwachsen solle, um alles zu bedecken."

Nicht weit von der Hütte Grubbs entfernt lebte die Familie Campbell. Der Vater Campbell war ein Geistlicher und hatte zwei Töchter. Die ältere Tochter hieß Isabell. Diese wurde wie eine Heilige verehrt. Menschen pilgerten zu ihr hin. Es gab offensichtlich auch da schon besondere Gaben und Erscheinungen. Isabell ist allerdings früh an Tuberkulose verstorben. Der Geist und die Verehrung gingen dann auf ihre Schwester Mary über. Beide Mädchen hatten die "Gabe der Weissagung" besessen und Visionen und Gesichte gehabt, ebenso die schottische Familie MacDonald. In allen diesen Familien traten die Gaben der Weissagung, der Heilung und des Zungenredens auf. Sie sahen sich als vom Heiligen Geist erfüllt und inspiriert an ("Inspirierte"). Diese Ereignisse verursachten großes Aufsehen bis nach London. In der Nähe von London gab es seit 1826 die Albury-Konferenzen, benannt nach dem Schloss und Sitz des englischen Bankiers Henry Drummond. Dort hatte man auch schon um die Wiederbelebung der urchristlichen Geistesgaben gebetet. Um die Phänomene zu untersuchen, reisten Teilnehmer der Albury-Konferenzen nach Schottland und sagten danach:

"Hier sind die gleichen Gaben nach 1. Korinther 12 und 14 wie in der Urkirche - Glossolalie, Krankenheilungen und Weissagungen und ähnliches."

Alles das geschah wohlbemerkt fast ein Jahrhundert vor Beginn der Pfingstbewegung. Welche "Prophezeiungen" gab es denn in Karlshuld und Schottland? Über die Ereignisse in Karlshuld im Jahre 1828 findet sich folgende Schilderung:

"Zwei Personen (ein Mann und eine Frau) bekamen prophetische Gaben, und folgende Punkte waren es vorzüglich, die sehr oft gesagt wurden: Der Herr wolle jetzt Seine Kirche wiederherstellen wie am Anfange: dieses Heiles und Segens werde Er Protestanten, Katholiken u. a. ohne Unterschied teilhaftig machen; Er werde wieder Apostel geben und Propheten, wie am Anfange...",

so in einem Brief von Lutz an den katholisch-apostolischen Professor Heinrich Thiersch in Marburg vom 3.2.1852. Über "Prophezeiungen" in Schottland berichtet R. Norton in seinem Buch "The Restoration of Apostles And Prophets" aus dem Jahre 1861 (S. 20 ff.):

"Die Zeit ist kurz. Die Zeit ist nahe. Gott kommt näher. Der gelobte Morgen kommt."

Und eine andere "Prophezeiung" lautete:

"Ich erinnere mich an das Rufen im Geist, 'Sende uns Apostel, - sende uns Apostel.'"

Die "Prophezeiungen" waren also ganz deutlich verbunden mit dem Ruf nach Aposteln, nach der Wiederherstellung der Urkirche in ihrer völligen Gestalt mit allen damaligen Ämtern.

Edward Irving

Eine Schlüsselfigur der Anfangszeit ist der Theologe Edward Irving.

Erste Propheten- und Apostelberufungen

Als Stifter der Katholisch-Apostolische Kirche können der Londoner Bankier Henry Drummond und der Londoner Rechtsanwalt John Bate Cardale bezeichnet werden. Seit dem ersten Advent 1826 lud Drummond auf Anregung des anglikanischen Geistlichen Lewis Way jährlich für eine Woche 30-50 Geistliche und (nach bestimmter Art ausgewählte) Laien auf seinen Landsitz Albury Park bei London ein. Diese beschäftigten sich bei den Albury-Konferenzen u.a. mit folgenden Themen: mit der Lehre der Heiligen Schrift über die Zeiten der Heiden, die auslaufen werden nach Lukas 21,24 und Römer 11,25, und über die gegenwärtige Haushaltung Gottes; mit der Lehre über die Juden, über das Schicksal Israels; mit der Lehre von der zweiten Ankunft (Wiederkunft) Christi; mit der Reihenfolge der Ereignisse, die der Wiederkunft vorausgehen.

Die Ergebnisse, welche die Albury-Konferenzen hervorbrachten, lassen sich in sechs Punkten zusammenfassen:

  1. "Die gegenwärtige christliche Haushaltung (dispensation) [Epoche] wird nicht durch eine immer mehr zunehmende Kraft und Ausbreitung der Predigt des Evangeliums zuletzt unmerklich in das Gottesreich übergehen, sondern durch schwere Gerichte, die auf die Zerstörung des jetzigen Kirchen- und Staatswesens abzielen werden, in ähnlicher Weise endigen wie ehemals die jüdische Haushaltung." [Man kann diese Lehrmeinung als >prämillennialistischem Dispensationalismus kennzeichnen. Dieser vertritt eine Abstufung der Heilsgeschichte in Epochen, z.B.: Epoche der jüdischen Haushaltung - Epoche der christlichen Haushaltung - Epoche der Endzeit. Diese Ansicht tritt in Gegensatz zum Postmillennialismus, der das Kommen des Reiches durch die menschliche Leistung und Höherentwicklung erwartete. Hier aber geht es durch Gerichte hindurch; dann erst erfolgt die Wiederkunft Christi - und ganz am Ende richtet Christus selbst sein Reich auf.]
  2. "Im Verlaufe der auf die Christenheit herabtriefenden Gerichte werden die Juden ihrem Lande zurückgegeben und als Volk wiederhergestellt werden." [Auch diese Lehre besitzt eine biblische Grundlage. Die Erwartung hat sich inzwischen tatsächlich erfüllt: 1948 wurde der Staat Israel ausgerufen.]
  3. "Die Gerichte aber ... beginnen bei dem Teile der Kirche, welcher bis dahin am meisten begünstigt war und darum auch am meisten verantwortlich ist." [Damit ist z.B. in England die Staatskirche gemeint.]
  4. "Auf die Gerichte wird eine Periode allgemeiner Glückseligkeit ... für die gesamte Menschheit, ja sogar für die Tiere folgen, die gemeinhin als das tausendjährige Reich (Millenium) bezeichnet wird." [Millennialismus oder Chiliasmus].
  5. "Die Parusie (´second advent`) (Wiederkunft) Christi geht dem tausendjährigen Reich voraus oder tritt zum Beginn desselben ein." [Prämillennialismus : Christus kommt wieder vor dem Millennium, vor dem Tausendjährigen Reich.]
  6. "Eine große (apokalyptische) Periode von 1260 Jahren, die unter der Regierung Justinians begann, ist zur Zeit der französischen Revolution abgelaufen; von dieser Zeit an begann die Ausschüttung der Zornschalen gemäss der Offenbarung Johannes; Christus wird bald erscheinen ..." [Hier hat man gerechnet. Man hat Justinian als Ausgangspunkt gesetzt und ist dann auf die Französische Revolution als Beginn der Endzeitgerichte gekommen. Dabei erwartet man Christus bald. Neue Apostel - so die spätere Ansicht - werden ihm den Weg bereiten, und Irving wird als Johannes der Täufer betrachtet, der Christus und seinen Aposteln vorangeht; s.o.]

Der letzte Punkt ist sicherlich der problematischste. Die Albury-Konferenz löste sich denn auch auf, als die Katholisch-Apostolische Kirche entstand. Aber sie war die Keimzelle dafür.

Wie kam es nun zur "ersten Apostelberufung der Neuzeit"? Die "charismatisch Erweckten" waren am Anfang der Dreißiger Jahre zunehmend aus ihren Kirchen ausgeschlossen wurden. Und nun geschah folgendes:

Henry Drummond wurde am 20. Oktober 1832 durch eine "Prophezeiung" zum "Hirten" der Gemeinde Albury berufen, die damals etwa fünfzig Personen zählte. Es war eine Art Hausgemeinde. Aber Drummond trat dieses Amt des Hirten nicht an, weil er überzeugt war, dass ihm noch die Ordination, die Amtseinsetzung durch Handauflegung (mit Geistübertragung) fehle. Nun geschah es aber, dass am 31. Oktober 1832 der Londoner Rechtsanwalt John Bate Cardale durch ein "prophetisches Wort" als "Apostel" angesprochen wurde. (Die Amtsbezeichnungen der Katholisch-Apostolische Kirche, ebenso wie der Neuapostolischen Kirche und ähnlicher Gemeinschaften, sind immer in Anführungsstrichen zu denken.) Cardale hatte gebetet, dass die Versammlung im Hause Drummonds angetan werde mit der Kraft aus der Höhe. "Während er da noch kniete, hingenommen im Geiste, erhob sich Drummond und redete ihn an mit unbeschreiblicher Macht und Würde: ´Bist du nicht ein Apostel! Warum spendest du nicht den Heiligen Geist?`" Der 30 jährige Londoner Rechtsanwalt Cardale wurde also 1832 zum ersten "Apostel der Neuzeit" oder "Endzeit" berufen - zunächst von seinem Freund Henry Drummond und dann bestätigt von dem späteren "Pfeilerpropheten" Taplin. Nun nahm die Geschichte ihren Lauf. Am Heiligabend 1832 ordinierte Cardale den Prediger William Caird (den Ehemann von Maria Campbell; s.o.) zum Evangelisten und zwei Tage später Henry Drummond zum Hirten. Dieser erhielt nun seine ersehnte Ordination, und damit begann der Aufbau einer priesterlichen Ämterordnung oder Hierarchie. Folgende weitere Männer wurden zu "Aposteln" berufen: am 25. September 1833 Henry Drummond; am 18. Dezember 1833 der königliche Beamte am Londoner Tower, Henry John King-Church; im gleichen Monat der Parlamentarier und Sohn eines englischen Staatsministers, Spencer Perceval; im Januar 1834 der ehemalige anglikanische Geistliche Nicholas Armstrong; am 13. August 1834 der Londoner Rechtsanwalt Francis Valentine Woodhouse (der längstlebende Apostel, der erst 1901, mit 96 Jahren, verstorben ist).

Damit war im Sommer 1834, also eineinhalb Jahre nach der Berufung Cardales, die Zahl "Sechs" erreicht. Das Ziel blieb aber die Vollzahl, die "Zwölf" - analog zum engsten Apostelkreis um Jesus. So wurde Cardale vom "Geist" angewiesen, mit dem Propheten Taplin die Gemeinden zu besuchen, die sich immer mehr bildeten, damit Gott weitere Apostel bezeichnen solle. Und so wurden im Jahre 1835 sechs weitere Männer zu Aposteln berufen: der Schriftsteller John Owen Tudor, der ehemalige anglikanische Pfarrer Henry Dalton, der schottische Adlige und Rechtsgelehrte Thomas Carlyle, der adlige Gutsbesitzer und Hauptmann Francis Sitwell, der ehemalige schottische presbyterianische Geistliche William Dow und der Apotheker und Arzneimittelgroßhändler Duncan Mac Kenzie. Der zuletzt berufene Apostel MacKenzie gilt als der "Judas" in diesen Kreisen, weil er fünf Jahre später seine Apostelberufung zwar weiterhin anerkannte, aber sich von der Amtsausübung wegen Auseinandersetzungen zurückzog. Das sind also die zwölf "Apostel der Endzeit" aus der Katholisch-Apostolischen Bewegung.

Aussonderung der Apostel

Ein weiteres wichtiges Datum war der 14. Juli 1835. Nachdem alle zwölf Apostel "bezeichnet" waren, wurden sie an diesem Datum "ausgesondert". Die Aussonderung war die Amtseinführung durch die Handauflegung sämtlicher in London bereits eingesetzten "Engel" und "Erzengel" (Bischofsämter). Es handelte sich dabei um Bischöfe der sieben Gemeinden in London (symbolische Siebener-Struktur), die zumeist nach Stadtteilen benannt waren: Zentralgemeinde, Bishopsgate, Southwark, Chelsea, Islington, Paddington und Westminster. Als die Apostel ausgesondert waren, zogen sie sich ein Jahr lang nach Albury auf den Schlosssitz von Drummond zurück, um sich auf ihre Aufgabe vorzubereiten, die Welt mit der neuen Apostellehre zu durchdringen. Bei den katholisch-apostolischen Apostelversammlungen führte der "Pfeilerapostel" Cardale als Erstberufener zwar den Vorsitz, aber es gab noch kein Stammapostolat mit einer absoluten Regierungsgewalt wie später in der Neuapostolischen Kirche. Vielmehr galt Cardale als "Gleicher unter Gleichen". Taplin war "Pfeiler der Propheten", und es gab je einen Pfeiler der Evangelisten und Hirten, die "Gleiche unter Gleichen" sein sollten.

In diesem Jahr der Stille trafen sie sich täglich zu Bibelbetrachtungen, die allerdings mit Hilfe von sieben Propheten betrieben wurden, d.h. die Propheten erschlossen den Aposteln durch ihre Eingebungen den "Geist der Schrift", oft auch allegorisch. Diese zwölf Apostel repräsentierten nach ihrer eigenen Vorstellung die zwölf Stämme des "geistlichen Israels", also der Gemeinde. Gott sollte die Christenheit unter ihnen, die allesamt Bewohner der Britischen Inseln waren, aufteilen. Deshalb wurde die Christenheit in zwölf Stämme gegliedert und jedem Apostel ein Stamm zugeteilt: Cardale erhielt England und Amerika als den Stamm Juda. Drummond erhielt Schottland und die protestantische Schweiz, den Stamm Benjamin. Perceval erhielt Italien, den Stamm Manasse. King-Church erhielt Dänemark, Niederlande und Belgien als Isaschar. Armstrong erhielt Irland, Griechenland und den Orient als Sebulon. Woodhouse erhielt Süddeutschland und Österreich, den Stamm Ruben. Tudor erhielt Polen, Indien und Australien als Ephraim. Dalton erhielt Frankreich und den katholischen Teil der Schweiz: Asser. Carlyle erhielt Norddeutschland: Simeon. Sitwell erhielt Portugal und Spanien: Naphtali. Dow erhielt Russland, Finnland und das Baltikum: Dan. MacKenzie erhielt Norwegen und Schweden: Gad. Die kirchliche Herkunft dieser "Apostel" war übrigens unterschiedlich. Die meisten waren Anglikaner. Es gab aber auch einen Freikirchlichen (Henry John King-Church), Independisten, Kongregationalisten und Schottisch-Presbyterianische.

Carlyle berichtet offen über die Probleme des Anfangs:

"Niemand wusste, was ein Apostel sei, welche Pflichten und Verpflichtungen mit diesem Amte verbunden seien. Wir mussten alles wie Kinder lernen, wir mussten alle in die Schule gehen, und manchmal in eine sehr schwere Schule. Nun entstand die Frage, wie das apostolische Amt ausgeübt werden sollte. Wir sahen: Alle anderen Ämter werden durch Apostel eingesetzt, aber die Apostel allein durch den Herrn" (zit. nach Weber, ebd., 26).

Die Apostel also fürchteten ihre Unwissenheit. Wie Kinder mussten sie erst lernen. Anfangs hatten sie ja die Vollzahl noch nicht erreicht, lebten zum Teil noch in ihren alten Gemeinden - und das Apostelamt bedeutete einen riesigen Bruch in ihrem Leben. Mit der Aussonderung war nun ein neuer Schritt erreicht. Sie waren von allen bisherigen Verpflichtungen befreit und für ihren Dienst freigestellt.

Das Testimonium der Apostel

Die neuen Apostel wandten sich seit 1835 mit verschiedenen Aufrufen ("Testimonium") an geistliche und weltliche Führer der Erde, um auf die Endzeit, die zu erstrebende Einheit und Sammlung der Christen und das dazu dienliche wiederaufgerichtete Apostelamt hinzuweisen. Die Resonanz bei den Adressaten war äußerst gering, die Reaktion fast durchweg ablehnend, da keiner (schon gar nicht der Papst) bereit war, die Autorität dieser Männer als "Apostel" anzuerkennen. Nachfolgend zur Illustration ein Ausschnitt aus dem "Zeugnis der Apostel an die geistlichen und weltlichen Häupter der Christenheit" aus dem Jahre 1836:

"Und schon hat Er (Gott) sich aufgemacht, Sein Heiligtum wieder zu bauen, die zerfallene Hütte Davids, Seinen Wohnsitz in Zion. Von da geht Sein Zeugnis an alle Getauften, ausgerichtet von zwölf Männern, die durch den Heiligen Geist zu Aposteln berufen und aus den Orten ihrer Geburt ausgesondert worden sind für den Dienst Christi in allen Landen. Ihr Amt wird es sein, durch den Glauben und das anhaltende Gebet des Volkes Gottes allen Getauften den Segen auszuspenden, den Jesus, der Apostel Seiner Kirche, durch Apostel geben möchte ... Dies ist keine neue Sekte: es ist Gottes Werk, um Seinen Segen der ganzen Christenheit, der ganzen getauften Welt, mitzuteilen ... In der ganzen Christenheit, Gesetzlosigkeit: hier Unterwerfung unter die Autorität; außerhalb, Spaltung und Sekten: hier Ein Leib, einig im Glauben, mit Lehrern, die einmütig dasselbe lehren. Draußen, Schulen des Antichrists unter dem Vorsitz von Häuptern, die sich das Volk selbst erwählt hat: hier, Ein Leib, regiert durch Ämter, die nicht vom Volke eingesetzt, sondern von Gott gegeben sind."

Aussterben der Apostel und Krise

1855 starben innerhalb kurzer Zeit drei der ersten "Apostel der Neuzeit": Thomas Carlyle, William Dow und Duncan MacKenzie. Das war für die Katholisch-Apostolische Kirche eine Überraschung - hatte man doch zunächst noch die Wiederkunft Christi zu Lebzeiten aller Apostel erwartet. Nun aber stellte sich die Frage, ob man neue Apostel in diese Ämter berufen solle, und man entschied bereits damals bei den Katholisch-Apostolischen, keine neuen Apostel zu berufen. Die Bewegung, die das jedoch tat, war die spätere Neuapostolische Kirche mit ihren Vorläufer-Gruppen (Geyerianer; s. dort). Man berief deshalb keine neuen Apostel, weil man die Wiederkunft Jesu Christi noch zu Lebzeiten zumindest der letzten katholisch-apostolischen Apostel erwartete. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Im Jahre 1901 starb als letzter "Apostel der Neuzeit" innerhalb der Katholisch-Apostolische Kirche Francis Valentine Woodhouse. In den Jahrzehnten darauf starben nacheinander die letzten Bischöfe, Priester und Diakone. Im Zusammenhang damit ist die Zahl der katholisch-apostolischen Gemeinden immer mehr zurückgegangen. Die ökumenische Breitenwirkung, die von ihren Gründern angestrebt worden war, wurde nicht erreicht. Die Katholisch-Apostolische Kirche wurde infolge der überwiegenden Nichtanerkennung ihrer Apostel immer mehr in ein sektiererisches Nischendasein gedrängt. Heute treffen sich Mitglieder und Besucher der Katholisch-Apostolische Kirche noch in kleinen Gruppen an verschiedenen Orten. Oft nehmen sie auch an Gottesdiensten anderer Kirchen teil, um etwa das Abendmahl zu empfangen.

Beurteilung

Die Katholisch-Apostolische Kirche ist - trotz ihres ursprünglichen ökumenischen Anspruchs - als Sekte zu werten. Der Hauptgrund für dieses Urteil ist ihre Ernennung neuer Apostel gegen die Lehre der Heiligen Schrift, welche Apostel nur für die ersten Gemeinden in der Urchristenheit und nicht für spätere Zeitepochen kennt (Apostel). Als weitere Gründe sind mancherlei Sonderlehren und nicht eingetroffene "Prophezeiungen" zu nennen (Falsche Propheten).

Siehe auch: Geyerianer; Neuapostolische Kirche, Neuoffenbarung, Geistesgaben, Zungenreden u.ä.

Literaturhinweise

A. Schröter, Die Katholisch-Apostolischen Gemeinden in Deutschland und der "Fall Geyer", Dissertation, Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg 1996

C. G. Strachan., The Pentecostal Theology of Edward Irving, Peabody/Mass. 1988

A. Weber, Die Katholisch-Apostolischen Gemeinden. Ein Beitrag zur Erforschung ihrer charismatischen Erfahrung und Theologie, Inauguraldissertation, Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977

L. Gassmann, Neuapostolische Kirche. Gibt es wieder Apostel?, Lage 2001.

Einzelhinweise und Quellen

Orginärer Autor: Lothar Gassmann

Ursprungsquelle dieses Artikels: https://www.bibel-glaube.de/handbuch_orientierung/Katholisch-Apostolische_Kirche.html (Abgrufen am 15. 02. 2022, 16:06)