Novatianer

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Während der Verfolgungszeiten im alten Rom (bis 313) kam es immer wieder vor, daß Christen ihren Glauben verleugneten. Nachdem die Verfolgungen vorbei waren, bereuten sie ihre Feigheit. Viele dieser äußerlich Abgefallenen wollten wieder zur Gemeinde gehören. Wie man sich den Abgefallenen (sie wurden Lapsi genannt) gegenüber verhalten sollte, brachte schwerste Auseinandersetzungen zwischen Christen und Gemeinden. Einige Gemeinden freuten sich über die Zurückgekehrten. In anderen Gemeinden erwartete man eine gewisse Bewährungszeit. Besonders problematisch wurde es, da manche abgefallenen Presbyter, Bischöfe und Diakone in ihre alten Dienste zurückwollten. In vielen Gemeinden wurde auch ihnen nach einer kurzen Bewährungszeit vergeben und einst Abgefallene fanden wieder Aufnahme und in ihren vorherigen Dienst. Diese laxe Haltung konnten einige Christen, wie z.B. >Tertullian, nicht teilen. So kam es zu schweren Spannungen und sogar zu Spaltungen. Tertullian, der einst die >Montanisten bekämpft hatte, schloß sich aufgrund derer klarerer Ethik und eindeutigeren Haltung diesen an. In der Verfolgung unter Kaiser Decius (249-251) kam es zu besonders vielen Abfällen. Galt Abfall bis dahin in den meisten kirchlichen Gruppen trotz des laxen Umgangs mit den einst Abgefallenen immer noch als besonders schwere Sünde, so wollten die meisten Gemeinden es der großen Zahl Rückkehrwilliger nach der schrecklichen Verfolgung leicht machen. Man hatte Mitleid mit den schwach Gewordenen und betrachtete sie weiter als Brüder. Andere konnten diese Laxheit nicht akzeptieren. Ihr bekanntester Vertreter war Bischof Cyprian von Karthago (200-258 n. Chr.). Viele Laien, die teilweise Furchtbares während der Verfolgung erlitten hatten, aber trotzdem nicht abgefallen waren, standen in den Gemeinden in hohem Ansehen. Sie waren milder als Cyprian. Deshalb konnte sich der Bischof auf der 2. Synode von Karthago (253) mit seiner härteren Linie nicht durchsetzen.

In der Römischen Gemeinde hatten die rigoristischeren Kräfte unter Führung des Presbyters Novatian anfänglich die Mehrheit. Nach längeren Auseinandersetzungen aber wurden die N. exkommuniziert. Ihre Spuren finden sich im Abendland bis ins 5.und im Orient bis ins 7. Jahrhundert.

Eine ähnliche Absplitterung gab es während der letzten, der diokletianischen Verfolgung (303-313) durch einen gewissen Melitius von Lykapolis. Aber seine Spaltung blieb auf Ägypten beschränkt.

Wenn diese Abspaltungen der ersten Jahrhunderte oft durch Rigorismus begünstigt oder überzogene Endzeitträume geprägt waren, handelt es sich bei ihnen doch nicht um außerchristliche Irrlehren wie in der >Gnosis oder im >Marcionismus, sondern um Konfessionen im heutigen Sinn. Schlimm ist, daß diese Bewegungen am Ende meist mit Hilfe staatlicher Gewalt durch die zur Staatskirche erstarkte organisierte Kirche vernichtet wurden. Bei dieser Verfolgerin haben wir es im wörtlichen Sinn mit einer ökumenischen, das heißt das ganze römische Reich umfassenden, Staatskirche zu tun. Sobald sie die Mittel hatte, vernichtete sie Christen mit anderer Prägung und Erkenntnis. Die nachkonstantinische Kirche duldete neben sich keine anderen Christen. Sie wurde zur Verfolgerin und oft auch Mörderin ihrer Brüder.

Literaturhinweise

L. Gassmann; KIRCHEN-Handbuch; MABO PROMOTION (Oktober 20051)

Einzelhinweise und Quellen

Anmerkungen


Quellenangaben

Orginärer Autor: Rainer Wagner