Schintoismus

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Shinto (jap. to = Weg, shin = der Götter) ist die ursprüngliche Nationalreligion Japans. An deren Spitze steht der Kaiser Tenno (jap. Himmelsherrscher), dessen Vorfahren sich seit 660 v.Chr. auf die Abstammung der Götter berufen. Ein Großteil der heutigen Japaner ist sowohl vom Shintoismus (S.) als auch vom Buddhismus beeinflusst, der sich seit 552 n. Chr. im Lande ansiedelte. Seit Gyogi (678 n.Chr.) entstanden in Japan verschiedene Mischformen von Shinto und Buddhismus. Dabei werden die kami (jap. Götter) mit den hotoke (Buddhas und Bodhisatvas) verbunden. 1868 wird der Shinto Staatsreligion. Im Anschluß an die Niederlage Japans im 2.Weltkrieg erklärte der damalige Tenno Hirohito, dass er kein gegenwärtiger kami sei. Damit endete der Staatsschinto offiziell.

Die Religion zerfällt in den Schrein-Shinto und den Volks- Shinto. Daneben existieren 145 Richtungen des Sekten- Shinto. An 80 000 Schreinen sind im heutigen Japan rund 22 000 Priester und Priesterinnen tätig. Zentraler Begriff für den Shinto ist kami (höhere Wesenheit, Gott). Göttliche kami- Qualität wird unter anderem den Göttern des Himmels und der Erde, den Geistern, dem Kaiser, Tieren, Bergen, Seen und vielem anderen zugesprochen. Die außerordentlich große Zahl der kami wird symbolisch mit 8 Millionen angegeben.

Der mythologische Anfang Japans soll durch das Götterpaar Izangi (der Umwerbende - Himmelsgott) und Izanami (die Umworbene - Erdgöttin) gemacht worden sein. Bis heute werden zwei Felsen nahe des Ise-Schreins vor Futami als Hochzeitsfelsen verehrt, die mit einem Strohseil miteinander verbunden sind.

Diese Urgötter sollen ihre Herrschaft an die Sonnengöttin Amaterasu, den Mondgott Tsuki-yomi und den Sturmgott Susa-no-o sowie 40 weitere von ihnen gezeugte kami übertragen haben. Dazu kommen dann noch verschiedene Götter, die quasi Schutzfunktionen über die verschiedenen Lebensbereiche übernehmen: der Reisgott Inari, Kami-Musubi als Herr der Geburten, Hachiman als Kriegsgott, Schutzgottheiten für alle Dörfer, Städte und Provinzen, die kami aller im Krieg Gefallenen usw. „Die Lebenskraft der Natur und ihre Fruchtbarkeit, die Sakralität der menschlichen Lebenswelt und die bleibende Verbundenheit mit den Toten sind ... die bleibenden Pfeiler des japanischen S..” (Waldenfels)

Beim Tod verlässt nach Shintoauffassung die Seele den Körper, um sich zu den bereits verstorbenen Ahnen ins „Land der Nacht” zu begeben. Lediglich die Seelen des Kaisers und seiner Angehörigen betreten nach ihrem Tod den Herrschaftsbereich der Sonnenkönigin Amaterasu. Die altjapanische Ethik verlangt Ahnenverehrung, Sippenbewusstsein, Gehorsam, Treue und Ehrlichkeit. Zum Ideal des bushido (weg des bushi / Samurai) gehören Pflichttreue, Selbstbeherrschung und Todesverachtung in der Verteidigung des Landes.

Mittelpunkt der Kami- und Ahnenverehrung ist der Göttersims in jeder Shinto- Wohnung, auf dem mehrere kleine Schreine stehen, vor denen Opfer aus Speisen und Kirschbaumzweigen dargebracht werden. Außerdem werden die göttlichen kami in den eigentlichen Schreinen verehrt. Den Eingang zu jedem Schreinbezirk bilden die torii, rot gestrichene Portale mit zwei übereinander angeordneten Querbalken, die über die Seitenpfähle hinausragen. Der eigentliche Schrein besteht aus zwei mit einem überdeckten Gang verbundenen Bauten: 1. Der Kulthalle (haiden), in der von den Glaubenden Gebete rezitiert, Opfer dargebracht und Weihehandlungen (Geburt, Hochzeit) empfangen werden. 2. Die Haupthalle (hoden - kami Haus), in der der kami wohnt, zumeist in Gestalt eines heiligen Gegen-standes. Diesen Raum dürfen nur die Priester betreten.

Shinto-Anhänger, die den Schrein besuchen, durchlaufen folgende Zeremonien: 1. Rituelle Reinigung durch Besprengung mit heiligem Salzwasser (beseitigt die kultische Unreinheit - kegare), 2. Darbringung der Opfer (shinsen - Reiskuchen, Reiswein, Stoffstücke, Kirschbaumzweige), 3. Rezitation eines rituellen Gebets (norito) und das symbolische Festmahl (naorai) mit dem kami des Schreins in Form von einigen Tropfen Reiswein. Shinto- Priester bringen darüberhinaus jeden Morgen und jeden Abend den kami vorgeschriebene Opfer und rezitieren festgelegte Gebete für Hochzeiten und Bestattungen.

Christen stehen den Glaubensüberzeugungen des Shinto und den daraus für die westliche Esoterik entlehnten Elementen (Naturmystik, Vergöttlichung der Schöpfung, Verbindung zu Verstorbenen) kritisch gegenüber.

Siehe auch: Spiritsmus; Animismus; Schamanismus.

Literaturhinweise

K.Florenz: Die historischen Quelle der Shinto- Religion, 1919
Hiroto Kishita und Dora Kishita: Buddhismus und Shintoismus in Japan und mein Weg zu Christus, MBK, 2. überarb. u. erg. Neuaufl. 2004
Ernst Lokowandt: Shinto. Eine Einführung, 2001
C. Scott Littleton und C. Scott Littleton: Shintoismus, 2005
S.Ono: Shinto. The Kami Way, 1962
Hans Waldenfels, Shintoismus, in: Gasper/Müller/Valentin, Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, 7. Aufl. 1990.

Einzelhinweise und Quellen

Anmerkungen


Quellenangaben


Orginärer Autor: Michael-Kotsch