Autor
1.079
Bearbeitungen
(Die Seite wurde neu angelegt: „__TOC__ ==Begriff:== Pluralismus (P.) (von latein. pluralitas, Vielheit) ist die (philosophische) Anschauung, die die Wirklichkeit (der Welt) nicht als Einheit, sondern als eine vom Zufall bestimmte Vielheit verschiedener Ansprüche und Prinzipien versteht, wobei diese Teile insgesamt nicht das Ganze bilden; daraus folgt eine Relativierung aller Ansprüche, Prinzipien und Werte (Relativismus). Pluralismus ist die Gegenbewegung zum vom Hegel`schen Ideali…“) |
|||
| Zeile 10: | Zeile 10: | ||
*Unterscheidung von Pluralismus und Pluralität: Begrifflich und sachlich ist diese Unterscheidung zwar möglich. Dann steht einem negativ zu beurteilenden Pluralismus eine positiv zu wertende ''Pluralität'' (lat. Vielfalt) entgegen, "die - theologisch gesehen - eine grundsätzliche Einförmigkeit ausschließt zugunsten des Zusammenhangs unterschiedlicher Gaben und Kräfte zur Erbauung der christlichen Gemeinde (vgl. Röm. 12; 1. Kor. 12-14; Eph. 4)" (Fachwörterbuch Theologie, Stichwort: Pluralität, Wuppertal 1987, S. 134). Aber faktisch ist diese Unterscheidung wenig geeignet, da sich die Grenze zwischen Pluralismus und Pluralität nur schwer markieren lässt, so dass damit das theologische Problem nicht gelöst wird. Aufgrund dieser Unzulänglichkeit sollte auf diese Unterscheidung verzichtet und der Begriff Pluralität nicht positiv aufgenommen werden, allein schon um unnötige Verwirrung zu vermeiden.<br /> | *Unterscheidung von Pluralismus und Pluralität: Begrifflich und sachlich ist diese Unterscheidung zwar möglich. Dann steht einem negativ zu beurteilenden Pluralismus eine positiv zu wertende ''Pluralität'' (lat. Vielfalt) entgegen, "die - theologisch gesehen - eine grundsätzliche Einförmigkeit ausschließt zugunsten des Zusammenhangs unterschiedlicher Gaben und Kräfte zur Erbauung der christlichen Gemeinde (vgl. Röm. 12; 1. Kor. 12-14; Eph. 4)" (Fachwörterbuch Theologie, Stichwort: Pluralität, Wuppertal 1987, S. 134). Aber faktisch ist diese Unterscheidung wenig geeignet, da sich die Grenze zwischen Pluralismus und Pluralität nur schwer markieren lässt, so dass damit das theologische Problem nicht gelöst wird. Aufgrund dieser Unzulänglichkeit sollte auf diese Unterscheidung verzichtet und der Begriff Pluralität nicht positiv aufgenommen werden, allein schon um unnötige Verwirrung zu vermeiden.<br /> | ||
== | ==Beurteilung:== | ||
Gesellschaftlich-politischer Pluralismus ist zwar das zwangsläufige Erscheinungsbild einer sich als offen verstehenden Gesellschaft. Er kann jedoch bei aller Vorgabe großer, ja grenzenloser Freiheit selbst totalitär werden, zumindest zunächst gegenüber solchen, die ihn (begründet) infrage stellen. Der ihm inhärente Hang zur Anarchie birgt die Gefahr des Totalitarismus und der Tyrannei in sich. (Die Weimarer Republik wurde durch die NS-Diktatur abgelöst.) Übertriebener Pluralismus ist unmenschlich und gegen Gesellschaft und Staat gerichtet. Eine gottgegebene Ordnung erkennt er nicht als solche an. Wollen Gesellschaft und Staat bestehen, so müssen einem ausufernden Pluralismus Grenzen gezogen werden, da er ansonsten deren Atomisierung zunächst betreibt und dann auch bewirkt. Muss in Gesellschaft und Staat eine gewisse Offenheit herrschen und wird damit in bezug auf Weltanschauung usw. ein gewisses Maß an Freiheit bestehen müssen, so ist in Theologie und Kirche eine zum Prinzip erhobene Vielfalt der Anschauungen, die - so die Idealvorstellung - gleichberechtigt nebeneinander stehen, nicht möglich, da dadurch die Grundlagen Hl. Schrift und Bekenntnis aufgelöst werden. Pluralismus in Theologie und Kirche versucht die Wahrheitsfrage auszuklammern, verhält sich zu dieser damit indifferent und stellt sich ihr entgegen. Pluralismus steht gegen die vier reformatorischen allein, fördert den Polytheismus, widerspricht dem 1. Gebot ("Du sollst keine anderen Götter neben mir haben") und hat deshalb in Theologie und Kirche keinen Raum. | Gesellschaftlich-politischer Pluralismus ist zwar das zwangsläufige Erscheinungsbild einer sich als offen verstehenden Gesellschaft. Er kann jedoch bei aller Vorgabe großer, ja grenzenloser Freiheit selbst totalitär werden, zumindest zunächst gegenüber solchen, die ihn (begründet) infrage stellen. Der ihm inhärente Hang zur Anarchie birgt die Gefahr des Totalitarismus und der Tyrannei in sich. (Die Weimarer Republik wurde durch die NS-Diktatur abgelöst.) Übertriebener Pluralismus ist unmenschlich und gegen Gesellschaft und Staat gerichtet. Eine gottgegebene Ordnung erkennt er nicht als solche an. Wollen Gesellschaft und Staat bestehen, so müssen einem ausufernden Pluralismus Grenzen gezogen werden, da er ansonsten deren Atomisierung zunächst betreibt und dann auch bewirkt. Muss in Gesellschaft und Staat eine gewisse Offenheit herrschen und wird damit in bezug auf Weltanschauung usw. ein gewisses Maß an Freiheit bestehen müssen, so ist in Theologie und Kirche eine zum Prinzip erhobene Vielfalt der Anschauungen, die - so die Idealvorstellung - gleichberechtigt nebeneinander stehen, nicht möglich, da dadurch die Grundlagen Hl. Schrift und Bekenntnis aufgelöst werden. Pluralismus in Theologie und Kirche versucht die Wahrheitsfrage auszuklammern, verhält sich zu dieser damit indifferent und stellt sich ihr entgegen. Pluralismus steht gegen die vier reformatorischen allein, fördert den Polytheismus, widerspricht dem 1. Gebot ("Du sollst keine anderen Götter neben mir haben") und hat deshalb in Theologie und Kirche keinen Raum. | ||
Siehe auch: [[Apologetik]]; [[Toleranz]]; [[Wahrheit]]. | Siehe auch: [[Apologetik]]; [[Toleranz]]; [[Wahrheit]]. | ||
{{Footer|URL=https://www.bibel-glaube.de/handbuch_orientierung/Oekumene.html|AUTHOR=[[User:Walter.Rominger|Walter Rominger]]|KATHEGORIES=[[Kategorie:Ökumene]][[Kategorie:Kirchen]]|LITERATURE=Art. "Pluralismus" in: EKL, Bd. 3. 3. Aufl. (Neufassung), 1992, Sp. 1232-1242, v.: W.-D. Narr, J.-M. Charpentier, G. F. Moede<br/> ELThG, Bd. 3, 1994, S. 1579f., v. J. Eber<br/> ESL, 7. Aufl. 1980, Sp. 1004-1006, v. R. Eisfeld<br/> EStL, 2. Aufl. 1975, Sp. 1848-1855, v. R. Herzog<br/> Evangelisches Gemeindelexikon, 1986 (1. Aufl. 1978), S. 411, v. H. Lücke<br/> RGG, Bd. 5, 3. Aufl. 1961, Sp. 421f., v. C. Graf v. Krockow<br/> Arnoldshainer Konferenz (Hg.), Pluralismus in der Kirche. Chancen und Grenzen, 1971<br/> P. L. Berger, Der Zwang zur Häresie. Religion in der pluralistischen Gesellschaft, 1992<br/> P. Beyerhaus/J. Heubach (Hg.), Zwischen Anarchie und Tyrannei, 1979<br/> J. Hick/P. Knitter (Edd.), The Myth of Christian Uniquiness. Towards a Pluralistic Theology of Religion, 1987<br/> W. Rominger, Jedem das Seine - auch im Glauben? Eine bislang fast ausgebliebene Anfrage an den praktischen Pluralismus: Pluralismus bringt Polytheismus, Sternbrief 3. 2001 (Hg. Cornelius-Vereinigung), 7-13<br/> R. Slenczka, Christlicher Glaube im pluralistischen Zeitalter des 21. Jahrhunderts, in: ders., Neues und Altes, Bd. 2, 2000, 149-163<br/> ders., Christliche Theologie der Religionen, ebd., 164-182<br/> ders., "Magnus Consens". Die Einheit der Kirche in der Wahrheit und der gesellschaftliche Pluralismus, ebd., Bd. 3, 13-57}} | {{Footer|URL=https://www.bibel-glaube.de/handbuch_orientierung/Oekumene.html|AUTHOR=[[User:Walter.Rominger|Walter Rominger]]|KATHEGORIES=[[Kategorie:Ökumene]][[Kategorie:Kirchen]]|LITERATURE=Art. "Pluralismus" in: EKL, Bd. 3. 3. Aufl. (Neufassung), 1992, Sp. 1232-1242, v.: W.-D. Narr, J.-M. Charpentier, G. F. Moede<br/> ELThG, Bd. 3, 1994, S. 1579f., v. J. Eber<br/> ESL, 7. Aufl. 1980, Sp. 1004-1006, v. R. Eisfeld<br/> EStL, 2. Aufl. 1975, Sp. 1848-1855, v. R. Herzog<br/> Evangelisches Gemeindelexikon, 1986 (1. Aufl. 1978), S. 411, v. H. Lücke<br/> RGG, Bd. 5, 3. Aufl. 1961, Sp. 421f., v. C. Graf v. Krockow<br/> Arnoldshainer Konferenz (Hg.), Pluralismus in der Kirche. Chancen und Grenzen, 1971<br/> P. L. Berger, Der Zwang zur Häresie. Religion in der pluralistischen Gesellschaft, 1992<br/> P. Beyerhaus/J. Heubach (Hg.), Zwischen Anarchie und Tyrannei, 1979<br/> J. Hick/P. Knitter (Edd.), The Myth of Christian Uniquiness. Towards a Pluralistic Theology of Religion, 1987<br/> W. Rominger, Jedem das Seine - auch im Glauben? Eine bislang fast ausgebliebene Anfrage an den praktischen Pluralismus: Pluralismus bringt Polytheismus, Sternbrief 3. 2001 (Hg. Cornelius-Vereinigung), 7-13<br/> R. Slenczka, Christlicher Glaube im pluralistischen Zeitalter des 21. Jahrhunderts, in: ders., Neues und Altes, Bd. 2, 2000, 149-163<br/> ders., Christliche Theologie der Religionen, ebd., 164-182<br/> ders., "Magnus Consens". Die Einheit der Kirche in der Wahrheit und der gesellschaftliche Pluralismus, ebd., Bd. 3, 13-57}} | ||