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(Die Seite wurde neu angelegt: „__TOC__ ==Vorbemerkung== Das Thema "Feindesliebe" besitzt angesichts der Diskussion über Krieg und Friede n stets große Aktualität. Hier geklärt werden, was der für die Friedensfrage zentrale Begriff "Feindesliebe" in der Bibel und insbesondere im Neuen Testament (NT) bedeutet und welche direkten Folgen sich daraus für den Einzelnen und für die Staaten ergeben. =="Feind" in der Bibel== Das Griechische kennt mehrere Wörter für "Feind". Im…“) |
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Die Grenze des Gehorsams gegenüber der Obrigkeit ist allerdings da erreicht, wo sie selber böse wird, wo sie Gottes gute Ordnungen bewusst bekämpft und für Kritik an ihrem Vorgehen nicht mehr offen ist. Dann gilt: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apg 5,29). Das Verhalten des Christen seinerseits in einer solchen Lage wird aber auch dann von der Feindesliebe geprägt sein müssen. Liebe kann nun allerdings auch Verweigerung gegenüber einer widergöttlichen, bösen Obrigkeit bedeuten, und zwar auf den Gebieten, die mit dem christlichen Glauben in Widerspruch stehen. Das Ziel solcher Verweigerung wird ein zweifaches sein: | Die Grenze des Gehorsams gegenüber der Obrigkeit ist allerdings da erreicht, wo sie selber böse wird, wo sie Gottes gute Ordnungen bewusst bekämpft und für Kritik an ihrem Vorgehen nicht mehr offen ist. Dann gilt: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apg 5,29). Das Verhalten des Christen seinerseits in einer solchen Lage wird aber auch dann von der Feindesliebe geprägt sein müssen. Liebe kann nun allerdings auch Verweigerung gegenüber einer widergöttlichen, bösen Obrigkeit bedeuten, und zwar auf den Gebieten, die mit dem christlichen Glauben in Widerspruch stehen. Das Ziel solcher Verweigerung wird ein zweifaches sein: | ||
* dieser Obrigkeit ein Zeichen zu setzen, dass sie auf bösem Weg ist; | |||
* den übrigen Mitmenschen ein Zeichen zu setzen, damit sie vom bösen Weg der Obrigkeit fernbleiben. Für einen Christen bedeutet Widerstand nicht Gewalt, sondern Leiden: Leiden um der Liebe zu den Verirrten willen. Leiden um der Feindesliebe willen. | |||
:"Rächet euch selber nicht, meine Lieben, sondern gebet Raum dem Zorn Gottes!" (Röm 12,19). | :"Rächet euch selber nicht, meine Lieben, sondern gebet Raum dem Zorn Gottes!" (Röm 12,19). | ||
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Wer dennoch als Christ im äußersten Notfall und nach sorgfältiger Gewissensprüfung Gewalt befürwortet (wie z. B. Dietrich Bonhoeffer unter dem Nationalsozialismus), tut dies im Bewusstsein, selbst schuldig zu werden, um ein unerträgliches Übel von anderen abzuhalten oder abzuwehren. | Wer dennoch als Christ im äußersten Notfall und nach sorgfältiger Gewissensprüfung Gewalt befürwortet (wie z. B. Dietrich Bonhoeffer unter dem Nationalsozialismus), tut dies im Bewusstsein, selbst schuldig zu werden, um ein unerträgliches Übel von anderen abzuhalten oder abzuwehren. | ||
=Feindesliebe heute. Zusammenfassung und aktueller Bezug == | ==Feindesliebe heute. Zusammenfassung und aktueller Bezug== | ||
Die bedingungslose, sich selbst schenkende Liebe zum Feind findet sich allein in Leben und Lehre Jesu begründet. Jesus selber ermöglicht uns diese Liebe, weil wir durch seinen Opfertod am Kreuz mit Gott versöhnt worden sind, als wir noch Feinde, Sünder, von Gott Getrennte waren. Der Überwinder der Feindschaft zwischen Gott und Mensch will auch die Überwindung der Feindschaft zwischen Mensch und Mensch. Er nimmt uns deshalb als Glaubende in sein Versöhnungswerk hinein und macht uns zu versöhnten Versöhnern. Er trägt uns und schenkt uns Kraft zur bedingungslosen Liebe. Wenn wir dennoch versagen, dürfen wir auf sein vergebendes Erbarmen vertrauen. Sind wir mit Jesus verbunden, so trifft uns das Gebot der Feindesliebe nicht mehr als bedrückendes Gesetz, sondern als freimachender Zuspruch, auch anderen die Liebe Gottes weiterzugeben, die wir in Jesus erfahren haben. Feindesliebe findet ihre Grenze am Bösen in der Welt. Der Christ ist gerufen, dennoch zu lieben oder als einer, der sich dem Bösen verweigert, zu leiden. Die Obrigkeit (und auch der Christ im Amt) aber muss das Böse und den Bösen aktiv bekämpfen - aus Liebe zu dem schutzbedürftigen Guten. Für den Staat gilt es in erster Linie, die Gerechtigkeit aufrechtzuerhalten - mehr kann er nicht tun, weil nicht alle Christen sind, die in der Liebe Christi stehen (sollten). In Sachen Gerechtigkeit allerdings sollte der Staat immer dann Milde walten lassen, wenn Aussicht besteht, dass der Böse durch die Erfahrung verzeihender Liebe zurechtgebracht wird. | Die bedingungslose, sich selbst schenkende Liebe zum Feind findet sich allein in Leben und Lehre Jesu begründet. Jesus selber ermöglicht uns diese Liebe, weil wir durch seinen Opfertod am Kreuz mit Gott versöhnt worden sind, als wir noch Feinde, Sünder, von Gott Getrennte waren. Der Überwinder der Feindschaft zwischen Gott und Mensch will auch die Überwindung der Feindschaft zwischen Mensch und Mensch. Er nimmt uns deshalb als Glaubende in sein Versöhnungswerk hinein und macht uns zu versöhnten Versöhnern. Er trägt uns und schenkt uns Kraft zur bedingungslosen Liebe. Wenn wir dennoch versagen, dürfen wir auf sein vergebendes Erbarmen vertrauen. Sind wir mit Jesus verbunden, so trifft uns das Gebot der Feindesliebe nicht mehr als bedrückendes Gesetz, sondern als freimachender Zuspruch, auch anderen die Liebe Gottes weiterzugeben, die wir in Jesus erfahren haben. Feindesliebe findet ihre Grenze am Bösen in der Welt. Der Christ ist gerufen, dennoch zu lieben oder als einer, der sich dem Bösen verweigert, zu leiden. Die Obrigkeit (und auch der Christ im Amt) aber muss das Böse und den Bösen aktiv bekämpfen - aus Liebe zu dem schutzbedürftigen Guten. Für den Staat gilt es in erster Linie, die Gerechtigkeit aufrechtzuerhalten - mehr kann er nicht tun, weil nicht alle Christen sind, die in der Liebe Christi stehen (sollten). In Sachen Gerechtigkeit allerdings sollte der Staat immer dann Milde walten lassen, wenn Aussicht besteht, dass der Böse durch die Erfahrung verzeihender Liebe zurechtgebracht wird. | ||