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Capra, Fritjof: Unterschied zwischen den Versionen

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Capra, Fritjof, Physiker und Philosoph, durch seine Bücher (Der kosmische Reigen; Das Tao der Physik; Wendezeit u.a.) Vordenker der [[New-Age]]-Bewegung. Insbesondere "Wendezeit. Bausteine für ein neues Weltbild" (1982) wurde zum Brückenkopf von früher nebeneinander her existierenden [[Friede]]ns-, [[Einheit]]s- und [[Feminismus]] bewegungen, zum Kristallisationskern von >[[Die Grünen|Grünen]], >Antiautoritären, >Jungianern, Revolutionären, [[Bhagwan-Besegung|Bhagwan-Jüngern]] und [[Anthroposophie|Anthroposophen]].  
Capra, Fritjof, Physiker und Philosoph, durch seine Bücher (Der kosmische Reigen; Das Tao der Physik; Wendezeit u.a.) Vordenker der [[New-Age]]-Bewegung. Insbesondere "Wendezeit. Bausteine für ein neues Weltbild" (1982) wurde zum Brückenkopf von früher nebeneinander her existierenden [[Friede]]ns-, [[Einheit]]s- und [[Feminismus]] bewegungen, zum Kristallisationskern von >[[Die Grünen|Grünen]], >Antiautoritären, >Jungianern, Revolutionären, [[Bhagwan-Besegung|Bhagwan-Jüngern]] und [[Anthroposophie|Anthroposophen]].  


Was ist das Geheimnis seines "neuen Weltbildes"? Es ist die allseitige Vernetzung, das Ganzheitsdenken. Es ist die Entdeckung, dass keiner isoliert existiert, dass alles miteinander in Verbindung steht, alle Lebensprozesse, zum Beispiel in ökologischen Kreisläufen. Capra schreibt:<blockquote>"Leben und Geist sind Manifestationen derselben Gruppierung von Systemeigenschaften, von Prozessen, in denen die Dynamik der Selbstorganisation zum Ausdruck kommt. Dieser neue Geistesbegriff wird von unerhörtem Wert bei unserem Versuch sein, die kartesianische Trennung zu überwinden. Die Beschreibung von Geist als Organisationsmuster oder Gruppierung dynamischer Beziehungen erinnert an die Beschreibung der Materie in der modernen Physik. Geist und Materie erscheinen nicht länger als zwei getrennte Kategorien, wie Descartes es glaubte, sondern man kann sie als unterschiedliche Aspekte desselben universalen Geschehens betrachten" (Wendezeit, 322). Und weiter: "In der geschichteten Ordnung der Natur ist der jeweilige individuelle menschliche Geist in den umfassenderen Geist gesellschaftlicher und ökologischer Prozesse eingebettet; dieser wiederum ist in das planetare geistige System integriert - in den Geist von Gaia - , das seinerseits an irgendeiner Art von universalem oder kosmischem Geist teilhaben muss. Das Gedankengebäude des neuen Systemansatzes wird in keiner Weise eingeengt, wenn man diesen kosmischen Geist mit der traditionellen Vorstellung von Gott assoziiert. Jantsch sagt: �Gott ist nicht der Schöpfer, sondern der Geist des Universums.` Aus dieser Sicht ist die Gottheit natürlich weder männlich noch weiblich, noch in irgendeiner persönlichen Form manifestiert, sondern stellt nichts weniger als die Selbstorganisations-Dynamik des gesamten Kosmos dar" (ebd., 324).</blockquote>Beurteilung:  
Was ist das Geheimnis seines "neuen Weltbildes"? Es ist die allseitige Vernetzung, das Ganzheitsdenken. Es ist die Entdeckung, dass keiner isoliert existiert, dass alles miteinander in Verbindung steht, alle Lebensprozesse, zum Beispiel in ökologischen Kreisläufen. Capra schreibt:<blockquote>"Leben und Geist sind Manifestationen derselben Gruppierung von Systemeigenschaften, von Prozessen, in denen die Dynamik der Selbstorganisation zum Ausdruck kommt. Dieser neue Geistesbegriff wird von unerhörtem Wert bei unserem Versuch sein, die kartesianische Trennung zu überwinden. Die Beschreibung von Geist als Organisationsmuster oder Gruppierung dynamischer Beziehungen erinnert an die Beschreibung der Materie in der modernen Physik. Geist und Materie erscheinen nicht länger als zwei getrennte Kategorien, wie Descartes es glaubte, sondern man kann sie als unterschiedliche Aspekte desselben universalen Geschehens betrachten" (Wendezeit, 322). Und weiter: "In der geschichteten Ordnung der Natur ist der jeweilige individuelle menschliche Geist in den umfassenderen Geist gesellschaftlicher und ökologischer Prozesse eingebettet; dieser wiederum ist in das planetare geistige System integriert - in den Geist von Gaia - , das seinerseits an irgendeiner Art von universalem oder kosmischem Geist teilhaben muss. Das Gedankengebäude des neuen Systemansatzes wird in keiner Weise eingeengt, wenn man diesen kosmischen Geist mit der traditionellen Vorstellung von Gott assoziiert. Jantsch sagt: - Gott ist nicht der Schöpfer, sondern der Geist des Universums.` Aus dieser Sicht ist die Gottheit natürlich weder männlich noch weiblich, noch in irgendeiner persönlichen Form manifestiert, sondern stellt nichts weniger als die Selbstorganisations-Dynamik des gesamten Kosmos dar" (ebd., 324).</blockquote>Beurteilung:  


In Capras Sichtweise steckt insofern etwas Richtiges, als allzu lange die [[Ökologie]] vernachlässigt wurde, weil man lebendige Prozesse verneinte und in der Philosophie Subjekt und Objekt (etwa von Descartes her) auseinander riss. Diese Denkweise sollten wir in der Tat überwinden. Aber die Grenze wird bei Capra und ähnlichen Denkern eindeutig da überschritten, wo er eine neue Spiritualität, eine Vernetzung auch auf geistigem Gebiet fordert - eine Vernetzung, die alle Religionen, Philosophien und Ideologien relativiert (>Relativismus). Capras integrativer Ansatz bringt nämlich die Religionen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und versucht dadurch, sie in einer übergeordneten Synthese zu vereinigen und aufzuheben (vgl. den Ansatz des [[theosophischen]] Systems). Wichtig ist für ihn der [[Taoismus]] mit seiner Polarität von [[Yin und Yang]], die in einer höheren Synthese aufzuheben ist, aber nicht das Christentum. Eine absolute Offenbarung eines absoluten Gottes und Schöpfers gibt es für ihn nicht. Gott ist für ihn zwar Geist, aber der Geist des Kosmos (immanent-innerweltlich) und nicht der Schöpfer des Kosmos, der auch unabhängig und außerhalb des Universums existiert (transzendent-überweltlich). Dieser Geist wird - wie jede Erkenntnis - nach Capras Ansicht mystisch-intuitiv wahrgenommen und nicht durch dogmatische Lehrsätze und Offenbarungswahrheiten, wie sie in der Bibel verankert sind. Capras System lässt sich somit kennzeichnen als spiritualistisch verbrämter [[Materialismus]] >pantheistischer Art, d.h. als Denken, das zwar von "Gott" und "Geist" spricht, aber in Wirklichkeit nur das innerweltliche geschaffene Sein und nicht den über seinen Geschöpfen stehenden Schöpfer meint und erreicht.
In Capras Sichtweise steckt insofern etwas Richtiges, als allzu lange die [[Ökologie]] vernachlässigt wurde, weil man lebendige Prozesse verneinte und in der Philosophie Subjekt und Objekt (etwa von Descartes her) auseinander riss. Diese Denkweise sollten wir in der Tat überwinden. Aber die Grenze wird bei Capra und ähnlichen Denkern eindeutig da überschritten, wo er eine neue Spiritualität, eine Vernetzung auch auf geistigem Gebiet fordert - eine Vernetzung, die alle Religionen, Philosophien und Ideologien relativiert (>Relativismus). Capras integrativer Ansatz bringt nämlich die Religionen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und versucht dadurch, sie in einer übergeordneten Synthese zu vereinigen und aufzuheben (vgl. den Ansatz des [[theosophischen]] Systems). Wichtig ist für ihn der [[Taoismus]] mit seiner Polarität von [[Yin und Yang]], die in einer höheren Synthese aufzuheben ist, aber nicht das Christentum. Eine absolute Offenbarung eines absoluten Gottes und Schöpfers gibt es für ihn nicht. Gott ist für ihn zwar Geist, aber der Geist des Kosmos (immanent-innerweltlich) und nicht der Schöpfer des Kosmos, der auch unabhängig und außerhalb des Universums existiert (transzendent-überweltlich). Dieser Geist wird - wie jede Erkenntnis - nach Capras Ansicht mystisch-intuitiv wahrgenommen und nicht durch dogmatische Lehrsätze und Offenbarungswahrheiten, wie sie in der Bibel verankert sind. Capras System lässt sich somit kennzeichnen als spiritualistisch verbrämter [[Materialismus]] >pantheistischer Art, d.h. als Denken, das zwar von "Gott" und "Geist" spricht, aber in Wirklichkeit nur das innerweltliche geschaffene Sein und nicht den über seinen Geschöpfen stehenden Schöpfer meint und erreicht.
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