Zen

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Beim gegenwärtigen Zen-Buddhismus handelt es sich vor allem um eine elitäre Mode-Religiösität westlicher Esoteriker. Die ursprünglichen buddhistischen Vorstellungen werden dabei den Bedürfnissen eines pluralistischen und konsumorientierten Lebensstils angepasst.

Der traditionelle Zen- Buddhismus ist vor allem in Japan zuhause (jap. zenna / zenno) und greift auf Vorbilder in China (ch’an-na / ch’an) und Indien (dhyana) zurück. Bodhidarma soll den Zen in grauer Vorzeit von Indien nach China gebracht haben. Historische Einzelheiten über die frühe Entwicklung des Zen in China und Japan sind weitgehend unbekannt, weil für die Anhänger die spirituelle Wahrheit im Mittelpunkt steht.

Unter Zen versteht man in Asien die Vereinigung verschiedener Meditationsformen, die dem Menschen das wahre Wissen über die Einheit aller Erscheinungen vermitteln soll. In einer Art von Erleuchtung sollen alle Dualismen und Irrtümer über Realität der sichtbaren Welt einschließlich der eigenen Person erkannt werden. Das Wesen des Zen wird klassisch folgendermaßen beschrieben: „Eine besondere Übermittlung außerhalb der Schrift / Nicht beruhend auf Worten und Buchstaben; / Durch unmittelbares Deuten auf den Geist / Wird es einem ermöglicht, in das Wesen der Dinge einzudringen, um die Buddhanatur zu erlangen” (Quelle: chin. Ts’u-t’ing shih-yüan; jap. Sotei jion). Einige Zen- Lehrer wollen die Erleuchtung durch das Studium der Sutras (Heilige Schriften mit den Lehren Buddhas) vorbereiten. Die meisten Zen- Autoritäten allerdings lehnen das ab und halten allein den für kompetent, der anerkanntermaßen eine Erleuchtung erlebt hat (Erfahrung vor Bildung). Manche meinen, die Erleuchtung sei ein langsam fortschreitender Prozess. Andere halten die Erleuchtung für ein spontanes unberechenbares Ereignis. In China galt der Spruch: „Plötzlichkeit des Südens, Allmählichkeit des Nordens.” Die nördliche Schule trat ab dem 8.Jahrhundert in den Hintergrund. Von den ursprünglich „Fünf Häusern und sieben Schulen” werden heute vor allem noch zwei praktiziert: 1. Rinzai mit den Gründergestalten Eisai, Enni Ben’en und Hakuin. 2, Soto mit Dogen als Schlüsselfigur.

Zen will dem Menschen helfen, die Wahrheit des Lebens, die allumfassende Einheit, die sowieso schon greifbar vor ihm liegt, existenziell zu erfahren. Ekaku Hakuin dazu: „Nicht wissend, wie nahe die Wahrheit ist, suchen die Leute sie fernab - was für eine Katastrophe! Sie sind wie jemand, der in der Mitte eines Sees flehentlich vor Durst aufschreit.” Für jeden, der die Wahrheit der Buddhanatur wirklich erkennt, schwinden die „trügerischen Unterscheidungen” zwischen Person und Person, von Subjekt und Objekt. Diese Wahrheit kann nicht intellektuell, sondern nur durch das „Zur- Ruhe- Kommen” des Geistes und das Aufgehen im Tun des Alltäglichen erreicht werden. Kinder sollen durch das Putzen des Bodens auf den Weg des Zen vorbereitet werden. Andere klassische Formen meditativer Alltagshandlungen sind die Teezeremonie, das Bogenschießen, die japanische Kalligraphie, Ikebana (Blumenweg) oder die Pflege des Steingartens. In all diesen Aktivitäten geht es nicht um die Handlung an sich oder eine besondere Handfertigkeit, sondern darum, vollkommen im Teetrinken oder Bogenschießen aufzugehen, eins mit der Handlung zu werden und damit mit der ganzen Welt.

Wichtiger Bestandteil des Zen ist die traditionelle Sitzmeditation. Der Übende sitzt mit geradem Rücken auf einem kleinen Kissen im Lotussitz (mit überschlagenen Beinen, während die Fußsohlen nach oben zeigen), schaut starr geradeaus und konzentriert sich ganz auf den eigenen Atem, dessen Züge gezählt werden sollen, ohne an etwas anderes zu denken. Schließlich soll durch diese Meditation das Denken, Wollen und Wahrnehmen zum Schweigen gebracht werden. Im Zustand des vollkommenen Nichtdenkens kann der Übende ganz in seinem Atem aufgehen und damit in der Weltseele, in der spontanen Erleuchtung die Grenzen seiner Person überschreiten und die kosmische Einheit erfahren.

Entscheidend für den Zen- Schüler ist die Beziehung zu seinem Lehrer, einem erleuchteten Meister. Durch die Überwachung seiner Übungen und regelmäßige Lehrgespräche treibt dieser ihn auf dem Weg zur Erleuchtung voran. Die Gespräche dienen allerdings nicht dazu, intellektuelles Wissen zu vermitteln oder überhaupt wissbare Inhalte weiterzugeben, sondern eher dazu, das logische Denken ad absurdum zu führen und damit zum Schweigen zu bringen. Dabei helfen sogenannte Koans, unlösbare Rätselsprüche, die an die Grenzen des Denkbaren führen sollen.

Christlicher Glaube und Zen- Buddhismus unterscheiden sich tiefgreifend. Im Gegensatz zum Christen kennt der Zen- Buddhist keinen persönlichen Gott (1Mo 3,8f; Ps 139,15f; Jer 1,5; 1Kor 7,17), sondern nur eine anonyme göttliche Kraft. Im Zen ist die irdische Welt nur vorläufig und irreal, in der Bibel ist die materielle Welt zwar nicht ewig, doch aber gut, von Gott gewollt und real (1Mo 1,31; Pred 3,11; 1Tim 4,4). Zen- Buddhisten stützen sich auf eine unausdrückbare Intuition, Christen bauen auf einer verständlichen, göttlichen Offenbarung (2Mo 20,1ff; Ps 119; Mt 24,35). Im Zen ist das irdische Leben eine unbedeutende Etappe in der kosmischen Entwicklung der Seele, die Bibel sieht das irdische Leben als alles entscheidende Prüfungsphase für das ewige Leben mit Gott (Lk 16; Joh 3,16-19; Hbr 9,27). Der Zen- Buddhist erlöst sich durch eigene Anstrengung (bzw. Nichtanstrengung und Selbstauflösung), der Christ erwartet seine Erlösung im liebenden Eingreifen Gottes (Röm 3,24; 11,6; Kol 1,19-21; 1Joh 2,2).

Literaturhinweise

H. Dumolin: Geschichte des Zen- Buddhismus, 1985/86
P. Kapelau: Die drei Pfeiler des Zen, 1965
Ekaku Hakuin: Authentisches Zen, 1997.

Einzelhinweise und Quellen

Anmerkungen


Quellenangaben


Orginärer Autor: Michael Kotsch