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Die entscheidende Frage ist also, ob die anthroposophischen Neuoffenbarungen mit den Aussagen der in den alt- und neutestamentlichen Schriften bezeugten "Grundtradition" übereinstimmen oder ob hier Widersprüche auftreten. Zumindest müßte zwischen "alter" und "neuer" Offenbarung eine Kontinuität erkennbar sein. Versteht sich nämlich Steiners Christosophie "zu Recht als eine Ergänzung des in der Bibel Gesagten, zu Recht als ein neues Wort des Herrn, der als der erhöhte zugleich der gekreuzigte und auferstandene Herr ist, dann müßte das Wesen der neuen Offenbarung der bereits ergangenen innigst verwandt sein, dann müßte sich in der fortgeschrittenen Erkenntnis wiederfinden lassen, was als Ansatz oder Wurzel im Neuen Testament vorhanden wäre" (K. v. Stieglitz 1955, 183). Der ausführlichen Untersuchung dieser Frage dienen die Artikel: [[Gottesbild]], [[Reinkarnation]], [[Christosophie]], [[Johannesevangelium]] und [[Paulus]]. | Die entscheidende Frage ist also, ob die anthroposophischen Neuoffenbarungen mit den Aussagen der in den alt- und neutestamentlichen Schriften bezeugten "Grundtradition" übereinstimmen oder ob hier Widersprüche auftreten. Zumindest müßte zwischen "alter" und "neuer" Offenbarung eine Kontinuität erkennbar sein. Versteht sich nämlich Steiners Christosophie "zu Recht als eine Ergänzung des in der Bibel Gesagten, zu Recht als ein neues Wort des Herrn, der als der erhöhte zugleich der gekreuzigte und auferstandene Herr ist, dann müßte das Wesen der neuen Offenbarung der bereits ergangenen innigst verwandt sein, dann müßte sich in der fortgeschrittenen Erkenntnis wiederfinden lassen, was als Ansatz oder Wurzel im Neuen Testament vorhanden wäre" (K. v. Stieglitz 1955, 183). Der ausführlichen Untersuchung dieser Frage dienen die Artikel: [[Gottesbild]], [[Reinkarnation]], [[Christosophie]], [[Johannesevangelium]] und [[Paulus]]. | ||
====''Die Unhaltbarkeit der anthroposophischen "Belegstellen"'' ==== | |||
Hier ist die Behauptung Steiners zu prüfen, daß im Neuen Testament selber von einer "fortschreitenden Offenbarung" die Rede sei. Wir betrachten dazu die von Steiner herangezogenen Hauptbelegstellen im einzelnen. | Hier ist die Behauptung Steiners zu prüfen, daß im Neuen Testament selber von einer "fortschreitenden Offenbarung" die Rede sei. Wir betrachten dazu die von Steiner herangezogenen Hauptbelegstellen im einzelnen. | ||
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Damit soll nicht bestritten werden, daß es ein Wirken des Geistes Gottes über die apostolisch-urkirchliche Zeit hinaus gibt, ganz im Gegenteil, doch sind zu seiner Beurteilung die oben genannten Kriterien anzuwenden. | Damit soll nicht bestritten werden, daß es ein Wirken des Geistes Gottes über die apostolisch-urkirchliche Zeit hinaus gibt, ganz im Gegenteil, doch sind zu seiner Beurteilung die oben genannten Kriterien anzuwenden. | ||
====''Das Scheitern der anthroposophischen Kriterien zur Prüfung neuer "Offenbarungen"''==== | |||
Nun wird von anthroposophischen Auslegern klar gesagt, daß für sie die biblische "Grundtradition" nicht der ausschlaggebende Maßstab zur Prüfung neuer "Offenbarungen", "Anschauungen" oder "Vorstellungen" ist. "Es kommt schließlich nicht darauf an, ob eine Vorstellung 'platonisch' oder 'biblisch', sondern ob sie 'richtig' ist", schreibt etwa R. Frieling (1974, 53). Als ''"richtig"'' gilt eine Vorstellung, wenn sie durch die ''"Menschheits-Erfahrung"'' gesichert ist, was Frieling am Beispiel außerkörperlicher Zustände beweisen will: "Daß die Seele sich auch schon vor dem Tode mehr oder weniger vom Erdenkörper freimachen kann, ist uralte Menschheits-Erfahrung" (ebd.). | Nun wird von anthroposophischen Auslegern klar gesagt, daß für sie die biblische "Grundtradition" nicht der ausschlaggebende Maßstab zur Prüfung neuer "Offenbarungen", "Anschauungen" oder "Vorstellungen" ist. "Es kommt schließlich nicht darauf an, ob eine Vorstellung 'platonisch' oder 'biblisch', sondern ob sie 'richtig' ist", schreibt etwa R. Frieling (1974, 53). Als ''"richtig"'' gilt eine Vorstellung, wenn sie durch die ''"Menschheits-Erfahrung"'' gesichert ist, was Frieling am Beispiel außerkörperlicher Zustände beweisen will: "Daß die Seele sich auch schon vor dem Tode mehr oder weniger vom Erdenkörper freimachen kann, ist uralte Menschheits-Erfahrung" (ebd.). | ||