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=== Die Entmythologisierung und existentiale Interpretation der Bibel als Voraussetzung === | === Die Entmythologisierung und existentiale Interpretation der Bibel als Voraussetzung === | ||
Hier ist stellvertretend sein großes zweibändiges Werk "Tiefenpsychologie und Exegese" zu nennen, das in den Jahren 1984 und 1985 erschien. In diesem Werk strebte er das an, was er in einem Brief an Erzbischof Degenhardt vom 2.5.1991 so beschrieb: <blockquote>"Verstehen Sie, Herr Erzbischof, das ´Bedenkliche' meiner Theologie liegt nicht in einem Widerspruch zu bestimmten Lehrinhalten, die Sache steht weit schlimmer, oder besser: Was ich möchte, ist nicht mehr und nicht weniger als eine grundlegende Veränderung der gesamten Art und Weise, wie heute Theologie betrieben wird; ich möchte dies aber aus Glauben, nicht aus Glaubenslosigkeit? (WEG, S. 301).</blockquote>Drewermanns Deutungen setzen die [[Entmythologisierung]] und [[existentiale Interpretation]] des Neutestamentlers [[Bultmann, Rudolf|Rudolf Bultmann]] voraus (s. dort). Im Anschluss an Bultmann kann Drewermann schreiben: <blockquote>"Aber andererseits ist die Erkenntnis an sich nicht mehr rück-gängig zu machen, dass es im Neuen Testament - und eben-so im Alten Testament - in der Tat zahlreiche Erzählungen gibt, die sich bereits durch ihre Form als Mythen, Legenden und Novellen in historischem Sinne 'verdächtig' machen und ein Material enthalten, das zahlreiche Analogien zu anderen Religionen aufweist und jedenfalls viel zu schematisiert ist, als dass es in dieser Weise ein wirkliches historisches Geschehen wiederzugeben vermöchte ... Die historisch-kritische Methode hatte darin vollkommen recht, die Mythen und Le-genden in ihrer äußeren Gestalt auch in der Bibel zu zerstö-ren, indem sie ihre mangelnde Historizität nachwies; ein äusseres Festhalten an den Themen der Mythen und Legen-den in einem missverstandenen historischen Sinne liefe in der Tat auf eine bornierte Starre, auf eine krampfhafte Ver-leugnung der besten Einsichten des 19. Jahrhunderts hin-aus? (TuE I, S. 94.96). </blockquote>Andererseits übt Drewermann an der historisch-kritischen Methode scharfe Kritik. Er überschreibt ein einleitendes Kapitel zu "Tiefenpsychologie und Exegese" mit den Worten:<blockquote>"Vom religiösen Irrweg der historisch-kritischen Methode" (TuE I, S. 23). Sie ist seines Erachtens ein Irrweg, weil sie nur "die äußerlichste und oberflächlichste aller Fragen" stellt, nämlich die nach dem Maß historischer Wirklichkeit in den einzelnen biblischen Überlieferungen. Bei diesem Fragen in die Vergangenheit geht die Gegenwartsbedeu-tung der Texte verloren. Bei dem "Erdrutsch des Historismus" droht sich „Religion in historische Religionswis-senschaft, Glauben in Glaubenskunde, Theologie in Archäologie" zu verwandeln (TuE I, S. 23.37). Drewermann fragt: "Wie kann man die sogenannte historisch-kritische Methode von ihrem Auslegungsmonopol erlösen? Wie lässt sich eine Methode der Schriftauslegung finden, die nach der zweifellos notwendigen historischen Absicherung die eigentlich theolo-gische Aussage bestimmt?" (TuE I, S. 27).</blockquote> | Hier ist stellvertretend sein großes zweibändiges Werk "Tiefenpsychologie und Exegese" zu nennen, das in den Jahren 1984 und 1985 erschien. In diesem Werk strebte er das an, was er in einem Brief an Erzbischof Degenhardt vom 2.5.1991 so beschrieb: <blockquote>"Verstehen Sie, Herr Erzbischof, das ´Bedenkliche' meiner Theologie liegt nicht in einem Widerspruch zu bestimmten Lehrinhalten, die Sache steht weit schlimmer, oder besser: Was ich möchte, ist nicht mehr und nicht weniger als eine grundlegende Veränderung der gesamten Art und Weise, wie heute Theologie betrieben wird; ich möchte dies aber aus Glauben, nicht aus Glaubenslosigkeit? (WEG, S. 301).</blockquote>Drewermanns Deutungen setzen die [[Entmythologisierung]] und [[existentiale Interpretation]] des Neutestamentlers [[Bultmann, Rudolf|Rudolf Bultmann]] voraus (s. dort). Im Anschluss an Bultmann kann Drewermann schreiben: <blockquote>"Aber andererseits ist die Erkenntnis an sich nicht mehr rück-gängig zu machen, dass es im Neuen Testament - und eben-so im Alten Testament - in der Tat zahlreiche Erzählungen gibt, die sich bereits durch ihre Form als Mythen, Legenden und Novellen in historischem Sinne 'verdächtig' machen und ein Material enthalten, das zahlreiche Analogien zu anderen Religionen aufweist und jedenfalls viel zu schematisiert ist, als dass es in dieser Weise ein wirkliches historisches Geschehen wiederzugeben vermöchte ... Die historisch-kritische Methode hatte darin vollkommen recht, die Mythen und Le-genden in ihrer äußeren Gestalt auch in der Bibel zu zerstö-ren, indem sie ihre mangelnde Historizität nachwies; ein äusseres Festhalten an den Themen der Mythen und Legen-den in einem missverstandenen historischen Sinne liefe in der Tat auf eine bornierte Starre, auf eine krampfhafte Ver-leugnung der besten Einsichten des 19. Jahrhunderts hin-aus? (TuE I, S. 94.96). </blockquote>Andererseits übt Drewermann an der historisch-kritischen Methode scharfe Kritik. Er überschreibt ein einleitendes Kapitel zu "Tiefenpsychologie und Exegese" mit den Worten:<blockquote>"Vom religiösen Irrweg der historisch-kritischen Methode" (TuE I, S. 23). Sie ist seines Erachtens ein Irrweg, weil sie nur "die äußerlichste und oberflächlichste aller Fragen" stellt, nämlich die nach dem Maß historischer Wirklichkeit in den einzelnen biblischen Überlieferungen. Bei diesem Fragen in die Vergangenheit geht die Gegenwartsbedeu-tung der Texte verloren. Bei dem "Erdrutsch des [[Historismus]]" droht sich „Religion in historische Religionswis-senschaft, Glauben in Glaubenskunde, Theologie in Archäologie" zu verwandeln (TuE I, S. 23.37). Drewermann fragt: "Wie kann man die sogenannte historisch-kritische Methode von ihrem Auslegungsmonopol erlösen? Wie lässt sich eine Methode der Schriftauslegung finden, die nach der zweifellos notwendigen historischen Absicherung die eigentlich theolo-gische Aussage bestimmt?" (TuE I, S. 27).</blockquote> | ||
=== Die tiefenpsychologische Interpretation als Lösungsmodell: === | === Die tiefenpsychologische Interpretation als Lösungsmodell: === | ||