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Die neuen Apostel wandten sich seit 1835 mit verschiedenen Aufrufen ("Testimonium") an geistliche und weltliche Führer der Erde, um auf die Endzeit, die zu erstrebende Einheit und Sammlung der Christen und das dazu dienliche wiederaufgerichtete Apostelamt hinzuweisen. Die Resonanz bei den Adressaten war äußerst gering, die Reaktion fast durchweg ablehnend, da keiner (schon gar nicht der Papst) bereit war, die Autorität dieser Männer als "Apostel" anzuerkennen. Nachfolgend zur Illustration ein Ausschnitt aus dem "Zeugnis der Apostel an die geistlichen und weltlichen Häupter der Christenheit" aus dem Jahre 1836:<blockquote>"Und schon hat Er (Gott) sich aufgemacht, Sein Heiligtum wieder zu bauen, die zerfallene Hütte Davids, Seinen Wohnsitz in Zion. Von da geht Sein Zeugnis an alle Getauften, ausgerichtet von zwölf Männern, die durch den Heiligen Geist zu Aposteln berufen und aus den Orten ihrer Geburt ausgesondert worden sind für den Dienst Christi in allen Landen. Ihr Amt wird es sein, durch den Glauben und das anhaltende Gebet des Volkes Gottes allen Getauften den Segen auszuspenden, den Jesus, der Apostel Seiner Kirche, durch Apostel geben möchte ... Dies ist keine neue Sekte: es ist Gottes Werk, um Seinen Segen der ganzen Christenheit, der ganzen getauften Welt, mitzuteilen ... In der ganzen Christenheit, Gesetzlosigkeit: hier Unterwerfung unter die Autorität; außerhalb, Spaltung und Sekten: hier Ein Leib, einig im Glauben, mit Lehrern, die einmütig dasselbe lehren. Draußen, Schulen des Antichrists unter dem Vorsitz von Häuptern, die sich das Volk selbst erwählt hat: hier, Ein Leib, regiert durch Ämter, die nicht vom Volke eingesetzt, sondern von Gott gegeben sind."</blockquote> | Die neuen Apostel wandten sich seit 1835 mit verschiedenen Aufrufen ("Testimonium") an geistliche und weltliche Führer der Erde, um auf die Endzeit, die zu erstrebende Einheit und Sammlung der Christen und das dazu dienliche wiederaufgerichtete Apostelamt hinzuweisen. Die Resonanz bei den Adressaten war äußerst gering, die Reaktion fast durchweg ablehnend, da keiner (schon gar nicht der Papst) bereit war, die Autorität dieser Männer als "Apostel" anzuerkennen. Nachfolgend zur Illustration ein Ausschnitt aus dem "Zeugnis der Apostel an die geistlichen und weltlichen Häupter der Christenheit" aus dem Jahre 1836:<blockquote>"Und schon hat Er (Gott) sich aufgemacht, Sein Heiligtum wieder zu bauen, die zerfallene Hütte Davids, Seinen Wohnsitz in Zion. Von da geht Sein Zeugnis an alle Getauften, ausgerichtet von zwölf Männern, die durch den Heiligen Geist zu Aposteln berufen und aus den Orten ihrer Geburt ausgesondert worden sind für den Dienst Christi in allen Landen. Ihr Amt wird es sein, durch den Glauben und das anhaltende Gebet des Volkes Gottes allen Getauften den Segen auszuspenden, den Jesus, der Apostel Seiner Kirche, durch Apostel geben möchte ... Dies ist keine neue Sekte: es ist Gottes Werk, um Seinen Segen der ganzen Christenheit, der ganzen getauften Welt, mitzuteilen ... In der ganzen Christenheit, Gesetzlosigkeit: hier Unterwerfung unter die Autorität; außerhalb, Spaltung und Sekten: hier Ein Leib, einig im Glauben, mit Lehrern, die einmütig dasselbe lehren. Draußen, Schulen des Antichrists unter dem Vorsitz von Häuptern, die sich das Volk selbst erwählt hat: hier, Ein Leib, regiert durch Ämter, die nicht vom Volke eingesetzt, sondern von Gott gegeben sind."</blockquote> | ||
== | == Aussterben der Apostel und Krise == | ||
1855 starben innerhalb kurzer Zeit drei der ersten "Apostel der Neuzeit": Thomas Carlyle, William Dow und Duncan MacKenzie. Das war für die Katholisch-Apostolische Kirche eine Überraschung - hatte man doch zunächst noch die Wiederkunft Christi zu Lebzeiten aller Apostel erwartet. Nun aber stellte sich die Frage, ob man neue Apostel in diese Ämter berufen solle, und man entschied bereits damals bei den Katholisch-Apostolischen, keine neuen Apostel zu berufen. Die Bewegung, die das jedoch tat, war die spätere Neuapostolische Kirche mit ihren Vorläufer-Gruppen (Geyerianer; s. dort). Man berief deshalb keine neuen Apostel, weil man die Wiederkunft Jesu Christi noch zu Lebzeiten zumindest der letzten katholisch-apostolischen Apostel erwartete. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Im Jahre 1901 starb als letzter "Apostel der Neuzeit" innerhalb der Katholisch-Apostolische Kirche Francis Valentine Woodhouse. In den Jahrzehnten darauf starben nacheinander die letzten Bischöfe, Priester und Diakone. Im Zusammenhang damit ist die Zahl der katholisch-apostolischen Gemeinden immer mehr zurückgegangen. Die ökumenische Breitenwirkung, die von ihren Gründern angestrebt worden war, wurde nicht erreicht. Die Katholisch-Apostolische Kirche wurde infolge der überwiegenden Nichtanerkennung ihrer Apostel immer mehr in ein sektiererisches Nischendasein gedrängt. Heute treffen sich Mitglieder und Besucher der Katholisch-Apostolische Kirche noch in kleinen Gruppen an verschiedenen Orten. Oft nehmen sie auch an Gottesdiensten anderer Kirchen teil, um etwa das Abendmahl zu empfangen. | 1855 starben innerhalb kurzer Zeit drei der ersten "Apostel der Neuzeit": Thomas Carlyle, William Dow und Duncan MacKenzie. Das war für die Katholisch-Apostolische Kirche eine Überraschung - hatte man doch zunächst noch die Wiederkunft Christi zu Lebzeiten aller Apostel erwartet. Nun aber stellte sich die Frage, ob man neue Apostel in diese Ämter berufen solle, und man entschied bereits damals bei den Katholisch-Apostolischen, keine neuen Apostel zu berufen. Die Bewegung, die das jedoch tat, war die spätere Neuapostolische Kirche mit ihren Vorläufer-Gruppen (Geyerianer; s. dort). Man berief deshalb keine neuen Apostel, weil man die Wiederkunft Jesu Christi noch zu Lebzeiten zumindest der letzten katholisch-apostolischen Apostel erwartete. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Im Jahre 1901 starb als letzter "Apostel der Neuzeit" innerhalb der Katholisch-Apostolische Kirche Francis Valentine Woodhouse. In den Jahrzehnten darauf starben nacheinander die letzten Bischöfe, Priester und Diakone. Im Zusammenhang damit ist die Zahl der katholisch-apostolischen Gemeinden immer mehr zurückgegangen. Die ökumenische Breitenwirkung, die von ihren Gründern angestrebt worden war, wurde nicht erreicht. Die Katholisch-Apostolische Kirche wurde infolge der überwiegenden Nichtanerkennung ihrer Apostel immer mehr in ein sektiererisches Nischendasein gedrängt. Heute treffen sich Mitglieder und Besucher der Katholisch-Apostolische Kirche noch in kleinen Gruppen an verschiedenen Orten. Oft nehmen sie auch an Gottesdiensten anderer Kirchen teil, um etwa das Abendmahl zu empfangen. | ||
== | == Beurteilung == | ||
Die [[Katholisch-Apostolische Kirche]] ist - trotz ihres ursprünglichen ökumenischen Anspruchs - als Sekte zu werten. Der Hauptgrund für dieses Urteil ist ihre Ernennung neuer Apostel gegen die Lehre der Heiligen Schrift, welche Apostel nur für die ersten Gemeinden in der Urchristenheit und nicht für spätere Zeitepochen kennt (Apostel). Als weitere Gründe sind mancherlei Sonderlehren und nicht eingetroffene "Prophezeiungen" zu nennen (Falsche Propheten). | Die [[Katholisch-Apostolische Kirche]] ist - trotz ihres ursprünglichen ökumenischen Anspruchs - als Sekte zu werten. Der Hauptgrund für dieses Urteil ist ihre Ernennung neuer Apostel gegen die Lehre der Heiligen Schrift, welche Apostel nur für die ersten Gemeinden in der Urchristenheit und nicht für spätere Zeitepochen kennt (Apostel). Als weitere Gründe sind mancherlei Sonderlehren und nicht eingetroffene "Prophezeiungen" zu nennen (Falsche Propheten). | ||
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== Literaturhinweise == | == Literaturhinweise == | ||
A. Schröter, Die Katholisch-Apostolischen Gemeinden in Deutschland und der "Fall Geyer", Dissertation, Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg 1996 | A. Schröter, Die Katholisch-Apostolischen Gemeinden in Deutschland und der "Fall Geyer", Dissertation, Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg 1996 | ||
C. G. Strachan., The Pentecostal Theology of Edward Irving, Peabody/Mass. 1988 | |||
A. Weber, Die Katholisch-Apostolischen Gemeinden. Ein Beitrag zur Erforschung ihrer charismatischen Erfahrung und Theologie, Inauguraldissertation, Philipps-Universität Marburg/Lahn 1977 | |||
L. Gassmann, Neuapostolische Kirche. Gibt es wieder Apostel?, Lage 2001. | |||
== Einzelhinweise und Quellen == | == Einzelhinweise und Quellen == | ||