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Katholisch-Apostolische Kirche: Unterschied zwischen den Versionen

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(griech. ''katholikos'' = allumfassend, apostolos = Apostel) oder Irvingianer (nach Edward Irving; s.u.):
(griech. ''katholikos'' = allumfassend, apostolos = Apostel) oder Irvingianer (nach [[Irving, Edward|Edward Irving]]; s.u.):


Aus einer Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert hervorgegangene Kirchengründung mit der Betonung von "Geistesgaben" und der Ernennung neuer "Apostel". Aus einer Abspaltung (Geyerianer) aus der Katholisch-Apostolische Kirche ist die Neuapostolische Kirche hervorgegangen. Die Katholisch-Apostolische Kirche möchte allerdings mit der von ihr als Sekte gesehenen Neuapostolischen Kirche nicht in Verbindung gebracht werden.
Aus einer Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert hervorgegangene Kirchengründung mit der Betonung von "Geistesgaben" und der Ernennung neuer "Apostel". Aus einer Abspaltung ([[Geyerianer]]) aus der Katholisch-Apostolische Kirche ist die [[Neuapostolische Kirche]] hervorgegangen. Die Katholisch-Apostolische Kirche möchte allerdings mit der von ihr als [[Sekte]] gesehenen Neuapostolischen Kirche nicht in Verbindung gebracht werden.


== Erweckung in England, Schottland und Deutschland ==
== Erweckung in England, Schottland und Deutschland ==
Worum handelt es sich bei der Katholisch-Apostolische Kirche? Ihre Geschichte begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Hervortreten vergessener Charismata (Gnadengaben, Geistesgaben). 1820/21 gab ein Geistlicher der anglikanischen Kirche zwei Schriften heraus, die zu Gebetsversammlungen an einem bestimmten Tag der Woche für eine besondere Ausgießung des Heiligen Geistes aufriefen. Man erstrebte also eine Art "charismatische Erneuerung". Der Verfasser hieß James Haldane Stewart (1776-1854), und seine Schriften waren wohl die Auslöser für viele der nachfolgenden Ereignisse. Die erste Schrift trug den Titel "Hints for a general union for prayer for the outpouring of the Holy Ghost" ("Hilfeleistungen für eine Generalvereinigung zum Gebet für das Ausschütten des Heiligen Geistes"). 1820 veröffentlicht, erreichte diese Schrift in vier Jahren in England, Schottland und Irland 322.000 Exemplare Auflage. Die weitere Schrift von ihm "Thoughts on the Importance of special Prayer for the general outpouring of the Holy Ghost" ("Gedanken über die Bedeutung des speziellen Gebetes für die allgemeine Ausschüttung des Heiligen Geistes") erschien erstmals 1821 mit einer etwas geringeren Auflage von 89.000 Exemplaren in den Folgejahren. Viele Menschen haben diese Schriften gelesen und wurden dadurch zu Gebetsversammlungen veranlasst, um eine neue Ausschüttung des Heiligen Geistes und der Geistesgaben zu erbitten. Diese Gebete wurden sehr bald erhört. Bereits in den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts kam es an drei Hauptschauplätzen zu "Geistesaufbrüchen", und zwar mit den Gaben der Prophetie, Weissagung, Glossolalie (Zungenreden) und Krankenheilung. Der erste Hauptschauplatz war seit 1828 die kleine römisch-katholische Gemeinde Karlshuld auf dem Donaumoos in Bayern/Deutschland. Der zweite lag seit 1830 im westlichen Schottland, im Kreis reformierter Christen, der dritte in London ab 1831, wo häusliche Gebetsversammlungen in anglikanischen Kreisen stattfanden.
Worum handelt es sich bei der Katholisch-Apostolische Kirche? Ihre Geschichte begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Hervortreten vergessener Charismata (Gnadengaben, Geistesgaben). 1820/21 gab ein Geistlicher der anglikanischen Kirche zwei Schriften heraus, die zu Gebetsversammlungen an einem bestimmten Tag der Woche für eine besondere Ausgießung des Heiligen Geistes aufriefen. Man erstrebte also eine Art "charismatische Erneuerung". Der Verfasser hieß James Haldane Stewart (1776-1854), und seine Schriften waren wohl die Auslöser für viele der nachfolgenden Ereignisse. Die erste Schrift trug den Titel "Hints for a general union for prayer for the outpouring of the Holy Ghost" ("Hilfeleistungen für eine Generalvereinigung zum Gebet für das Ausschütten des Heiligen Geistes"). 1820 veröffentlicht, erreichte diese Schrift in vier Jahren in England, Schottland und Irland 322.000 Exemplare Auflage. Die weitere Schrift von ihm "Thoughts on the Importance of special Prayer for the general outpouring of the Holy Ghost" ("Gedanken über die Bedeutung des speziellen Gebetes für die allgemeine Ausschüttung des Heiligen Geistes") erschien erstmals 1821 mit einer etwas geringeren Auflage von 89.000 Exemplaren in den Folgejahren. Viele Menschen haben diese Schriften gelesen und wurden dadurch zu Gebetsversammlungen veranlasst, um eine neue Ausschüttung des Heiligen Geistes und der Geistesgaben zu erbitten. Diese Gebete wurden sehr bald erhört. Bereits in den Zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts kam es an drei Hauptschauplätzen zu "Geistesaufbrüchen", und zwar mit den Gaben der Prophetie, Weissagung, Glossolalie ([[Zungenreden]]) und Krankenheilung. Der erste Hauptschauplatz war seit 1828 die kleine römisch-katholische Gemeinde Karlshuld auf dem Donaumoos in Bayern/Deutschland. Der zweite lag seit 1830 im westlichen Schottland, im Kreis reformierter Christen, der dritte in London ab 1831, wo häusliche Gebetsversammlungen in anglikanischen Kreisen stattfanden.


Diese drei Wurzeln:
Diese drei Wurzeln:
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Die anderen "Aufbrüche" fanden in Schottland und England statt. Über den schottischen Aufbruch heisst es in der "Geschichte der Neuapostolischen Kirche" (S. 16):<blockquote>"Ein einfacher Zimmermann in Schottland, Jakob Grubb, war es, durch den Gott sprach ..."</blockquote>Durch seine Handauflegungen und Inspirationen kamen andere mit diesem Geist in Berührung. Jakob Grubb<blockquote>"sprach vom Kommen des Herrn, und davon, dass er vorher noch eine besondere Arbeit in seiner Kirche verrichten wolle".</blockquote>Er sprach<blockquote>"von einem scheinenden Licht, das sie erleuchten würde, von einer Wolke, die wie eine Menschenhand aussähe und die anwachsen solle, um alles zu bedecken."</blockquote>Nicht weit von der Hütte Grubbs entfernt lebte die Familie Campbell. Der Vater Campbell war ein Geistlicher und hatte zwei Töchter. Die ältere Tochter hieß Isabell. Diese wurde wie eine Heilige verehrt. Menschen pilgerten zu ihr hin. Es gab offensichtlich auch da schon besondere Gaben und Erscheinungen. Isabell ist allerdings früh an Tuberkulose verstorben. Der Geist und die Verehrung gingen dann auf ihre Schwester Mary über. Beide Mädchen hatten die "Gabe der Weissagung" besessen und Visionen und Gesichte gehabt, ebenso die schottische Familie MacDonald. In allen diesen Familien traten die Gaben der Weissagung, der Heilung und des Zungenredens auf. Sie sahen sich als vom Heiligen Geist erfüllt und inspiriert an ("Inspirierte").
Die anderen "Aufbrüche" fanden in Schottland und England statt. Über den schottischen Aufbruch heisst es in der "Geschichte der Neuapostolischen Kirche" (S. 16):<blockquote>"Ein einfacher Zimmermann in Schottland, Jakob Grubb, war es, durch den Gott sprach ..."</blockquote>Durch seine Handauflegungen und Inspirationen kamen andere mit diesem Geist in Berührung. Jakob Grubb<blockquote>"sprach vom Kommen des Herrn, und davon, dass er vorher noch eine besondere Arbeit in seiner Kirche verrichten wolle".</blockquote>Er sprach<blockquote>"von einem scheinenden Licht, das sie erleuchten würde, von einer Wolke, die wie eine Menschenhand aussähe und die anwachsen solle, um alles zu bedecken."</blockquote>Nicht weit von der Hütte Grubbs entfernt lebte die Familie Campbell. Der Vater Campbell war ein Geistlicher und hatte zwei Töchter. Die ältere Tochter hieß Isabell. Diese wurde wie eine Heilige verehrt. Menschen pilgerten zu ihr hin. Es gab offensichtlich auch da schon besondere Gaben und Erscheinungen. Isabell ist allerdings früh an Tuberkulose verstorben. Der Geist und die Verehrung gingen dann auf ihre Schwester Mary über. Beide Mädchen hatten die "Gabe der Weissagung" besessen und Visionen und Gesichte gehabt, ebenso die schottische Familie MacDonald. In allen diesen Familien traten die Gaben der Weissagung, der Heilung und des Zungenredens auf. Sie sahen sich als vom Heiligen Geist erfüllt und inspiriert an ("Inspirierte").


Diese Ereignisse verursachten großes Aufsehen bis nach London. In der Nähe von London gab es seit 1826 die Albury-Konferenzen, benannt nach dem Schloss und Sitz des englischen Bankiers Henry Drummond. Dort hatte man auch schon um die Wiederbelebung der urchristlichen Geistesgaben gebetet. Um die Phänomene zu untersuchen, reisten Teilnehmer der Albury-Konferenzen nach Schottland und sagten danach:<blockquote>"Hier sind die gleichen Gaben nach 1. Korinther 12 und 14 wie in der Urkirche - Glossolalie, Krankenheilungen und Weissagungen und ähnliches."</blockquote>Alles das geschah wohlbemerkt fast ein Jahrhundert vor Beginn der Pfingstbewegung.
Diese Ereignisse verursachten großes Aufsehen bis nach London. In der Nähe von London gab es seit 1826 die Albury-Konferenzen, benannt nach dem Schloss und Sitz des englischen Bankiers Henry Drummond. Dort hatte man auch schon um die Wiederbelebung der urchristlichen Geistesgaben gebetet. Um die Phänomene zu untersuchen, reisten Teilnehmer der Albury-Konferenzen nach Schottland und sagten danach:<blockquote>"Hier sind die gleichen Gaben nach 1. Korinther 12 und 14 wie in der Urkirche - Glossolalie, Krankenheilungen und Weissagungen und ähnliches."</blockquote>Alles das geschah wohlbemerkt fast ein Jahrhundert vor Beginn der [[Pfingstbewegung]].


Welche "Prophezeiungen" gab es denn in Karlshuld und Schottland? Über die Ereignisse in Karlshuld im Jahre 1828 findet sich folgende Schilderung:<blockquote>"Zwei Personen (ein Mann und eine Frau) bekamen prophetische Gaben, und folgende Punkte waren es vorzüglich, die sehr oft gesagt wurden: Der Herr wolle jetzt Seine Kirche wiederherstellen wie am Anfange: dieses Heiles und Segens werde Er Protestanten, Katholiken u. a. ohne Unterschied teilhaftig machen; Er werde wieder Apostel geben und Propheten, wie am Anfange...",</blockquote>so in einem Brief von Lutz an den katholisch-apostolischen Professor Heinrich Thiersch in Marburg vom 3.2.1852. Über "Prophezeiungen" in Schottland berichtet R. Norton in seinem Buch "The Restoration of Apostles And Prophets" aus dem Jahre 1861 (S. 20 ff.):<blockquote>"Die Zeit ist kurz. Die Zeit ist nahe. Gott kommt näher. Der gelobte Morgen kommt."</blockquote>Und eine andere "Prophezeiung" lautete:<blockquote>"Ich erinnere mich an das Rufen im Geist, 'Sende uns Apostel, - sende uns Apostel.'"</blockquote>Die "Prophezeiungen" waren also ganz deutlich verbunden mit dem Ruf nach Aposteln, nach der Wiederherstellung der Urkirche in ihrer völligen Gestalt mit allen damaligen Ämtern.
Welche "Prophezeiungen" gab es denn in Karlshuld und Schottland? Über die Ereignisse in Karlshuld im Jahre 1828 findet sich folgende Schilderung:<blockquote>"Zwei Personen (ein Mann und eine Frau) bekamen prophetische Gaben, und folgende Punkte waren es vorzüglich, die sehr oft gesagt wurden: Der Herr wolle jetzt Seine Kirche wiederherstellen wie am Anfange: dieses Heiles und Segens werde Er Protestanten, Katholiken u. a. ohne Unterschied teilhaftig machen; Er werde wieder Apostel geben und Propheten, wie am Anfange...",</blockquote>so in einem Brief von Lutz an den katholisch-apostolischen Professor Heinrich Thiersch in Marburg vom 3.2.1852. Über "Prophezeiungen" in Schottland berichtet R. Norton in seinem Buch "The Restoration of Apostles And Prophets" aus dem Jahre 1861 (S. 20 ff.):<blockquote>"Die Zeit ist kurz. Die Zeit ist nahe. Gott kommt näher. Der gelobte Morgen kommt."</blockquote>Und eine andere "Prophezeiung" lautete:<blockquote>"Ich erinnere mich an das Rufen im Geist, 'Sende uns Apostel, - sende uns Apostel.'"</blockquote>Die "Prophezeiungen" waren also ganz deutlich verbunden mit dem Ruf nach Aposteln, nach der Wiederherstellung der Urkirche in ihrer völligen Gestalt mit allen damaligen Ämtern.
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Irving hatte mit der Kirchenleitung bereits ab 1827 Probleme bekommen. Er war Mitglied der schottisch-presbyterianischen Kirche, die einen strengen Calvinismus vertrat. Seine Christologie sei häretisch (eine Irrlehre) , warf ihm seine Kirche vor. Im Oktober 1827 kam ein Mann in seine Sakristei und fragte ihn, "ob er in seiner Predigt den menschlichen Leib des Herrn als von sündlicher Substanz bezeichnet habe, ob er glaube, dass der Leib des Sohnes Gottes sterblich, verderbt und vergänglich, wie jeder Menschenleib, gewesen sei?" Und als er das bejaht hatte, erschien kurz darauf eine Schrift von eben diesem Mann namens Cole, der ihn öffentlich dieser Irrlehre beschuldigte. Irving musste antworten mit der Verteidigungsbroschüre "Christi Heiligkeit im Fleisch".
Irving hatte mit der Kirchenleitung bereits ab 1827 Probleme bekommen. Er war Mitglied der schottisch-presbyterianischen Kirche, die einen strengen Calvinismus vertrat. Seine Christologie sei häretisch (eine Irrlehre) , warf ihm seine Kirche vor. Im Oktober 1827 kam ein Mann in seine Sakristei und fragte ihn, "ob er in seiner Predigt den menschlichen Leib des Herrn als von sündlicher Substanz bezeichnet habe, ob er glaube, dass der Leib des Sohnes Gottes sterblich, verderbt und vergänglich, wie jeder Menschenleib, gewesen sei?" Und als er das bejaht hatte, erschien kurz darauf eine Schrift von eben diesem Mann namens Cole, der ihn öffentlich dieser Irrlehre beschuldigte. Irving musste antworten mit der Verteidigungsbroschüre "Christi Heiligkeit im Fleisch".


Irvings Christologie ist tatsächlich so beschaffen, dass er sehr stark die Menschlichkeit Jesu betont, kaum die Göttlichkeit. Er betrachtet Christus als Repräsentanten der Menschheit, der uns alle verkörpere. Christus sei nur deshalb Christus, weil in ihm der Geist Gottes wohne. Die >Geistestaufe mache ihn zu dem, der er sei - und diese könnten wir auch alle erlangen. Irvings Geistbegriff besagt, dass der Geist Gottes die menschliche Natur Christi erfüllt und ihn dadurch zu übernatürlichen Taten befähigt habe. Christus habe das vorweggenommen, was nun jeder Mensch erlangen könne, wenn auch nicht in der Vollkommenheit wie Christus. Irvings Christologie - so möchte ich an dieser Stelle anmerken - ist zwar nicht repräsentativ für die Christologie der Katholisch-Apostolische Kirche, auch nicht der Neuapostolischen Kirche und auch nicht der Pfingstbewegung, aber eine Schwerpunktverlagerung von der Bedeutung Jesu Christi auf die Bedeutung des Heiligen Geistes ist bei all diesen - in sich unterschiedlichen - Gruppen festzustellen.
Irvings Christologie ist tatsächlich so beschaffen, dass er sehr stark die Menschlichkeit Jesu betont, kaum die Göttlichkeit. Er betrachtet Christus als Repräsentanten der Menschheit, der uns alle verkörpere. Christus sei nur deshalb Christus, weil in ihm der Geist Gottes wohne. Die >Geistestaufe mache ihn zu dem, der er sei - und diese könnten wir auch alle erlangen. Irvings Geistbegriff besagt, dass der Geist Gottes die menschliche Natur Christi erfüllt und ihn dadurch zu übernatürlichen Taten befähigt habe. Christus habe das vorweggenommen, was nun jeder Mensch erlangen könne, wenn auch nicht in der Vollkommenheit wie Christus. Irvings Christologie - so möchte ich an dieser Stelle anmerken - ist zwar nicht repräsentativ für die Christologie der Katholisch-Apostolische Kirche, auch nicht der [[Neuapostolischen Kirche]] und auch nicht der [[Pfingstbewegung]], aber eine Schwerpunktverlagerung von der Bedeutung Jesu Christi auf die Bedeutung des Heiligen Geistes ist bei all diesen - in sich unterschiedlichen - Gruppen festzustellen.


Als Irving im Mai 1828 in Edinburgh/Schottland, in seiner Heimat, weilte, lernte er den Geistlichen John Campbell kennen. Dieser John Campbell stammte aus der bereits erwähnten Familie Campbell aus Gairloch im Norden Schottlands. John Campbell hatte auch Probleme mit seiner Kirche und befürchtete, seines Amtes enthoben zu werden, was allerdings erst drei Jahre später, 1831, eintrat. Er lehrte die Ansicht, die gegen den strengen Calvinismus mit seiner doppelten Prädestinationslehre stand, nämlich dass Gott alle Menschen so liebe, dass er für alle seinen Sohn in den Tod gegeben habe. Da Christus für alle gestorben sei, könne er allen vergeben und sie vom Gericht freisprechen. Es existiere also keine Vorherbestimmung zum Heil oder zur Verdammnis, sondern Gottes Liebe gelte universal (>Allversöhnung oder Heilsuniversalismus). Durch den Kontakt mit John Campbell und seiner Familie kam Irving auch mit den übernatürlichen Phänomenen in Berührung, die oben bereits erwähnt wurden.
Als Irving im Mai 1828 in Edinburgh/Schottland, in seiner Heimat, weilte, lernte er den Geistlichen John Campbell kennen. Dieser John Campbell stammte aus der bereits erwähnten Familie Campbell aus Gairloch im Norden Schottlands. John Campbell hatte auch Probleme mit seiner Kirche und befürchtete, seines Amtes enthoben zu werden, was allerdings erst drei Jahre später, 1831, eintrat. Er lehrte die Ansicht, die gegen den strengen Calvinismus mit seiner doppelten Prädestinationslehre stand, nämlich dass Gott alle Menschen so liebe, dass er für alle seinen Sohn in den Tod gegeben habe. Da Christus für alle gestorben sei, könne er allen vergeben und sie vom Gericht freisprechen. Es existiere also keine Vorherbestimmung zum Heil oder zur Verdammnis, sondern Gottes Liebe gelte universal (>Allversöhnung oder Heilsuniversalismus). Durch den Kontakt mit John Campbell und seiner Familie kam Irving auch mit den übernatürlichen Phänomenen in Berührung, die oben bereits erwähnt wurden.
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Und das führte zu Tumulten, Sensationsgier und Auseinandersetzungen in der Kirchengemeinde, in der Presbyterianischen Kirche und schließlich zur Amtsenthebung Irvings. Es kam es zum Prozess gegen Irving, weil er diese Vorkommnisse duldete. In der Anklage berief sich die Presbyterianische Kirche auf ihre Gottesdienst-Ordnung, in der es hieß:<blockquote>"Sobald der öffentliche Gottesdienst angefangen hat, hat jeder seine ganze Aufmerksamkeit darauf hinzurichten, darf nichts lesen, außer was der Geistliche verliest oder zitiert; er hat sich noch mehr vor allem Flüstern, allem Verkehr mit anderen u. s. w. und vor allem unpassenden Betragen, welches den Geistlichen oder das Volk stören oder sich und andere vom Gottesdienst abhalten könnte, zu hüten."</blockquote>Es soll also völlige Konzentration auf das Wort Gottes herrschen. Und wenn Tumulte entstanden und Irving Ursachen duldete, welche diese herbeiführten, musste er mit Konsequenzen rechnen.
Und das führte zu Tumulten, Sensationsgier und Auseinandersetzungen in der Kirchengemeinde, in der Presbyterianischen Kirche und schließlich zur Amtsenthebung Irvings. Es kam es zum Prozess gegen Irving, weil er diese Vorkommnisse duldete. In der Anklage berief sich die Presbyterianische Kirche auf ihre Gottesdienst-Ordnung, in der es hieß:<blockquote>"Sobald der öffentliche Gottesdienst angefangen hat, hat jeder seine ganze Aufmerksamkeit darauf hinzurichten, darf nichts lesen, außer was der Geistliche verliest oder zitiert; er hat sich noch mehr vor allem Flüstern, allem Verkehr mit anderen u. s. w. und vor allem unpassenden Betragen, welches den Geistlichen oder das Volk stören oder sich und andere vom Gottesdienst abhalten könnte, zu hüten."</blockquote>Es soll also völlige Konzentration auf das Wort Gottes herrschen. Und wenn Tumulte entstanden und Irving Ursachen duldete, welche diese herbeiführten, musste er mit Konsequenzen rechnen.


Ein zweites Argument gegen Irving war mehr theologisch-grundsätzlicher Natur: Die reformierte Westmister-Konfession hält daran fest, dass die Offenbarung Gottes in Form der Bibel vorliegt und als solche abgeschlossen ist, dass also keine neuen Offenbarungen notwendig sind (Neuoffenbarung).
Ein zweites Argument gegen Irving war mehr theologisch-grundsätzlicher Natur: Die reformierte Westmister-Konfession hält daran fest, dass die Offenbarung Gottes in Form der Bibel vorliegt und als solche abgeschlossen ist, dass also keine neuen Offenbarungen notwendig sind ([[Neuoffenbarung]]).


So heisst es:<blockquote>"Der ganze Rat Gottes ... ist entweder ausdrücklich in der Schrift niedergelegt oder kann durch rechte und genaue Folgerungen aus der Schrift abgeleitet werden; niemals und nirgends ist etwas dazu zu setzen weder durch neue Offenbarungen des Geistes, noch durch menschliche Traditionen."</blockquote>Irving hielt dagegen:<blockquote>"Wenn das das Werk des Geistes ist, wer könnte es hindern?" Und er warf der Kirchenleitung vor, sie stelle gar nicht die Frage, ob das jetzt der Geist Gottes wirke, sondern gehe mit Formgründen gegen ihn vor. Dem könne er sich nicht fügen. "Ist dies das Werk des Heiligen Geistes, die Stimme Jesu in seiner Kirche, wer bin ich, dass ich sie hindern könnte?"</blockquote>Irvings Verteidigung konnte seine Amtsenthebung nicht verhindern. Es kam zum Prozess. Im Mai 1832 wurde ihm untersagt, in der Kirche am Regent Square weiterhin lehren zu dürfen. Und dann, wenige Tage später, mietete er einen Saal in London, in dem auch der Utopist Robert Owen seine Vorträge gehalten hatte, mit 800 Plätzen. Er hielt von nun an dort seine Versammlungen ab - oder eben auf den Plätzen und Strassen Londons unter freiem Himmel. 1833 (nach den ersten Apostelberufungen; s.u.) wurde dann ein noch schwerwiegenderes Urteil über Irving gefällt, welches zu seinem Ausschluss aus der schottisch-presbyterianischen Kirche führte. Der Grund war seine bereits erwähnte Irrlehre über die menschliche Natur Christi. Irving lebte danach nur noch kurze Zeit. Im Herbst 1834, eineinhalb Jahre später, nachdem er vorher noch zum "Engel", also zum Bischof der apostolischen Gemeinde, ernannt worden war, ist er aufgezehrt von diesen Kämpfen mit 42 Jahren verstorben. Er wurde in der St. Mungos Kathedrale in Glasgow bestattet, wo über seiner Grabstätte auf einem Gemälde die Figur Johannes des Täufers mit dem Angesicht Edward Irvings dargestellt wurde - Johannes der Täufer, der Christus vorausgeht und ihn ankündigt.
So heisst es:<blockquote>"Der ganze Rat Gottes ... ist entweder ausdrücklich in der Schrift niedergelegt oder kann durch rechte und genaue Folgerungen aus der Schrift abgeleitet werden; niemals und nirgends ist etwas dazu zu setzen weder durch neue Offenbarungen des Geistes, noch durch menschliche Traditionen."</blockquote>Irving hielt dagegen:<blockquote>"Wenn das das Werk des Geistes ist, wer könnte es hindern?" Und er warf der Kirchenleitung vor, sie stelle gar nicht die Frage, ob das jetzt der Geist Gottes wirke, sondern gehe mit Formgründen gegen ihn vor. Dem könne er sich nicht fügen. "Ist dies das Werk des Heiligen Geistes, die Stimme Jesu in seiner Kirche, wer bin ich, dass ich sie hindern könnte?"</blockquote>Irvings Verteidigung konnte seine Amtsenthebung nicht verhindern. Es kam zum Prozess. Im Mai 1832 wurde ihm untersagt, in der Kirche am Regent Square weiterhin lehren zu dürfen. Und dann, wenige Tage später, mietete er einen Saal in London, in dem auch der Utopist Robert Owen seine Vorträge gehalten hatte, mit 800 Plätzen. Er hielt von nun an dort seine Versammlungen ab - oder eben auf den Plätzen und Strassen Londons unter freiem Himmel. 1833 (nach den ersten Apostelberufungen; s.u.) wurde dann ein noch schwerwiegenderes Urteil über Irving gefällt, welches zu seinem Ausschluss aus der schottisch-presbyterianischen Kirche führte. Der Grund war seine bereits erwähnte Irrlehre über die menschliche Natur Christi. Irving lebte danach nur noch kurze Zeit. Im Herbst 1834, eineinhalb Jahre später, nachdem er vorher noch zum "Engel", also zum Bischof der apostolischen Gemeinde, ernannt worden war, ist er aufgezehrt von diesen Kämpfen mit 42 Jahren verstorben. Er wurde in der St. Mungos Kathedrale in Glasgow bestattet, wo über seiner Grabstätte auf einem Gemälde die Figur Johannes des Täufers mit dem Angesicht Edward Irvings dargestellt wurde - Johannes der Täufer, der Christus vorausgeht und ihn ankündigt.
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Die Ergebnisse, welche die Albury-Konferenzen hervorbrachten, lassen sich in sechs Punkten zusammenfassen:
Die Ergebnisse, welche die Albury-Konferenzen hervorbrachten, lassen sich in sechs Punkten zusammenfassen:


# "Die gegenwärtige christliche Haushaltung (dispensation) [Epoche] wird nicht durch eine immer mehr zunehmende Kraft und Ausbreitung der Predigt des Evangeliums zuletzt unmerklich in das Gottesreich übergehen, sondern durch schwere Gerichte, die auf die Zerstörung des jetzigen Kirchen- und Staatswesens abzielen werden, in ähnlicher Weise endigen wie ehemals die jüdische Haushaltung." [Man kann diese Lehrmeinung als >prämillennialistischem Dispensationalismus kennzeichnen. Dieser vertritt eine Abstufung der Heilsgeschichte in Epochen, z.B.: Epoche der jüdischen Haushaltung - Epoche der christlichen Haushaltung - Epoche der Endzeit. Diese Ansicht tritt in Gegensatz zum Postmillennialismus, der das Kommen des Reiches durch die menschliche Leistung und Höherentwicklung erwartete. Hier aber geht es durch Gerichte hindurch; dann erst erfolgt die Wiederkunft Christi - und ganz am Ende richtet Christus selbst sein Reich auf.]
# "Die gegenwärtige christliche Haushaltung (dispensation) [Epoche] wird nicht durch eine immer mehr zunehmende Kraft und Ausbreitung der Predigt des Evangeliums zuletzt unmerklich in das Gottesreich übergehen, sondern durch schwere Gerichte, die auf die Zerstörung des jetzigen Kirchen- und Staatswesens abzielen werden, in ähnlicher Weise endigen wie ehemals die jüdische Haushaltung." [Man kann diese Lehrmeinung als >prämillennialistischem [[Dispensationalismus]] kennzeichnen. Dieser vertritt eine Abstufung der Heilsgeschichte in Epochen, z.B.: Epoche der jüdischen Haushaltung - Epoche der christlichen Haushaltung - Epoche der Endzeit. Diese Ansicht tritt in Gegensatz zum [[Postmillennialismus]], der das Kommen des Reiches durch die menschliche Leistung und Höherentwicklung erwartete. Hier aber geht es durch Gerichte hindurch; dann erst erfolgt die Wiederkunft Christi - und ganz am Ende richtet Christus selbst sein Reich auf.]
# "Im Verlaufe der auf die Christenheit herabtriefenden Gerichte werden die Juden ihrem Lande zurückgegeben und als Volk wiederhergestellt werden." [Auch diese Lehre besitzt eine biblische Grundlage. Die Erwartung hat sich inzwischen tatsächlich erfüllt: 1948 wurde der Staat Israel ausgerufen.]
# "Im Verlaufe der auf die Christenheit herabtriefenden Gerichte werden die Juden ihrem Lande zurückgegeben und als Volk wiederhergestellt werden." [Auch diese Lehre besitzt eine biblische Grundlage. Die Erwartung hat sich inzwischen tatsächlich erfüllt: 1948 wurde der Staat Israel ausgerufen.]
# "Die Gerichte aber ... beginnen bei dem Teile der Kirche, welcher bis dahin am meisten begünstigt war und darum auch am meisten verantwortlich ist." [Damit ist z.B. in England die Staatskirche gemeint.]
# "Die Gerichte aber ... beginnen bei dem Teile der Kirche, welcher bis dahin am meisten begünstigt war und darum auch am meisten verantwortlich ist." [Damit ist z.B. in England die Staatskirche gemeint.]
# "Auf die Gerichte wird eine Periode allgemeiner Glückseligkeit ... für die gesamte Menschheit, ja sogar für die Tiere folgen, die gemeinhin als das tausendjährige Reich (Millenium) bezeichnet wird." [Millennialismus oder Chiliasmus].
# "Auf die Gerichte wird eine Periode allgemeiner Glückseligkeit ... für die gesamte Menschheit, ja sogar für die Tiere folgen, die gemeinhin als das tausendjährige Reich (Millenium) bezeichnet wird." [Millennialismus oder [[Chiliasmus]]].
# "Die Parusie (´second advent`) (Wiederkunft) Christi geht dem tausendjährigen Reich voraus oder tritt zum Beginn desselben ein." [Prämillennialismus : Christus kommt wieder vor dem Millennium, vor dem Tausendjährigen Reich.]
# "Die Parusie (´second advent`) (Wiederkunft) Christi geht dem tausendjährigen Reich voraus oder tritt zum Beginn desselben ein." [<nowiki/>[[Prämillennialismus]] : Christus kommt wieder vor dem Millennium, vor dem Tausendjährigen Reich.]
# "Eine große (apokalyptische) Periode von 1260 Jahren, die unter der Regierung Justinians begann, ist zur Zeit der französischen Revolution abgelaufen; von dieser Zeit an begann die Ausschüttung der Zornschalen gemäss der Offenbarung Johannes; Christus wird bald erscheinen ..." [Hier hat man gerechnet. Man hat Justinian als Ausgangspunkt gesetzt und ist dann auf die Französische Revolution als Beginn der Endzeitgerichte gekommen. Dabei erwartet man Christus bald. Neue Apostel - so die spätere Ansicht - werden ihm den Weg bereiten, und Irving wird als Johannes der Täufer betrachtet, der Christus und seinen Aposteln vorangeht; s.o.]
# "Eine große (apokalyptische) Periode von 1260 Jahren, die unter der Regierung Justinians begann, ist zur Zeit der französischen Revolution abgelaufen; von dieser Zeit an begann die Ausschüttung der Zornschalen gemäss der Offenbarung Johannes; Christus wird bald erscheinen ..." [Hier hat man gerechnet. Man hat Justinian als Ausgangspunkt gesetzt und ist dann auf die Französische Revolution als Beginn der Endzeitgerichte gekommen. Dabei erwartet man Christus bald. Neue Apostel - so die spätere Ansicht - werden ihm den Weg bereiten, und Irving wird als Johannes der Täufer betrachtet, der Christus und seinen Aposteln vorangeht; s.o.]


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Wie kam es nun zur "ersten Apostelberufung der Neuzeit"? Die "charismatisch Erweckten" waren am Anfang der Dreißiger Jahre zunehmend aus ihren Kirchen ausgeschlossen wurden. Und nun geschah folgendes:
Wie kam es nun zur "ersten Apostelberufung der Neuzeit"? Die "charismatisch Erweckten" waren am Anfang der Dreißiger Jahre zunehmend aus ihren Kirchen ausgeschlossen wurden. Und nun geschah folgendes:


Henry Drummond wurde am 20. Oktober 1832 durch eine "Prophezeiung" zum "Hirten" der Gemeinde Albury berufen, die damals etwa fünfzig Personen zählte. Es war eine Art Hausgemeinde. Aber Drummond trat dieses Amt des Hirten nicht an, weil er überzeugt war, dass ihm noch die Ordination, die Amtseinsetzung durch Handauflegung (mit Geistübertragung) fehle. Nun geschah es aber, dass am 31. Oktober 1832 der Londoner Rechtsanwalt John Bate Cardale durch ein "prophetisches Wort" als "Apostel" angesprochen wurde. (Die Amtsbezeichnungen der Katholisch-Apostolische Kirche, ebenso wie der Neuapostolischen Kirche und ähnlicher Gemeinschaften, sind immer in Anführungsstrichen zu denken.) Cardale hatte gebetet, dass die Versammlung im Hause Drummonds angetan werde mit der Kraft aus der Höhe. "Während er da noch kniete, hingenommen im Geiste, erhob sich Drummond und redete ihn an mit unbeschreiblicher Macht und Würde: ´Bist du nicht ein Apostel! Warum spendest du nicht den Heiligen Geist?`" Der 30 jährige Londoner Rechtsanwalt Cardale wurde also 1832 zum ersten "Apostel der Neuzeit" oder "Endzeit" berufen - zunächst von seinem Freund Henry Drummond und dann bestätigt von dem späteren "Pfeilerpropheten" Taplin. Nun nahm die Geschichte ihren Lauf. Am Heiligabend 1832 ordinierte Cardale den Prediger William Caird (den Ehemann von Maria Campbell; s.o.) zum Evangelisten und zwei Tage später Henry Drummond zum Hirten. Dieser erhielt nun seine ersehnte Ordination, und damit begann der Aufbau einer priesterlichen Ämterordnung oder Hierarchie. Folgende weitere Männer wurden zu "Aposteln" berufen: am 25. September 1833 Henry Drummond; am 18. Dezember 1833 der königliche Beamte am Londoner Tower, Henry John King-Church; im gleichen Monat der Parlamentarier und Sohn eines englischen Staatsministers, Spencer Perceval; im Januar 1834 der ehemalige anglikanische Geistliche Nicholas Armstrong; am 13. August 1834 der Londoner Rechtsanwalt Francis Valentine Woodhouse (der längstlebende Apostel, der erst 1901, mit 96 Jahren, verstorben ist).
Henry Drummond wurde am 20. Oktober 1832 durch eine "Prophezeiung" zum "Hirten" der Gemeinde Albury berufen, die damals etwa fünfzig Personen zählte. Es war eine Art Hausgemeinde. Aber Drummond trat dieses Amt des Hirten nicht an, weil er überzeugt war, dass ihm noch die Ordination, die Amtseinsetzung durch Handauflegung (mit Geistübertragung) fehle. Nun geschah es aber, dass am 31. Oktober 1832 der Londoner Rechtsanwalt John Bate Cardale durch ein "prophetisches Wort" als "Apostel" angesprochen wurde. (Die Amtsbezeichnungen der Katholisch-Apostolische Kirche, ebenso wie der [[Neuapostolischen Kirche]] und ähnlicher Gemeinschaften, sind immer in Anführungsstrichen zu denken.) Cardale hatte gebetet, dass die Versammlung im Hause Drummonds angetan werde mit der Kraft aus der Höhe. "Während er da noch kniete, hingenommen im Geiste, erhob sich Drummond und redete ihn an mit unbeschreiblicher Macht und Würde: ´Bist du nicht ein Apostel! Warum spendest du nicht den Heiligen Geist?`" Der 30 jährige Londoner Rechtsanwalt Cardale wurde also 1832 zum ersten "Apostel der Neuzeit" oder "Endzeit" berufen - zunächst von seinem Freund Henry Drummond und dann bestätigt von dem späteren "Pfeilerpropheten" Taplin. Nun nahm die Geschichte ihren Lauf. Am Heiligabend 1832 ordinierte Cardale den Prediger William Caird (den Ehemann von Maria Campbell; s.o.) zum Evangelisten und zwei Tage später Henry Drummond zum Hirten. Dieser erhielt nun seine ersehnte Ordination, und damit begann der Aufbau einer priesterlichen Ämterordnung oder Hierarchie. Folgende weitere Männer wurden zu "Aposteln" berufen: am 25. September 1833 Henry Drummond; am 18. Dezember 1833 der königliche Beamte am Londoner Tower, Henry John King-Church; im gleichen Monat der Parlamentarier und Sohn eines englischen Staatsministers, Spencer Perceval; im Januar 1834 der ehemalige anglikanische Geistliche Nicholas Armstrong; am 13. August 1834 der Londoner Rechtsanwalt Francis Valentine Woodhouse (der längstlebende Apostel, der erst 1901, mit 96 Jahren, verstorben ist).


Damit war im Sommer 1834, also eineinhalb Jahre nach der Berufung Cardales, die Zahl "Sechs" erreicht. Das Ziel blieb aber die Vollzahl, die "Zwölf" - analog zum engsten Apostelkreis um Jesus. So wurde Cardale vom "Geist" angewiesen, mit dem Propheten Taplin die Gemeinden zu besuchen, die sich immer mehr bildeten, damit Gott weitere Apostel bezeichnen solle. Und so wurden im Jahre 1835 sechs weitere Männer zu Aposteln berufen: der Schriftsteller John Owen Tudor, der ehemalige anglikanische Pfarrer Henry Dalton, der schottische Adlige und Rechtsgelehrte Thomas Carlyle, der adlige Gutsbesitzer und Hauptmann Francis Sitwell, der ehemalige schottische presbyterianische Geistliche William Dow und der Apotheker und Arzneimittelgroßhändler Duncan Mac Kenzie. Der zuletzt berufene Apostel MacKenzie gilt als der "Judas" in diesen Kreisen, weil er fünf Jahre später seine Apostelberufung zwar weiterhin anerkannte, aber sich von der Amtsausübung wegen Auseinandersetzungen zurückzog. Das sind also die zwölf "Apostel der Endzeit" aus der Katholisch-Apostolischen Bewegung.
Damit war im Sommer 1834, also eineinhalb Jahre nach der Berufung Cardales, die Zahl "Sechs" erreicht. Das Ziel blieb aber die Vollzahl, die "Zwölf" - analog zum engsten Apostelkreis um Jesus. So wurde Cardale vom "Geist" angewiesen, mit dem Propheten Taplin die Gemeinden zu besuchen, die sich immer mehr bildeten, damit Gott weitere Apostel bezeichnen solle. Und so wurden im Jahre 1835 sechs weitere Männer zu Aposteln berufen: der Schriftsteller John Owen Tudor, der ehemalige anglikanische Pfarrer Henry Dalton, der schottische Adlige und Rechtsgelehrte Thomas Carlyle, der adlige Gutsbesitzer und Hauptmann Francis Sitwell, der ehemalige schottische presbyterianische Geistliche William Dow und der Apotheker und Arzneimittelgroßhändler Duncan Mac Kenzie. Der zuletzt berufene Apostel MacKenzie gilt als der "Judas" in diesen Kreisen, weil er fünf Jahre später seine Apostelberufung zwar weiterhin anerkannte, aber sich von der Amtsausübung wegen Auseinandersetzungen zurückzog. Das sind also die zwölf "Apostel der Endzeit" aus der Katholisch-Apostolischen Bewegung.
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== Beurteilung ==
== Beurteilung ==
Die [[Katholisch-Apostolische Kirche]] ist - trotz ihres ursprünglichen ökumenischen Anspruchs - als Sekte zu werten. Der Hauptgrund für dieses Urteil ist ihre Ernennung neuer Apostel gegen die Lehre der Heiligen Schrift, welche Apostel nur für die ersten Gemeinden in der Urchristenheit und nicht für spätere Zeitepochen kennt (Apostel). Als weitere Gründe sind mancherlei Sonderlehren und nicht eingetroffene "Prophezeiungen" zu nennen (Falsche Propheten).
Die [[Katholisch-Apostolische Kirche]] ist - trotz ihres ursprünglichen ökumenischen Anspruchs - als [[Sekte]] zu werten. Der Hauptgrund für dieses Urteil ist ihre Ernennung neuer Apostel gegen die Lehre der Heiligen Schrift, welche Apostel nur für die ersten Gemeinden in der Urchristenheit und nicht für spätere Zeitepochen kennt (Apostel). Als weitere Gründe sind mancherlei Sonderlehren und nicht eingetroffene "Prophezeiungen" zu nennen ([[Falsche Propheten]]).


Siehe auch: [[Geyerianer]]; [[Neuapostolische Kirche]], [[Neuoffenbarung]], [[Geistesgaben]], [[Zungenreden]] u.ä.
Siehe auch: [[Geyerianer]]; [[Neuapostolische Kirche]], [[Neuoffenbarung]], [[Geistesgaben]], [[Zungenreden]] u.ä.
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