Spiritismus

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Spiritismus (lat. spiritus, »Geist«) ist die Lehre von einer unsichtbaren Geisterwelt, mit welcher der Mensch - in der Regel durch Medien - in Kontakt treten kann. Die häufigste Form des S. ist die Totenbeschwörung (Nekromantie). Spiritismus wird gelegentlich mit »Spiritualismus« (phil. Lehre, daß alles Wirkliche Geist bzw. Erscheinungsform des Geistes ist - im Gegensatz zum Materialismus) in Verbindung gebracht. Während jedoch im Englischen spiritualism tatsächlich Spiritismus bedeutet, ist eine Identifikation der beiden Begriffe im Deutschen sachlich nicht möglich.

Spiritismus begegnet in zahlreichen Formen seit der Frühzeit der Menschheitsgeschichte in allen Kulturen, z.B. im Animismus, Schamanismus und antiken Orakelwesen oder - als Gegenbewegung zum aufklärerischen Rationalismus - bei europ. Denkern wie

  • E. Swedenborg (1688-1772),
  • H. Jung-Stilling (1740-1817) und
  • J. F. Oberlin (1740-1826).

Die Geburtsstunde des modernen Spiritismus als einer Massenbewegung in der westl. Welt liegt am 1.4. 1848, als die Töchter des Farmers John Fox aus Hydesville/New York seltsame Klopfgeräusche hörten und man nach Entschlüsselung der Signale (»Klopf-ABC«) Leichenreste des sich angeblich kundgebenden Verstorbenen unter dem Keller fand. Tatkräftig gefördert und systematisch ausgebaut wurde der Spiritismus in dieser Zeit v. a. durch

  • Schüler Franz Anton Mesmers (1734-1815; »Entdecker« des »animalischen Magnetismus«),
  • H. L. D. Rivail (Pseudonym: Allan Kardec, 1804-68),
  • K. L. Frhr. v. Reichenbach (1788-1869, »Entdecker« der »Od-Kraft«) und
  • A. J. Davis (1826-1910), später von
  • J. Greber (1876-1944) und E. Cayce (1877-1945).

Auch die 1875 gegründete Theosophische Gesellschaft mit ihrem Medium H. P. Blavatsky (1831-91) trug viel zur Förderung des Spiritismus bei. 1882 entstand in England die »Society for Psychical Research« mit dem Ziel der Erforschung paranormaler Phänomene.

Die größte Verbreitung besitzt der Spiritismus heute in Brasilien (Macumba-, >Umbanda- und Kardec-Spiritismus; zusammen ca. 50 Mio. Anhänger), Vietnam (Caodai-Spiritismus; über 2. Mio.) sowie in Afrika und Ostasien in Gestalt verschiedener Ahnenkulte. In der westl. Welt weisen Kalifornien und England die meisten Spiritismus-Zirkel auf, doch werden im Gefolge einer »neuen Religiosität« (New Age) anti-rationalistischer und auch antichristl. Prägung viele Länder z. Zt. von einer spiritistischen Welle überschwemmt (Spiritismus als Ersatzreligion).

Die häufigsten Techniken des Spiritismus im Westen sind:

  • Trance-Reden,
  • automatisches Schreiben,
  • Tisch- und Glasrücken.

Wachsenden Zulauf finden

  • UFO-,
  • Tonbandstimmen- und
  • Transkommunikations-Spiritismus sowie
  • Geistheilung und
  • »Channeling«.

Spiritistische Phänomene können sein:

  • Hellsehen,
  • Exkursion der Seele,
  • Astralwanderung,
  • Levitation,
  • Telekinese,
  • Transfiguration,
  • Translokation,
  • Materialisation und
  • Xenoglossie.

Im Anschluß an H. Bender lassen sich vier Arten des Spiritismus unterscheiden:

  • Vulgär-Spiritismus (weit verbreiteter Toten-Kontakt-Spiritismus aus Neugier, Macht- und Wissensdurst);
  • Offenbarungs-Spiritismus (Kontakt mit »Mahatmas«, »Meistern« u.a.; im christl. Bereich mit »Engeln«, »Jesus« oder »Gott« selber zum Empfang neuer, außerbibl. Offenbarungen);
  • ethisch-rel. gefärbter Spiritismus (auf dem Offenbarungs-Spiritismus beruhender Zusammenschluß zu spiritistischen »Kirchen«; z.B. Umbanda/Brasillen, Geistige Loge Zürich und Orden Fiat Lux/Schweiz, Universelles Leben/ Deutschland);
  • sog. »wissenschaftlicher« Spiritismus (beschäftigt sich mit der Frage einer vom Organismus unabhängigen Existenzmöglichkeit der Seele; z.B. die >Sterbe- und Jenseitsforschung von R. Moody und E. Kübler-Ross).

Die Weltanschauung des Spiritismus läßt sich kennzeichnen als »naturalistischer Monismus und Evolutionismus « (Ruppert):

Die gesamte Wirklichkeit gilt als Energiefeld. In diesem stellen Gott, Geistwesen, Mensch, Tier, Pflanze und Mineral unterschiedliche Verdichtungsstufen oder Schwingungsebenen derselben »Lebensenergie« (auch: Prana, Chi, Ka, Mana, Weltäther, Odkraft usw.) dar. Alle Wesen befinden sich in einer ständigen Höherentwicklung (zum Teil wird die Reinkarnation vertreten). Gott- und Geistwesen (z.B. die Geister Verstorbener) haben einen feinstofflicheren Leib (auch: Astralleib, Odkörper, Perispirit, Fluidalkörper u.a.) als die jetzt lebenden Menschen und befinden sich auf einer höheren Schwingungsebene. Deshalb können sie nicht mit den normalen physischen Sinnen, sondern nur von sensitiven Medien wahrgenommen werden. Tritt ein Medium in Kontakt mit einem Geist, dann muß sich in einer »Art Todeskampf« (Greber) sein Geist vom Körper lösen, um dem fremden Geist Raum zu machen (Besessenheit).

K. Koch hat die spiritistische Welt als »unechte Transzendenz« bezeichnet, da der wirkliche göttliche Bereich so nicht erfaßt werden kann. Trotz seines Redens vom Übersinnlichen bleibt der Spiritismus in der Immanenz der geschaffenen Welt gefangen. In der Bewertung der spiritistischen Phänomene stehen sich - von den häufigen Fällen des Betrugs abgesehen - zwei Theorien gegenüber:

  1. Die animistische Theorie wertet die spiritistischen Phänomene als Vorgänge, die von den Medien selber ausgelöst werden (psychische Automatismen, Sonderexistenz seelischer Teile, Eintauchen in das »kollektive Unbewußte«, Energiebündelung durch Willenskraft u.a.).
  2. Die spiritistische Theorie rechnet mit einem realen Hereinwirken von (Toten-)Geistern in die sichtbare Welt.

Während die Anhänger einer rationalistischen Weltanschauung die spiritistischen Phänomene durchweg als Betrug ansehen, neigen die Vertreter (para-)psy-chologischer Schulen am ehesten der animistischen Deutung zu. Allerdings bleibt nach Ausschöpfung aller immanenten Interpretationsversuche immer noch ein »ungeklärter Rest« (Koch), der die Möglichkeit einer transzendenten Einwirkung offenläßt.

Hier ist die Antwort der Theologie gefordert.

Handelt es sich bei den im Spiritismus befragten Geistern um engelhafte Geistwesen, Geister Verstorbener oder gar Dämonen? Die christl. Theologie ist sich in der Beantwortung dieser Frage nicht einig, doch dürfte vom bibl. Befund her die letztgenannte Möglichkeit am ehesten zutreffen. Der Spiritismus steht nämlich im Widerspruch zum ersten Gebot des Dekalogs (2Mo 20,2f) und ist Gott ein »Gräuel« (3Mo 19,31; 5Mo 18,9ff u.a.). Wer sich darauf einläßt, verfällt wie Saul dem Gericht (1Sam 28,7ff). Wer etwas über die göttlichen Geheimnisse erfahren möchte, soll nicht Verstorbene, sondern die Bibel (»Mose und die Propheten«) befragen (Lk 16,19ff). Spiritistische Betätigung kann eine Vielzahl von seelischen, geistigen und geistl. Schädigungen mit sich bringen: Angstzustände, Halluzinationen, Stimmenhören, Verfolgungswahn, Selbstmordgedanken, starke Suchtbindung, große Triebhaftigkeit und sexuelle Perversion, Lästergedanken, Resistenz gegen Gott und sein Wort. Wirkliche Befreiung von durch Spiritismus entstandenen Bindungen ist nur möglich durch einen Herrschaftswechsel aus dem Reich Satans in das Reich Gottes, durch die Übereignung des Lebens an den Erlöser Jesus Christus (Lk 11,20; Eph 6,10ff).

Siehe auch: Okkultismus.

Literaturhinweise

H. Bender: »Parapsychologie«, in: A. Resch: Fortleben nach dem Tode, 1980;

J. Greber: Der Verkehr mit der Geisterwelt, 1937;

K. E. Koch: Seelsorge und Okkultismus, div. Aufl.;

H.-J. Ruppert: Okkultismus - Geisterwelt oder neuer Weltgeist?, 1990;

L. Gassmann: Esoterik als Lebenshilfe?, 2000.

Einzelhinweise und Quellen

Originärer Autor: Lothar Gassmann

Ursprungsquelle dieses Artikels: https://www.bibel-glaube.de/handbuch_orientierung/Spiritismus.html (Abgerufen am 20. 02. 2022, 20:35)