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Bibelverständnis (anthroposophisches): Unterschied zwischen den Versionen

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# Der Exoteriker jedoch, der sie nur hier und da "in einer etwas süßlich-sentimentalen Art" als "Gebrauchsbuch" aufschlägt (naiv-wörtlicher Zugang) oder mit seiner bibelkritischen "Gelehrsamkeit" in "lauter Fragmente" auflöst (wissenschaftlicher Zugang), kann schwerlich zur Erkenntnis ihrer Einheit gelangen (ebd.; vgl. [[Spirituelle Interpretation]]).
# Der Exoteriker jedoch, der sie nur hier und da "in einer etwas süßlich-sentimentalen Art" als "Gebrauchsbuch" aufschlägt (naiv-wörtlicher Zugang) oder mit seiner bibelkritischen "Gelehrsamkeit" in "lauter Fragmente" auflöst (wissenschaftlicher Zugang), kann schwerlich zur Erkenntnis ihrer Einheit gelangen (ebd.; vgl. [[Spirituelle Interpretation]]).


=== '''Theologische Kritik der anthroposophischen Auffassung''' ===
=== Theologische Kritik der anthroposophischen Auffassung ===


==== ''Die Unvereinbarkeit von anthroposophischem und biblisch-theologischem Inspirationsbegriff'' ====
==== Die Unvereinbarkeit von anthroposophischem und biblisch-theologischem Inspirationsbegriff====
Die ''anthroposophische'' "Inspiration" ist eine Stufe des Steinerschen Erkenntnisweges, eine "Stufe des erhöhten Bewußtseins und Erkennens, in das der Mensch sich erheben kann" (Ev,48). Manche biblischen Verfasser seien bis zu dieser Stufe, manche auch zu anderen Stufen übersinnlicher Erkenntnis (Imagination, Intuition) emporgestiegen. Sie seien Eingeweihte gewesen, die in Kontinuität zu den Eingeweihten der heidnischen Mysterienreligionen gestanden hätten (s. o.).
Die ''anthroposophische'' "Inspiration" ist eine Stufe des Steinerschen Erkenntnisweges, eine "Stufe des erhöhten Bewußtseins und Erkennens, in das der Mensch sich erheben kann" (Ev,48). Manche biblischen Verfasser seien bis zu dieser Stufe, manche auch zu anderen Stufen übersinnlicher Erkenntnis (Imagination, Intuition) emporgestiegen. Sie seien Eingeweihte gewesen, die in Kontinuität zu den Eingeweihten der heidnischen Mysterienreligionen gestanden hätten (s. o.).


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Die anthroposophische Vorstellung von der Entstehung der biblischen Schriften ist somit in sich widersprüchlich und darüber hinaus mit dem biblisch-theologischen Inspirationsverständnis unvereinbar. Sie entspricht nicht der biblischen Offenbarung, sondern dem anthroposophischen Erkenntnisweg.
Die anthroposophische Vorstellung von der Entstehung der biblischen Schriften ist somit in sich widersprüchlich und darüber hinaus mit dem biblisch-theologischen Inspirationsverständnis unvereinbar. Sie entspricht nicht der biblischen Offenbarung, sondern dem anthroposophischen Erkenntnisweg.


==== ''Die Unhaltbarkeit der anthroposophischen Lehre vom "ewigen Evangelium"'' ====
==== Die Unhaltbarkeit der anthroposophischen Lehre vom "ewigen Evangelium" ====
Das ''"ewige Evangelium",'' aus dem die einzelnen Evangelisten geschöpft hätten, ist folgerichtig in der Anthroposophie nur eine andere Bezeichnung für die hellseherisch geschaute [[Akasha-Chronik]]. Der in Offb 14,6 gebrauchte Begriff "euangelion aionion" läßt sich aber mit der anthroposophischen Akasha-Chronik nur gewaltsam - durch allegoristische "Eisegese" - in Verbindung bringen. Vom gesamtbiblischen Kontext her ergibt sich nämlich, daß das "euangelion aionion" die "Wiederaufnahme der Missionspredigt am Ende der Tage" bedeutet. Sie enthält die letzte, gnadenvolle "Aufforderung, Gott als den Schöpfer der Welt zu fürchten und zu ehren, begleitet von dem Hinweis auf den nahen Tag des Gerichts" (Zahn 1926, 520). Die Kennzeichnung dieser Predigt als "aionios" gibt der "Einheitlichkeit, Unveränderlichkeit, unvergänglichen Gültigkeit des göttlichen Ratschlusses" Ausdruck (G. Friedrich, Art. „euangelizomai“, ThWNT II/1935, 733). Eine zeitliche Vorverlegung der Enthüllung dieser Botschaft in die Gegenwart verbietet sich ebenso wie eine Spekulation über deren Inhalt, die über das im Text Gesagte hinausgeht. Daraus folgt: ''Das "ewige Evangelium" nach Offb 14,6 ist nicht die Akasha-Chronik.''  
Das ''"ewige Evangelium",'' aus dem die einzelnen Evangelisten geschöpft hätten, ist folgerichtig in der Anthroposophie nur eine andere Bezeichnung für die hellseherisch geschaute [[Akasha-Chronik]]. Der in Offb 14,6 gebrauchte Begriff "euangelion aionion" läßt sich aber mit der anthroposophischen Akasha-Chronik nur gewaltsam - durch allegoristische "Eisegese" - in Verbindung bringen. Vom gesamtbiblischen Kontext her ergibt sich nämlich, daß das "euangelion aionion" die "Wiederaufnahme der Missionspredigt am Ende der Tage" bedeutet. Sie enthält die letzte, gnadenvolle "Aufforderung, Gott als den Schöpfer der Welt zu fürchten und zu ehren, begleitet von dem Hinweis auf den nahen Tag des Gerichts" (Zahn 1926, 520). Die Kennzeichnung dieser Predigt als "aionios" gibt der "Einheitlichkeit, Unveränderlichkeit, unvergänglichen Gültigkeit des göttlichen Ratschlusses" Ausdruck (G. Friedrich, Art. „euangelizomai“, ThWNT II/1935, 733). Eine zeitliche Vorverlegung der Enthüllung dieser Botschaft in die Gegenwart verbietet sich ebenso wie eine Spekulation über deren Inhalt, die über das im Text Gesagte hinausgeht. Daraus folgt: ''Das "ewige Evangelium" nach Offb 14,6 ist nicht die Akasha-Chronik.''  


==== ''Die Unhaltbarkeit der anthroposophischen Harmonisierung von Widersprüchen'' ====
==== Die Unhaltbarkeit der anthroposophischen Harmonisierung von Widersprüchen ====
In den Artikeln [[Erkenntnisse höherer Welten]] und [[Akasha-Chronik]] haben wir sowohl die Uneinheitlichkeit der "Schauungen" aus der Akasha-Chronik als auch ihre Unvereinbarkeit mit der biblischen Offenbarung nachgewiesen. Die Akasha-Chronik kann somit keinesfalls als "Kronzeugin" für die Einheit der Bibel gebraucht werden. Auch eine Harmonisierung kann nicht durch eine allegorische Uminterpretation des Wortlauts erzwungen werden. Eine solche ''Allegorisierung'' nimmt aber die anthroposophische Bibelauslegung vor, indem sie Tatsachen, die sich nach ihrer Ansicht in einer äußerlichen "falschen Auffassung" widersprechen, "geistig" in Einklang zu bringen sucht (Bock; s. o.).
In den Artikeln [[Erkenntnisse höherer Welten]] und [[Akasha-Chronik]] haben wir sowohl die Uneinheitlichkeit der "Schauungen" aus der Akasha-Chronik als auch ihre Unvereinbarkeit mit der biblischen Offenbarung nachgewiesen. Die Akasha-Chronik kann somit keinesfalls als "Kronzeugin" für die Einheit der Bibel gebraucht werden. Auch eine Harmonisierung kann nicht durch eine allegorische Uminterpretation des Wortlauts erzwungen werden. Eine solche ''Allegorisierung'' nimmt aber die anthroposophische Bibelauslegung vor, indem sie Tatsachen, die sich nach ihrer Ansicht in einer äußerlichen "falschen Auffassung" widersprechen, "geistig" in Einklang zu bringen sucht (Bock; s. o.).


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Als zweites Beispiel wählen wir die beiden ''Speisungswunder-Berichte'' im Mt und im Mk (Mt 14,15-21 / Mk 6,35-44: Speisung der Fünftausend; Mt 15,32-39 / Mk 8,1-9: Speisung der Viertausend). Wie Bock erwähnt, sieht die kritische Forschung in diesen Berichten eine "'Doublette"', "den doppelten Bericht eines und desselben Vorganges" (Ev,203). Werden die Berichte als Doublette gelesen, dann ergeben sich für Bock unausweichlich Widersprüche zwischen ihnen, v. a. im Blick auf die unterschiedlichen Zahlenangaben. Die anthroposophische "Lösung" besteht darin, daß die Zahlen nicht quantitativ, sondern "qualitativ" aufgefaßt werden. "Jede Zahl war ein individuelles Wesen, eine Figur", schreibt Bock (Ev,204). Nach anthroposophischer Deutung sind "mit den 5000 und 4000 nicht abgezählte Menschenmengen gemeint", sondern astrologisch bestimmte "Weltentage":
Als zweites Beispiel wählen wir die beiden ''Speisungswunder-Berichte'' im Mt und im Mk (Mt 14,15-21 / Mk 6,35-44: Speisung der Fünftausend; Mt 15,32-39 / Mk 8,1-9: Speisung der Viertausend). Wie Bock erwähnt, sieht die kritische Forschung in diesen Berichten eine "'Doublette"', "den doppelten Bericht eines und desselben Vorganges" (Ev,203). Werden die Berichte als Doublette gelesen, dann ergeben sich für Bock unausweichlich Widersprüche zwischen ihnen, v. a. im Blick auf die unterschiedlichen Zahlenangaben. Die anthroposophische "Lösung" besteht darin, daß die Zahlen nicht quantitativ, sondern "qualitativ" aufgefaßt werden. "Jede Zahl war ein individuelles Wesen, eine Figur", schreibt Bock (Ev,204). Nach anthroposophischer Deutung sind "mit den 5000 und 4000 nicht abgezählte Menschenmengen gemeint", sondern astrologisch bestimmte "Weltentage":


"Weltschöpfung und Weltgeschichte verlaufen in Rhythmen von je sieben großen Weltentagen. Was am 3. Tag geschieht, steht unter dem Zeichen der Zahl 3000, die Menschen des 4. Tages sind die 4000, die Menschen des 5. Tages die 5000 ... der 5. Tag, an dem wir heute leben, steht im Zeichen der Fische" (Ev,205f).
:"Weltschöpfung und Weltgeschichte verlaufen in Rhythmen von je sieben großen Weltentagen. Was am 3. Tag geschieht, steht unter dem Zeichen der Zahl 3000, die Menschen des 4. Tages sind die 4000, die Menschen des 5. Tages die 5000 ... der 5. Tag, an dem wir heute leben, steht im Zeichen der Fische" (Ev,205f).


Bocks Konsequenz im Blick auf die biblischen Berichte lautet:
Bocks Konsequenz im Blick auf die biblischen Berichte lautet:


"Die irdischen Zeitgenossen des Christus-Lebens sind die 4000. Die 5000 leben noch gar nicht auf der Erde, sie ruhen noch wie der 5. Weltentag selber im Zukunftsschoße" (Ev,208).
:"Die irdischen Zeitgenossen des Christus-Lebens sind die 4000. Die 5000 leben noch gar nicht auf der Erde, sie ruhen noch wie der 5. Weltentag selber im Zukunftsschoße" (Ev,208).


Bei dieser anthroposophischen Deutung handelt es sich um ''Zahlen-Allegorese.'' Sie stützt sich auf das "Platonische Jahr" (Präzession), dessen Aufteilung in zwölf Tierkreiszeichen in der [[Astrologie]] mit zwölf aufeinanderfolgenden "Zeitaltern" in Verbindung gebracht wird. Da diese Deutung im Literalsinn der Texte keinen Anhaltspunkt findet, kann sie nur durch ''fortgesetzte Allegorisierung aller weiteren Textdetails'' aufrechterhalten werden. So bemerkt Emil Bock: "Es mag jemand den Einwand machen: Ist nicht eine so deutlichirdische Einzelheit: `es war aber viel Gras an dem Ort' die glatte Widerlegung der These, daß es sich um eine Szene im Geistgebiet handele?" (Ev,212). Bock verneint dies und fügt das "Gras" durch allegorische Deutung in seine Darstellung ein:
Bei dieser anthroposophischen Deutung handelt es sich um ''Zahlen-Allegorese.'' Sie stützt sich auf das "Platonische Jahr" (Präzession), dessen Aufteilung in zwölf Tierkreiszeichen in der [[Astrologie]] mit zwölf aufeinanderfolgenden "Zeitaltern" in Verbindung gebracht wird. Da diese Deutung im Literalsinn der Texte keinen Anhaltspunkt findet, kann sie nur durch ''fortgesetzte Allegorisierung aller weiteren Textdetails'' aufrechterhalten werden. So bemerkt Emil Bock: "Es mag jemand den Einwand machen: Ist nicht eine so deutlichirdische Einzelheit: `es war aber viel Gras an dem Ort' die glatte Widerlegung der These, daß es sich um eine Szene im Geistgebiet handele?" (Ev,212). Bock verneint dies und fügt das "Gras" durch allegorische Deutung in seine Darstellung ein:


"Für die übersinnliche Anschauung, so wird es oftmals von Rudolf Steiner beschrieben, bietet der Leib im Wachen das Bild einer verdorrenden, im Schlaf dagegen das Bild einer grünenden Wiese dar. Es ist viel Gras an dem Ort: Die Fruchtbarkeit der Nacht, die alles am Tage Verbrauchte wieder herstellt, waltet allenthalben" (Ev,213).
:"Für die übersinnliche Anschauung, so wird es oftmals von Rudolf Steiner beschrieben, bietet der Leib im Wachen das Bild einer verdorrenden, im Schlaf dagegen das Bild einer grünenden Wiese dar. Es ist viel Gras an dem Ort: Die Fruchtbarkeit der Nacht, die alles am Tage Verbrauchte wieder herstellt, waltet allenthalben" (Ev,213).


Eine "Harmonisierung", die auf eine solche Art zustande kommt, wirkt jedoch gewaltsam und kann nicht überzeugen.
Eine "Harmonisierung", die auf eine solche Art zustande kommt, wirkt jedoch gewaltsam und kann nicht überzeugen.


==== ''Zusammenfassung'' ====
==== Zusammenfassung ====


# Die Vorstellungen von den unterschiedlichen Einweihungsstufen der biblischen Verfasser und einem "ewigen Evangelium", aus dem sie hellseherisch geschöpft hätten, entstammen der Steinerschen Weltanschauung; sie finden aber keinen Anhaltspunkt in den biblischen Texten selber und sind darüber hinaus in sich widersprüchlich.
# Die Vorstellungen von den unterschiedlichen Einweihungsstufen der biblischen Verfasser und einem "ewigen Evangelium", aus dem sie hellseherisch geschöpft hätten, entstammen der Steinerschen Weltanschauung; sie finden aber keinen Anhaltspunkt in den biblischen Texten selber und sind darüber hinaus in sich widersprüchlich.
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