Enthusiasmus

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Enthusiasmus meint die überschwängliche Überbetonung der Gegenwart des Geistes und seiner spektakulären Krafttaten. Joachim von Fiore verkündigte schon im Mittelalter das Zeitalter des Heiligen Geistes, in dem Gott durch seine Krafttaten alles verändern und die Welt revolutionieren und messianisieren würde, indem es kein Leid und keine Tränen mehr gebe, ähnlich, wie es in der Herrlichkeitstheologie (Triumphalismus) gelehrt wird.

In verschiedenen Strömungen der Pfingstbewegung und der Charismatischen Bewegung finden wir hier Anklänge (man denke etwa an den „Toronto-Segen“). Allerdings gibt es in beiden Bewegungen auch deutliche Stimmen gegen Extreme und argumentativ hochwertige Kritik. Auch die Lehre von territorialen Dämonen, wie sie Peter Wagner vertritt, kann in magisches Denken führen. Es gibt auch die Gefahr einer Zeichen- und Wundersucht, die das Kreuz Jesu in den Hintergrund drängt. Jesus selbst hat Wunder nicht in den Vordergrund gestellt.

Bei einer Unterbetonung der Gaben des Geistes, dem anderen Extrem, besteht die Gefahr der Erstarrung, eben, dass man keine konkrete Hilfe mehr von Gott erwartet. So, wie es eine Gefühls-Schwärmerei gibt, kann es auch eine Verstandes-Schwärmerei geben. Das ist genauso gefährlich und droht in Rationalismus und geistlicher Unwirksamkeit zu enden.

Kritik: Wir sollten bei allem Enthusiasmus beachten, dass Satan sich als Engel des Lichts verstellen kann (1. Kor 11,14). Hier gilt in besonderem Maße: „Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind“ (1. Joh 4,1). Außerdem sollten wir die Heilsgeschichte ernst nehmen und erkennen, dass wir in der Endzeit stehen und noch nicht in der Herrlichkeit.

In der Endzeit haben wir mit Abfall, mit Gerichten und Verwirrung zu tun. Wir stehen jetzt noch nicht im Tausendjährigen Reich oder in der himmlischen Herrlichkeit, sondern vor (oder in) dem angekündigten großen Glaubensabfall (Mt 24; 2. Thess 2,3). Wir glauben an das Wirken des Heiligen Geistes heute, aber nicht schwärmerisch übersteigert.

Grundsätzlich ist zum Wirken des Heiligen Geistes aus biblischer Sicht Folgendes zu sagen: Der Heilige Geist (griech. pneuma) ist die dritte Person der Dreieinigkeit. Er ist eine Person mit Kraftwirkungen. Manche meinen ja, er sei nur eine Kraft. Dies ist falsch; er ist eine Person, die aber Kraftwirkungen hat. Die Bibel nennt personale Eigenschaften des Heiligen Geistes: Er wird als Tröster bezeichnet (Joh 16,7-15). Er kann gelästert und betrübt werden (Mt 12,31 f.; Eph 4,30). Ananias und Saphira haben den Heiligen Geist betrogen (Apg 5,1-4). Der Heilige Geist ist souverän, er ist kein Besitz des Menschen. Er zieht in das Herz bei der Wiedergeburt ein, aber er kann auch gedämpft werden und sich zurückziehen, wenn Menschen dauerhaft in bewusster Sünde leben oder von Gott abfallen (vgl. Hebr 6,4 ff.). Der Heilige Geist wohnt im Herzen des Gläubigen. In Eph 1,13 steht: „Ihr seid versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, als ihr gläubig wurdet.“ Ob die Geistestaufe zusammen mit der Wiedergeburt geschieht oder aber eine zusätzliche Erfahrung darstellt, wird heiß diskutiert. Ich halte es mit Eph 1,13. Man kann allerdings annehmen und erleben, dass der Heilige Geist sich im Gläubigen weiter entfaltet, wenn wir ihm Raum geben und ihn nicht durch bewussten und dauerhaften Ungehorsam dämpfen und betrüben.

Die Geistesgaben sind in der Gemeinde verteilt. Es besitzt keiner alle Geistesgaben. Diese sind für die Gemeinde gegeben. Nicht jeder kann in Zungen reden oder weissagen. Falls Zungenrede (richtiger: Sprachenrede, Reden in nicht erlernten Fremdsprachen) geschieht (ihre Notwendigkeit und biblische Legitimation in der heutigen Zeit, in der das Wort Gottes geschrieben vorliegt, ist umstritten), muss sie auf jeden Fall ausgelegt werden (1. Kor 14, 27 f.). Wichtiger als die spektakulären Gaben, die nicht heilsnotwendig sind und daher womöglich schon aufgehört haben, sind verständliche Lehre sowie Glauben, Liebe und Hoffnung (vgl. 1. Kor 12-14).

Ferner kann man unterscheiden zwischen natürlichen Gaben (wie Bildung, Redetalent etc.) und übernatürlichen Gaben wie Weissagung, Heilung etc.

Unterschieden wird auch zwischen den Gaben des Geistes und der Frucht des Geistes: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Keuschheit (Gal 5,22 f.). Gottes Geist steht in Gegensatz zu den dämonischen Geistern der Religionen (1.Kor. 10,20), was heute leider oft übersehen und vermischt wird.

Literaturhinweise

Kleines Theologie-Handbuch in 2 Bänden ,MABO PROMOTION 20081

Einzelhinweise und Quellen

Anmerkungen


Quellenangaben


Orginärer Autor: Lothar Gassmann



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