Friedensbewegung

Aus Christ-Wiki.de

Die Friedensbewegung ist Anfang der 80er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland zu einer wahren Massenbewegung angewachsen.

Zwar zählten nach Schätzungen nur 1,5 bis 3 Millionen Bundesbürger direkt zur Friedensbewegung, doch war der Kreis der Sympathisanten - besonders bei Jugendlichen - erheblich größer. Der Hauptgrund dürfte in der gesteigerten Kriegsangst zu suchen sein. Im Koordinationsausschuss der Friedensbewegung saßen 1983 (zum Zeitpunkt der Raketenstationierung) folgende Organisationen:

  • Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF),
  • Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste (AS/F),
  • Anstiftung der Frauen für den Frieden,
  • Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF),
  • Bundeskongress Autonomer Friedensgruppen (BAF),
  • Bundeskongress entwicklungspolitischer Aktionsgruppen (BUKO),
  • Demokratische Sozialisten (DS),
  • Deutscher Gewerkschaftsbund - Abt. Jugend (als Beobachter),
  • Evangelische Studentengemeinde (ESG) - Föderation gewaltfreier Aktionsgruppen (FÖGA),
  • Die Grünen, Gustav-Heinemann-Initiative,
  • Initiative für Frieden,
  • internationalen Ausgleich und Sicherheit (IFIAS),
  • Initiative Kirche von Unten (IKvU),
  • Jungdemokraten - Bundesvorstand,
  • Jungsozialisten in der SPD - Bundesvorstand,
  • Komitee für Grundrechte und Demokratie,
  • Konferenz der Landesschülervertretungen NW,
  • Koordinationsstelle Ziviler Ungehorsam,
  • Liberale Demokraten (LD), Ohne Rüstung leben,
  • Pax Christi,
  • Sozialistische Jugend Deutschlands "DIE FALKEN" - Bundesvorstand,
  • Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK),
  • Deutsche Friedens-Union (DFU),
  • Frauen in der Bundeswehr? - Wir sagen nein,
  • Komitee für Frieden,
  • Abrüstung und Zusammenarbeit (KOFAZ),
  • Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ),
  • Vereinigte Deutsche Studentenschaften (VDS),
  • Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA).

Aus diesen Organisationen schälten sich in weltanschaulicher Hinsicht vor allem drei Hauptgruppen heraus:

  1. Christlich-pazifistische Gruppen aus dem evangelischen und katholischen Bereich: Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste; Evangelische Studentengemeinde; Initiative Kirche von Unten; Ohne Rüstung leben; Pax Christi u. a.
  2. Sozialisten und "undogmatische" (nicht moskauorientierte) Marxisten: Demokratische Sozialisten; Komitee für Grundrechte und Demokratie; Sozialistische Jugend Deutschlands "Die Falken"; zum Teil auch die Jungdemokraten und Jungsozialisten u. a.
  3. Gruppierungen aus dem Umfeld der (moskauorientierten) DKP (d. h. Organisationen, die laut Verfassungsschutz-Bericht von der DKP zumindest beeinflusst waren): Deutsche Friedens-Union; Komitee für Frieden, Abrüstung und Zusammenarbeit; Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend; Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes; Bund der Antifaschisten u. a.

Angesichts solcher unterschiedlicher Ausgangspositionen (und damit auch unterschiedlicher Zielsetzungen) ist Streit innerhalb der Friedensbewegung nicht ausgeblieben.

Diskutiert wurde u. a. über folgende Fragen:

  • Raus aus der NATO - oder nicht?
  • Einseitige totale - oder beiderseitige schrittweise Abrüstung?
  • Schweigen über das Unrecht in sowjetsozialistischen Regimen - oder Solidarität mit polnischen und anderen Befreiungsbewegungen?
  • Friede durch den weltweiten Sieg kommunistischer oder kapitalistischer Ideologie - oder durch beiderseitigen Verzicht auf Durchsetzung jeglicher Ideologie und Abbau von Feindbildern?

Einen schweren Rückschlag erlebte die Friedensbewegung 1984, als die christlich-pazifistischen Gruppen ihre aktive Mitarbeit im Koordinationsausschuss aufkündigten. Am 28. 11. 1984 war in der Presse zu lesen:

"Die Friedensbewegung in der Bundesrepublik ist nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes von Beginn an durch orthodoxe Kommunisten erheblich beeinflusst worden ... Aus der bundesdeutschen Friedensbewegung lösen sich gegenwärtig die christlichen Gruppen. Ihnen sind unter anderem Bedenken gekommen, ob es der Sache des Weltfriedens nützt, wenn man sie in Aktionseinheit mit moskauhörigen Kommunisten betreibt. Nach deren Selbstverständnis ist der Friede bekanntlich deckungsgleich mit dem weltweiten Heraufziehen eines Sozialismus bolschewistischer (und atheistischer) Prägung" (AP-Meldung vom 28.11.1984).

Abgesehen von dieser ideologischen Einseitigkeit stellt, sich grundsätzlich die Frage nach dem Menschenbild. Besonders an den Fragen, ob der Mensch von Natur aus gut ist und ob er das Gute aus eigener Kraft erreichen kann, entscheidet sich alles. Sämtliche Gruppen der Friedensbewegung haben ein optimistisches Menschenbild:

"Der Glaube an den guten, aktivierbaren Kern im Menschen ist eine wichtige Voraussetzung für die Einstellungs- und Verhaltensänderung gegenüber dem angeblich feindlichen Volk" (Friedensmanifest der Grünen).

Von diesem Menschenbild ausgehend, vertrauen sie auf den guten Willen der Völker und der einzelnen. Diese Sicht steht jedoch im Gegensatz zum biblischen Realismus, der sagt:

"Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf" (1. Mose 8,21; s. auch Ps 51,7; Röm 3; Röm 7 u.a.).

Siehe auch:.: Kommunismus; Friede; Mensch; Humanismus; Neomarxismus; Ideologie; Grüne Ideologie.

Literaturhinweise

L. Gassmann, Grün war die Hoffnung. Geschichte und Kritik der grünen Bewegung, 199

Einzelhinweise und Quellen

Originärer Autor: Rainer Wagner

Ursprungsquelle dieses Artikels: https://www.bibel-glaube.de/bibelglaube/handbuch_orientierung/Friedensbewegung.html (Abgerufen am 27. 05. 2024 00:22)