Koguzki, Felix

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Der junge Rudolf Steiner möchte ganz praktisch in die übersinnlichen Welten eindringen. Die entscheidende Unterstützung bei diesem Bestreben erhält er nicht von der Philosophie, sondern von einem "einfachen Manne aus dem Volke", den er 1881 bei seinen Zugfahrten von Inzersdorf nach Wien kennenlernt.

"Er sammelte auf dem Lande Heilkräuter und verkaufte sie in Wien an Apotheken. Wir wurden Freunde. Mit ihm konnte man über die geistige Welt sprechen wie mit jemand, der Erfahrung darin hatte ... Er offenbarte sich so, als ob er als Persönlichkeit nur das Sprachorgan wäre für einen Geistesinhalt, der aus verborgenen Welten heraus sprechen wollte" (636, 45f.).

Steiner umhüllt die Person dieses Kräutersammlers mit einem seltsamen Geheimnis, indem er seinen Namen verschweigt. Er erwähnt nur, daß man ihn in seinen Mysteriendramen in der Gestalt des "Felix Balde" finde (636, 47). Dort tritt er als Eingeweihter auf, in dem sich der "Naturgeist" offenbart. Durch intensive Nachforschungen hat der Steiner-Schüler Emil Bock herausgefunden, daß es sich bei dieser geheimnisvollen Persönlichkeit, die für Steiner offensichtlich ein Führer zu den "geistigen Welten" geworden ist, um Felix Koguzki (auch: Krakozki) aus dem Dorf Trumau bei Wien handelt (Bock 1967). Koguzki war nun tatsächlich ein Okkultist höchsten Grades, was vollends durch folgende Charakterisierung, die Gerhard Wehr gibt, deutlich wird:

"Die wenigen Bücher, über die er verfügt, handeln vornehmlich von 'Haus- und Heilmitteln für Menschen und Vieh`, auf natürlicher und sympathetischer Grundlage. Der zu Heilzwecken angewandte 'animalische Magnetismus` nach Franz Anton Mesmer spielt darin eine ebenso große Rolle wie die Praktiken der sogenannten Besprechung oder der Herstellung von wirkkräftigen Amuletten" (Wehr 1993, 44).

Durch diesen Okkultisten Felix Koguzki wird Rudolf Steiner zutiefst geprägt. Er kann bei ihm "tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun". Ein "instinktives Wissen der Vorzeit" wird an den Studenten der Naturwissenschaften herangebracht. Auch nach der räumlichen Trennung bleibt Steiner ihm "seelennahe" (636, 46). Steiner spricht es im "Lebensgang" zwar nicht offen aus, aber alle seine Worte deuten darauf hin, daß er durch Koguzki eine okkulte Initiation (Einweihung) erfahren hat. Ähnlich wie die Initiaten der heidnischen Mysterienreligionen durch ihren Priester oder die in der Erleuchtung Wahrheit Suchenden durch ihren Guru, dürfte Steiner durch Koguzki mit den "Geheimnissen der übersinnlichen Welt" in Kontakt gebracht worden sein. Deutlich sagt dies der französische Schriftsteller, Okkultist und Freund Steiners, Edouard Schuré. Er weist in seiner kurzen Steiner-Biographie zu Beginn der französischen Übersetzung des "Christentums als mystische Tatsache" darauf hin, daß Steiner durch Koguzki bzw. einen hinter ihm stehenden (übersinnlichen?) "Meister" in die okkulten Mysterien eingeweiht wurde. Seiner Information liegt ein Gespräch mit Steiner aus dem Jahr 1907 in Barr/Elsaß zugrunde:

"Der große Lehrer Rudolf Steiners war einer jener stillen Eingeweihten, die, unerkannt von der Welt, unter der Maske irgendeines bürgerlichen Berufes leben, um eine Mission zu erfüllen, deren Tragweite allein ihresgleichen aus der Bruderschaft der Meister der Entsagung ermessen können ... Das Inkognito ist die Bedingung ihrer Stärke, aber ihre Wirksamkeit ist deshalb nur umso bedeutender. Denn sie geben die Impulse, bereiten und lenken diejenigen, die vor die Öffentlichkeit treten. In dem vorliegenden Falle war es dem Meister ein leichtes, die ursprüngliche, von selbst eingetretene Einweihung seines Schülers zu vervollständigen ... Lichtvoll zeigte er ihm die Zusammenhänge der offiziellen und der Geheimwissenschaft, der Religionen und okkulten Strömungen, die sich gegenwärtig die Führung der Menschheit streitig machen, die Vorzeit der okkulten Überlieferung, die die verborgenen Fäden der Geschichte zieht, mischt, trennt und wieder verknüpft im Laufe der Jahrhunderte" (Steiner, Briefe I, 35ff.).


Beurteilung: Der Mesmerismus oder animalische Magnetismus beruht wie andere magische Praktiken auf dem Weltbild des Spiritismus, das sich als naturalistischer Monismus und Evolutionismus kennzeichnen läßt. Nach dieser Weltsicht gilt die gesamte Wirklichkeit als Energiefeld. In diesem stellen Gott, Geistwesen, Mensch, Tier, Pflanze und Mineral unterschiedliche Verdichtungsstufen derselben "Lebensenergie" dar. Die "Lebensenergie" trägt in den verschiedenen Systemen die unterschiedlichsten Namen (z.B. Odkraft, Lebensäther, Prana, Chi, Ka, Mana, Orgon, Bioenergie) - und doch handelt es sich im Kern um die gleiche Vorstellung. Heilung geschieht, indem diese Lebensenergie verstärkt oder in die richtige Polarität gebracht wird.

Alle Wesen (auch die "Götter") befinden sich in einer ständigen Höherentwicklung (in den meisten spiritistischen Systemen wird die Reinkarnation vertreten). Gott- und Geistwesen (z.B. die Geister Verstorbener) haben eine feinstofflicheren Leib (auch: Astralleib, Odkörper, Perispirit, Fluidalkörper u.ä.) als die jetzt lebenden Menschen und befinden sich auf einer höheren Schwingungsebene. Deshalb können sie nicht mit den normalen physischen Sinnen, sondern nur von sensitiven Medien wahrgenommen werden. Tritt ein Medium in Kontakt mit einem Geist, dann muß sich in einer Art "Todeskampf" sein Geist vom Körper lösen, um dem fremden Geist Raum zu machen (Besessenheit).

Bei Praktiken wie animalischem Magnetismus, "Sympathie" und Besprechen, die Koguzki betrieb, handelt es sich um nichts anderes als um Magie und Zauberei. Daß Koguzki ein spiritistisches Medium für Geister war, läßt sich aus den Andeutungen Steiners im "Lebensgang" und der Rolle, die er Koguzki in seinen Mysteriendramen zuteilt, erkennen. Viele der obengenannten Lehren (z.B. Lebensäther, Grob- und Feinstofflichkeit, Astralkärper, Evolution und Reinkarnation) finden sich später bei Rudolf Steiner wieder. Hinter dem Spiritismus verbergen sich dämonische Mächte. Gott verbietet streng solche Praktiken. Das Gleiche gilt für Zauberei und Magie in ihren unterschiedlichen Formen (vgl. 5. Mose 18, 9 ff. u.a.). Der Okkultismus-Experte Kurt Koch warnt zu Recht:

"Der Besprecher, der mit Hilfe Gottes oder des Teufels eine Heilung erzwingen will, steht diesen transzendenten Mächten als einer gegenüber, der über sie verfügen will ... Theologisch gesehen ist ein solches Unterfangen die Urrebellion: Der Mensch befiehlt der transzendenten Macht, der Mensch will über die Gottheit verfügen. Diese Hybris ist die Grundposition der Magie ... Der Okkultist, der Schöpfer oder Teufel bannen will, wird selbst ein Gebannter. Okkulte Behaftung ist vollzogene Gottesferne. Vollzogene Gottesferne ist Auflösung, Finsternis, Chaos" (Koch o.J., 116.247).

Literaturhinweise

L. Gassmann; Anthroposophie-Lexikon; Folgen Verlag; (Mai 20171)

Einzelhinweise und Quellen

Anmerkungen


Quellenangaben



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