Theosophische Gesellschaft

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Die Theosophische Gesellschaft. (ursprünglich »Miracle Club«) wurde am 17.11.1875 als Vereinigung zur Erforschung okkulter Phänomene in New York gegründet. Der Okkultist, Freimaurer und Journalist Oberst a.D. Henry Steel Olcott (1832-1907) wurde ihr Präsident, das spiritistische Medium Helena Petrovna Blavatsky (1831-91) ihre Korrespondenzsekretärin und geistige Leiterin durch eine Reihe von Büchern, die ihr von unsichtbaren »Meistern« angeblich diktiert wurden. 1879 übersiedelten Olcott und Blavatsky nach Indien und traten offiziell zum Buddhismus über. Sie waren zunächst in Benares, dann in Bombay ansässig. Schließlich verlegten sie ihr Hauptquartier 1882 nach Adyar, einen Vorort von Madras (Adyar Theosophische Gesellschaft.). Zweiggesellschaften in vielen Ländern entstanden.

Ihre zeitweilige Mitarbeiterin Emma Coulomb warf Blavatsky im Blick auf »geheimnisvoll erscheinende Briefe« und andere mysteriöse Praktiken Betrug vor (»Coulomb-Affäre« 1884), und der Hodgson-Report (1885) der Londoner »Society for Psychical Research« bezeichnete sie als »eine der perfektesten, genialsten und interessantesten Betrügerinnen der Geschichte«, woraufhin sich viele Anhänger von der Theosophische Gesellschaft. abwandten. Zu größeren Abspaltungen kam es 1895, als sich unter Leitung von William Quan Jugde (1851-96) »The Theosophical Society in America« als eigenständige Vereinigung bildete, sowie 1913, als unter Olcotts Nachfolgerin Annie Besant (1847-1933) sich 90% der deutschsprachigen Theosophen der von Rudolf Steiner (1861-1925, 1902-13 Generalsekretär der Deutschen Sektion der Theosophische Gesellschaft.) gegründeten Anthroposophischen Gesellschaft anschlossen (Anthroposophie). Ausschlaggebend für die Trennung war für Steiner die Gründung des Ordens »Stern im Osten« (1911) mit der Ausrufung des Hinduknaben Jiddu Krishnamurti (1895-1986) als »Weltenlehrer« und wiedergekommener »Christus« durch Besant.

Besant war 1902 in den gemischten Freimaurerorden »Droit Humain« aufgenommen worden, fühlte sich dem Hinduismus zugeneigt und war 1918 sogar kurze Zeit Präsidentin des Indischen Nationalkongresses. Sie leitete die Adyar Theosophische Gesellschaft. von 1907-33. Die Präsidenten nach ihr waren George Arundale (1933-45), Curuppumulagge Jinarajadasa (1945-53), Sri Ram (1953-73), John Coats (1973-79) und Radha Burnier (seit 1980). Großen Einfluß erlangte die Theosophin Alice Ann Bailey (1880-1949), die durch ein umfangreiches Schrifttum und die Gründung zahlreicher Organisationen (1922 »Lucifer Trust«, später »Lucis Trust«; 1923 »Arkanschule«; 1932 »Weltweiter Guter Wille« u.a.) die Aufrichtung einer neuen Weltzivilisation und die »Wiederkunft Christi im Wassermann-Zeitalter« (New Age) vorbereiten wollte. Die Adyar Theosophische Gesellschaft. ist gegliedert in Landesgesellschaften und Ortsverbände (»Logen«) und zählt heute weltweit ca. 35000 Mitglieder, doch ist sie durch ihr Gedankengut weit über ihre Mitglieder hinaus wirksam.

Die Theosophische Gesellschaft hat drei Hauptziele: Sie will

  • einen Kern der allumfassenden Bruderschaft der Menschheit bilden, ohne Unterschied von Rasse, Religion, Geschlecht, Kaste oder Farbe;
  • zum vergleichenden Studium von Religion, Philosophie und Naturwissenschaft anregen;
  • die Erforschung ungeklärter Naturgesetze und der im Menschen verborgenen Kräfte fördern.

Die von Helena Petrovna Blavatsky gegründete "Esoterische Schule" der Adyar T. G. ist der enge Kreis derer, die - wie G. Wehr es formuliert - an ihrer "Selbstverwirklichung" arbeiten und sich in den Dienst der "großen spirituellen Menschheitsaufgabe" stellen - eine Art Geheimbund nach freimaurerischem Vorbild (vgl. Wehr, Rudolf Steiner, 1993, 171). Der Aufnahme-Eid, den neue Mitglieder zu leisten haben, lautet wie folgt (in der von Annie Besant formulierten Fassung):

  1. Ich beherzige die 3 Zwecke der Theosophische Gesellschaft.
  2. Ich bin überzeugt von der Wahrheit der Hauptlehren der esoterischen Philosophie, d.h. der Existenz einer Einheit, von der alles abstammt, dem Gesetz der Periodizität, der Identität des Geistes im Menschen mit dem universellen Geist, der Reinkarnation, des Karma, der Existenz einer Großen Bruderschaft.
  3. Ich wünsche Mitglied der Esoterischen Schule zu werden, um mein Leben zu reinigen und zu vergeistigen, um ein nützlicher Diener der Menschheit zu werden.
  4. Ich halte es für erwiesen, daß Helena Petrovna Blavatsky im Besitz eines Wissens ist, welches ihre Mission als Abgesandter der Großen Bruderschaft bescheinigt, und daß diese Schule, die sie gegründet hat, daher unter dem Schutz der Großen Bruderschaft steht.
  5. Ich anerkenne Annie Besant als ihren Nachfolger als Chef dieser Schule unter der Leitung der Meister und als ihren Abgesandten, den sie ernannt haben, um die Ziele zu erreichen" (H. Miers, Lexikon des Geheimwissens, 1986, 135).

Die Mitglieder der "Großen Bruderschaft", die "Meister" oder "Mahatmas" sind laut dem Lexikon des Geheimwissens

"die unbekannten und anonymen Autoritäten, auf die sich okkulte Bewegungen seit Gründung der Adyar-Theosophische Gesellschaft beziehen, um ihre Lehren zu rechtfertigen (...) Zur Zeit von H. P. Blavatsky wurde behauptet, die Meister wohnten in Shigatse in Tibet; dorthin gerichtete Expeditionen hatten jedoch keinen Erfolg. Danach wurde erklärt, die Meister hätten normalerweise ja nicht den Körper eines Menschen und wären außerdem nur dem hellsichtigen Auge zu erkennen. Höchstes Ziel des Theosophen, der der E (soterischen) S (chule) angehört, ist es, mit einem Meister in mentalen oder gar persönlichen Kontakt zu kommen und als Schüler angenommen zu werden ... Nach Blavatskys Erklärungen haben die M (eister) eine fast göttl (iche) Einsicht und Macht; sie können die Gedanken aller Menschen lesen und sie in jeder beliebigen Entfernung beeinflussen, können materielle Gegenstände in ihre Bestandteile auflösen und an anderen Orten die Gegenstände wieder herstellen, Naturerscheinungen willkürlich hervorrufen, ihre Seele kann den Körper verlassen und mit Blitzesschnelle an jedem Ort auf der Erde oder außerhalb unseres Planeten einige Zeit verweilen" (Miers, ebd., 274ff.).

Dass es sich bei solchen "Meistern" - soweit kein Betrug vorliegt - um Dämonen oder dämonisch inspirierte Menschen handelt, geht aus der Bibel deutlich hervor. Sie beschreibt die Dämonen als Geister, die unter Leitung Satans im Luftraum unter dem Himmel herrschen und eine Vielzahl von übernatürlichen Erscheinungen hervorbringen können. So heißt es in Eph 2,2:

"Ihr habt früher gelebt nach der Art dieser Welt unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist unter den Kindern des Ungehorsams."

In Eph 6,12 wird betont:

"Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dein Himmel." Und Jesus Christus warnt seine Gemeinde: "Es werden viele falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und große Zeichen und Wunder tun, so dass sie, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführen" (Mt 24,24).

Aus bibl. Sicht handelt es sich bei der Theosophische Gesellschaft um eine gottfeindliche Bewegung mit dem Ziel der Förderung spiritistischer Phänomene (Spiritismus) mit allen Folgen. Die Bibel warnt uns vor der Kontaktaufnahme mit Geistern (in Wirklichkeit: Dämonen) und bezeichnet dieses Handeln als "Gräuel" in den Augen Gottes (5. Mose 18,9ff).

S. auch: Theosophie; Anthroposophie; Okkultismus; Spiritismus; New Age; Freimaurerei.

Literaturhinweise

A. A. Bailey: The Reappearance Of The Christ, 1948 (dt. 1970)
J. Frohnmeyer: Die theosophische Bewegung, 1920
A.L. Matzka: Theosophie und Anthroposophie, 1950
S. Holthaus: Madame Blavatsky und die Theosophische Gesellschaft, 1990

Einzelhinweise und Quellen

Originärer Autor: Lothar Gassmann

Ursprungsquelle dieses Artikels: https://www.bibel-glaube.de/handbuch_orientierung/Theosophische_Gesellschaft.html (Abgerufen am 19. 05. 2024 14:37)


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